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Panzertruppe

Die Panzertruppe ist der Teil einer Landarmee, der sich ausschließlich aus mechanisierten Verbänden zusammensetzt und deren Hauptwaffensystem der Kampfpanzer ist. Die Panzertruppe bildet in vielen Landstreitkräften den gepanzerten Kern. In Deutschland, Österreich und der Schweiz bildet die Panzertruppe eine eigene Truppengattung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Panzertruppe vor 1945

Bereits während des Ersten Weltkriegs wurden Panzer entwickelt, die jedoch nur vereinzelt eingesetzt wurden und man daher anfänglich noch nicht von einer eigenen Truppengattung „Panzertruppe“ sprechen konnte. Der erste Einsatz britischer Tanks erfolgte in Flers an der Somme im Jahre 1916. Die britischen Armee führte allerdings bereits 1916 ein eigenständiges „Royal Tank Corps“. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges setzten auch deutsche Truppen einige, teilweise erbeutete, Panzer ein. Als Vordenker für die Gestaltung einer modernen Panzertruppe gilt jedoch erst der deutsche Generaloberst Heinz Guderian. Guderian leistete nach dem Ersten Weltkrieg taktische Grundlagenarbeit, indem er feststellte, dass der massierte Einsatz von Panzern wirksamer ist als der vereinzelte Einsatz als Unterstützungswaffe für unmotorisierte Fußtruppen. Gliederung, Ausrüstung und Einsatzgrundsätze der neu aufgestellten Panzerdivisionen waren auf den Kampfpanzer als Hauptwaffe ausgerichtet. Alle anderen Waffen in diesen Verbänden waren auf das Zusammenwirken mit Kampfpanzern angewiesen. Im Rahmen der Aufrüstung im nationalsozialistischen Deutschland konnte er seine Ideen zu Organisation und Einsatz der Panzertruppe umsetzen, während in anderen Ländern Offiziere mit ähnlichen Ideen, wie zum Beispiel Charles de Gaulle in Frankreich oder John Frederick Charles Fuller in England, kein Gehör fanden. Diese Grundlagen ermöglichten die Blitzkriege der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und gelten noch heute (siehe z. B. die Vorgehensweise der US Army im 1. Golfkrieg).

Siehe auch: Panzer (1914–1933), Panzer (1933–1945)

Die Panzertruppe nach 1945

Im Kalten Krieg waren Kampfpanzer eine Hauptwaffe, die in den Truppen der NATO und vom Warschauer Pakt in weitaus größerer Anzahl als heute vorgehalten wurden. Dennoch bilden die Panzertruppen auch nach Ende des West-Ost Konflikts in vielen Armeen den gepanzerten Kern der Landstreitkräfte, wobei jedoch zumindest bei den Truppen der NATO ein Trend zu leichteren und beweglicheren Truppen erkennbar ist. In den späten 80er Jahren umfasste die sowjetische Panzertruppe etwa 29.000 Kampfpanzer mit mehr als einer Million Soldaten.

Siehe auch: Geschichte der Kampfpanzer, Geschichte der Panzer allgemein, Panzer des Kalten Krieges, en:Tank formations during the Cold War (englisch)

Die Panzertruppe in der Bundeswehr

Die Panzertruppe im Heer ist eine eigene Truppengattung und gehört zu den Panzertruppen (immer Plural!) und damit zu den Kampfverbänden der Bundeswehr. Zu den Panzertruppen werden außerdem die Panzergrenadiere gezählt, die allerdings bis 1995 der Infanterie zugerechnet wurden. Diese beiden Truppengattungen waren bis 2005 unter dem Oberbegriff Gepanzerte Kampftruppen zusammengefasst. Zu diesen gehörten auch die Panzeraufklärer und die Panzerjäger.

Geschichte

Nachdem der Aufbau Mitte der 1960er Jahre fast vollständig abgeschlossen war, verfügte die Bundeswehr über die folgenden Panzerverbände:

Bis zur Heeresstruktur II hatte jede Kompanie drei Züge mit je fünf Panzern, zuzüglich der Panzer des Kompaniechefs und ein Umsteigefahrzeug. Die Anzahl der Panzerfahrzeuge wurde später verringert. Der Bataillonsstab verfügte über drei weitere Fahrzeuge bei der Stabs- und Versorgungskompanie – je eines für den Kommandeur und den stellvertretenden Kommandeur, sowie ein Umsteigefahrzeug. Ein Bataillon besaß also 54 Kampfpanzer. Insgesamt standen der Bundeswehr etwa 2800 Panzerkampffahrzeuge Leopard 1 und M 48 sowie etwa 970 Jagdpanzer zur Verfügung. Anfang der 1980er Jahre wurden weitere 17 Panzerbataillone als gemischte Verbände (Panzer/Panzergrenadiere) aufgestellt. Sie trugen in ihrer Verbandsnummer jeweils eine 1 am Ende, eine Ziffernkombination, die bis dahin nicht vergeben worden war. Eine Ausnahme bildete nur das Gebirgs-Panzerbataillon 8. Zusätzlich zur Aufstellung kamen zwölf Panzerbataillone der Heimatschutzbrigaden, die jedoch nur teilaktiv und teilmobil (Ist-Bestand ca. 60%) waren.

→ siehe auch: Liste der ehemaligen und aktiven Panzereinheiten der Bundeswehr

Panzerverbände und -einheiten

Im deutschen Heer werden zukünftig in der Heeresstruktur „Heer 2010“ noch zwei Divisionen und drei Brigaden als Panzerdivision bzw. Panzerbrigade bezeichnet. Die Bundeswehr besitzt zukünftig noch folgende sechs Panzerbataillone:

In Auflösung befindliche Verbände:

Die Bataillone 33, 93 und 203 sind Teil der Eingreifkräfte des Heeres. Die Bataillone weisen je eine Stabs- und Versorgungskompanie, sowie drei kämpfende Kompanien mit je vier Zügen auf. Dazu kommen je nach Bataillon eine Ausbildungskompanie und eine oder mehrere Feldersatzkompanien, die jedoch nicht aktiv in Dienst stehen. Die Ausbildung und Weiterentwicklung der Panzertruppe erfolgt im Wesentlichen am Ausbildungszentrum Panzertruppen in Munster. Ihr Leiter ist General der Panzertruppen.

Hauptwaffensystem

Das Hauptwaffensystem der Panzertruppe ist der Kampfpanzer Leopard 2. Die Bundeswehr verfügt (Stand 2005) über rund 125 Kampfpanzer des Typs Leopard 2A5 (für zwei Bataillone der Stabilisierungskräfte) sowie rund 155 des Typs 2A6 zzgl. 70 mit Minenschutz des Typs 2A6M für die drei Panzerbataillone der Division Eingreifkräfte (1. Panzerdivision) sowie für ein weiteres Bataillon der Stabilisierungskräfte. Zu Erprobungs- und Ausbildungszwecken stehen außerdem etwa 50 ältere Leopard 2A4 bereit. Jedes Bataillon führt äquivalent zur Verteilung der Schützenpanzer im Panzergrenadierbataillon insgesamt 44 Kampfpanzer (vier pro Zug, zwei für die Kompanieführung und zwei weiter für die Bataillonsführung).

Erkennungszeichen

Die Waffenfarbe der Panzertruppe in der Bundeswehr ist Rosa (Litze und Kragenspiegel). Das Barett ist schwarz und wird häufig auch im Gefechtsdienst getragen. Das Barettabzeichen der Panzertruppe zeigt einen stilisierten Kampfpanzer in einem Kranz aus Eichenlaub, abgeleitet vom Panzersturmabzeichen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. (Die nicht mehr existierende Panzerjägertruppe unterschied sich nur durch ein anderes Barettabzeichen von der Panzertruppe.) Taktisches Zeichen ist das liegende Oval, das eine stilisierte, umlaufende Panzerkette verkörpert.

Siehe auch: Liste der Panzerverbände mit Wappen

Literatur