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Freibier

Freibier bezeichnet den kostenlosen Ausschank von Fassbier oder die kostenfreie Abgabe von Flaschen- oder Dosenbier.

Der älteste bekannte Ausschank von Freibier fand im alten Ägypten statt. Ungefähr ein Zehntel der jährlichen Feiertage waren der Trunkenheit gewidmet. Um die Untertanen gewogen zu stimmen, schenkten Pharaonen ihren Untertanen Freibier aus.

1848 verhinderte der Ausschank von Freibier in München möglicherweise blutige Unruhen. Der unbeliebte König Ludwig I. (Großvater von Ludwig II.) hatte die Münchner durch sein autoritäres Wesen und auch seine Affäre mit der irischen Hochstaplerin "Lola Montez" gegen sich aufgebracht. Eine Volksmenge stürmte das mittelalterliche Zeughaus am Jakobsplatz (heute Stadtmuseum), bewaffnete sich mit Helmen, Schwertern, Hellebarden und Schilden und marschierte zur königlichen Residenz, wo sie Fensterscheiben einwarf. Der bedrohte Ludwig I. reagierte besonnen und ließ, anders als der preußische König, nicht auf seine Münchner schießen. Er rief seinen beim Volk beliebten Bruder Carl, der Freibier ausschenken ließ. Die Menge beruhigte sich und brachte sogar den größten Teil der mittelalterlichen Waffen ins Zeughaus zurück, das danach bedauerlicherweise aufgelöst wurde.

Ursprünglich erhielten die Arbeiter der Brauereien täglich und später wöchentlich zusätzlich zu ihrem Lohn oder Gehalt eine bestimmte Ration des Produktes, an dessen Erzeugung sie beteiligt waren. Die Menge variierte je nach Beschäftigungsgrad. Diese als Freibier bezeichnete zusätzliche Leistung des Unternehmens übertrug sich auch auf die Gabe von Freigetränken durch andere Personen und Firmen. Besonders zu Hochzeiten von Adligen oder später von begüterten Bürgern einer Hansestadt war es üblich, Freibier und freie Kost auch an das gemeine Volk auszugeben. Die Abgabe von Freibier an Brauereibeschäftigte ist noch heute, zumindest in Deutschland, gang und gäbe. Im Allgemeinen wird diese Vergütung „Haustrunk“ oder auch Deputat genannt und liegt zwischen 40 und 100 Litern pro Monat. Die Brauereien bestanden in früheren Zeiten darauf, dass dieser Haustrunk in der Brauerei am sogenannten „Stern“ (altertümlich auch Sternen in der Brauersprache genannt) genossen wurde, um dadurch einen privaten Weiterverkauf auszuschliessen. Da der Genuss von Bier bei der Arbeit in der Regel durch deutsche Gesetze, Verordnungen oder Arbeitsschutzbestimmungen eingeschränkt ist, geben inzwischen die meisten Brauereien dieses Deputat Kasten- oder Faßweise zur Mitnahme nach Hause an ihre Beschäftigten ab.

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Freibier als Werbemaßnahme

Anlässe für den öffentlichen Ausschank von Freibier sind z. B. Feiern bzw. Festlichkeiten zu Jubiläen. Häufig wird mit der Werbeankündigung des Freibierausschanks versucht, den Publikumszustrom zu Veranstaltungen zu steigern. Daneben wird Freibier auch von den Brauereien oder Biervertriebsorganisationen zur Werbung für das entsprechende Produkt eingesetzt, den Rahmen dafür bilden oftmals publikumswirksame und zielgruppenorientierte Veranstaltungen (Dorf- und Stadtfeste, Sportveranstaltungen, Tanzveranstaltungen, Konzerte, Messen).

Traditionell wird Freibier als gezapftes Bier ausgeschenkt. Dies ist kostengünstig und zudem kann die Füllmenge der Gläser und die Zapfgeschwindigkeit flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Bei Veranstaltungen, bei denen der Getränkeausschank hauptsächlich kommerziell motiviert ist, wird die Abgabe von Freibier meist zeitlich (z. B. von 23 Uhr bis Mitternacht) oder mengenmäßig (z. B. fünf Fässer) beschränkt.

Eines der wahrscheinlich größten Freibierfeste findet jedes Jahr an der Technischen Universität München am Standort Weihenstephan in Freising statt. Dort werden jedes Jahr über 100 Hektoliter Freibier von über 200 Brauereien ausgeschenkt. Allerdings ist die Teilnahme an diesem Fest Mitarbeitern und Studenten der Universität vorbehalten.

Ein ebensolches Fest findet auch an der VLB (Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei) in Berlin statt.

Siehe auch: Zechgelage

Freies Bierrezept

Nach dem Konzept freier Software entstand das Bier Vores Øl das heute unter dem Namen Free Beer weiterentwickelt wird. Dabei wird jedoch nicht das Produkt umsonst an den Verbraucher abgegeben, sondern das Rezept offen unter einer Creative-Commons-Lizenz entwickelt die es unter Berücksichtigung der Lizenzbedingungen ermöglicht das Bier frei zu brauen und zu vertreiben, sowie die Rezeptur weiterzuentwickeln.

Freie Schokolade

In vielen Fabriken, die Nahrungsmittel herstellen, ist es den Angestellten ausdrücklich erlaubt, während der Arbeit beliebig viel von den Produkten zu konsumieren, die sie herstellen. Insbesondere Süßwarenfabriken erlauben den Angestellten innerhalb des Fabrikgeländes unbegrenzten Genuss, der aber kaum in Anspruch genommen wird. Die Arbeiterinnen, die an der bis in die frühen Achtziger verbreiteten Fließband-Bestückung von Pralinenkästen beschäftigt waren, hatten oft auch im Privatleben jegliches Interesse an Schokolade verloren. Es kann oft vorteilhafter sein, den Genuss der Waren ausdrücklich zu erlauben, als ein schwer zu kontrollierendes Verbot aufzustellen, denn die Angestellten essen meist nur in den ersten Tagen davon, verlieren aber schnell das Interesse an den Produkten und sehen sie als normale Werkstücke und Arbeitsmaterialien an.

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