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The Prosopography of the Later Roman Empire

The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE) ist das wichtigste prosopographische Nachschlagewerk, das sich mit der Geschichte der Spätantike befasst. Es wird von der Cambridge University Press verlegt.

Das Werk wurde ursprünglich geplant und herausgegeben von Arnold Hugh Martin Jones, John Martindale und John Morris.[1] Es umfasst drei Bände, wobei der dritte Band aufgrund des Umfangs in zwei Halbbände aufgeteilt wurde, die zwischen 1971 und 1992 erschienen. Nur John Martindale erlebte noch die Fertigstellung des letzten Bandes. Jones, dessen Werk The Later Roman Empire (1964) ein bis heute nicht überholtes Standardwerk ist, war auch bis zu seinem Tod der Leiter des Projekts, für das anschließend E. A. Thompson, A. D. E. Cameron und schließlich P. Grierson verantwortlich waren. Finanziert wurde das Mammutvorhaben unter anderem von der British Academy, die Universität Cambridge leistete administrative Unterstützung.

Inhaltlich werden die meisten bekannten weltlichen Personen aufgeführt, die zwischen ca. 260 und 641 n. Chr. in den (zum Zeitpunkt der Erstellung der Einträge verfügbaren) Quellen auftauchen und eine Rolle spielten, wobei freilich die Mitglieder der Oberschicht oder bekannte Amtsträger überwiegen.[2] Geistliche wurden jedoch absichtlich nicht berücksichtigt.[3] Dabei beschränkt sich der in der PLRE behandelte Personenkreis nicht nur auf Römer. Vielmehr werden auch Perser und „Barbaren“ (wie Goten, Vandalen, Hunnen etc.) verzeichnet, wobei der „geographische Schwerpunkt“ der Bände variiert (in Bd. 3 findet beispielsweise Britannien, nach dem Abzug der römischen Garnisonstruppen zu Beginn des 5. Jahrhunderts, kaum Beachtung).[4]

Die Länge der einzelnen Beiträge ist recht unterschiedlich. Während die Kaiser (und Kaiserinnen) absichtlich nur sehr knapp behandelt werden, wurden einige Personen teils nur mit wenigen Zeilen, andere wiederum mit mehreren Seiten bedacht (so etwa der oströmische General Belisar im dritten Band mit 42 Seiten). In jedem Eintrag wird auf die Quellen Bezug genommen sowie die eventuell bekleideten Ämter aufgeführt; eher selten wird auch auf einige einschlägige Standardwerke hingewiesen.

Die PLRE, in der auch Stammbäume enthalten sind, stellt damit ein unersetzliches Hilfsinstrument zur Erschließung der spätrömischen Gesellschaft dar.

Anmerkungen

  1. Bereits Theodor Mommsen hatte ein ähnliches Projekt ins Auge gefasst.
  2. Die Zeit nach 641 wird in der Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit behandelt.
  3. Diese werden in einem separaten französischen Nachschlagewerk behandelt: Prosopographie chrétienne du Bas-Empire, hrsg. von André Mandouze, Bd. 1 ff., Paris 1982ff; Besprechung von Bd. 2.
  4. Der Teil, der sich mit Gallien (bis ins frühe 6. Jahrhundert) befasst, wurde allerdings später von Heinzelmann verbessert und ergänzt, siehe Martin Heinzelmann, Gallische Prosopographie 260–527, in: Francia 10, 1982, S. 531–718.