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Dinosaurier

Dieser Artikel befasst sich mit der Tiergruppe Dinosaurier, für den gleichnamigen Film siehe Dinosaurier (Film)
Dinosaurier
Zeitraum
Mitteltrias bis Holozän

235 bis 0 Mio. Jahre

Fossilfundorte
  • Weltweit
Systematik
Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Amnioten
Diapsida
Archosauria
Ornithodira
Wissenschaftlicher Name
Dinosauria
Owen, 1842
Untertaxa

Die Dinosaurier (griech. δεινός deinos – „schrecklich, gewaltig“, σαῦρος sauros – „Echse“) waren die Gruppe der Landwirbeltiere (Tetrapoda), die im Mesozoikum (Erdmittelalter) von der Mittleren Trias vor ca. 235 Millionen Jahren bis zur Kreide-Tertiär-Grenze vor ca. 65 Millionen Jahren die festländischen Ökosysteme dominierte.

In der klassischen Systematik werden die Dinosaurier als ausgestorbene Reptiliengruppe betrachtet, aus kladistischer Sicht jedoch schließen die Dinosaurier als systematische Gruppe die Vögel, die aus einer Gruppe kleiner theropoder Dinosaurier hervorgingen, mit ein. Somit gingen nicht alle Dinosaurier während des Massenaussterbens am Ende des Mesozoikums unter, sondern überlebten als Vögel bis heute.

In anderen Wissenschaften als der Paläontologie, etwa der Vogelkunde (Ornithologie), wird weiterhin mit der zoologischen Systematik gearbeitet, nach der die Vögel eine eigenständige Klasse bilden. Das gilt auch für den allgemeinen Sprachgebrauch. Wenn in diesem Artikel im Folgenden von „Dinosauriern“ die Rede ist, sind damit „Nichtvogeldinosaurier“ gemeint.

Das Wissen über die Dinosaurier erhalten Paläontologen durch die Untersuchung von Fossilien, die in Form von versteinerten Knochen, Haut- und Gewebeabdrücken sowie durch Spurenfossilien, also Fußspuren, Eier und Nester, Magensteine und versteinerten Kot überliefert sind. Überreste von Dinosauriern wurden auf allen Kontinenten gefunden, einschließlich Antarktikas, da die Dinosaurier zu einer Zeit entstanden, als alles Festland im Superkontinent Pangaea vereinigt war. Bisher wurden über 500 gesicherte Dinosauriergattungen beschrieben und jedes Jahr kommen weitere Funde hinzu.

Obwohl unter ihnen die größten Landtiere aller Zeiten waren, war die Mehrzahl der Dinosaurier eher klein und flink wie beispielsweise Deinonychus. Man geht davon aus, dass zumindest manche Dinosauriergruppen homoiotherm („warmblütig“) waren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Dinosaurier?

Das Taxon Dinosauria wurde im April 1842 von dem englischen Anatom Sir Richard Owen aufgestellt. Nach der heutigen Definition schließen Dinosaurier alle Nachfahren des gemeinsamen Vorfahren von Triceratops und den modernen Vögeln mit ein[1]. Es wurde auch vorgeschlagen, die Dinosaurier als alle Nachfahren des gemeinsamen Vorfahren von Megalosaurus und Iguanodon zu definieren, da dies zwei der drei Gattungen sind, die Owen bei seiner Erstbeschreibung der Dinosaurier nannte[2]. Beide Definitionen fassen die selben Tiere zur Gruppe der Dinosaurier zusammen, inklusive der Theropoden (hauptsächlich zweibeinige Karnivoren), Sauropodomorphen (hauptsächlich große Pflanzenfresser mit langen Hälsen und Schwänzen), Ankylosaurier (gepanzerte, vierbeinige Pflanzenfresser), Stegosaurier (vierbeinige, Knochenplatten tragende Pflanzenfresser), Ceratopsia (vierbeinige Pflanzenfresser mit Hörnern und Nackenschildern) und Ornithopoden (zweibeinige oder vierbeinige Pflanzenfresser einschließlich der „Entenschnäbel“). Andere Archosaurier, darunter die Flugsaurier (Pterosauria), werden zwar manchmal als Dinosaurier bezeichnet, sind aber keine; ebenso wenig wie die großen das Meer bewohnenden Reptilien des Mesozoikums oder der Synapside Dimetrodon, der näher mit den Säugetieren verwandt ist[3].

Die Dinosaurier waren durch eine immense Formenvielfalt gekennzeichnet. Einige waren Herbivoren (Pflanzenfresser), andere Karnivoren (Fleischfresser); einige waren quadruped (vierbeinig), andere biped (zweibeinig), und wieder andere, wie zum Beispiel Iguanodon, konnten sich sowohl biped als auch quadruped fortbewegen. Viele hatten eine Panzerung, Hörner, Knochenplatten, Schilde oder Segel. Obwohl sie für eine gigantische Größe bekannt sind, waren viele Dinosaurier nur so groß wie ein Mensch oder kleiner. Trotz ihrer Diversität (Verschiedenartigkeit) sind sie jedoch, anders als die Vögel, nicht in aquatische Lebensräume oder in die Luft vorgedrungen.

Einer Studie aus dem Jahr 2006 zufolge sind bis heute über 500 gesicherte Dinosauriergattungen bekannt; und die Anzahl der Gattungen, die als Fossilien überliefert sind, wurde auf 1850 geschätzt, von denen fast 75 % noch entdeckt werden müssen.[4] Eine frühere Studie schätzte die Gesamtanzahl der Dinosauriergattungen, die jemals existiert haben, auf 3400 – wovon jedoch viele nicht als Fossilien überliefert seien[5].

Unterscheidungsmerkmale

Gegenüber ihren nächsten Verwandten innerhalb der Archosaurier (Lagosuchus, Scleromochlus und den Flugsauriern) zeichnen sich die Vertreter aller Dinosauriergruppen durch eine Anzahl gemeinsamer abgeleiteter Skelettmerkmale aus:[6]

Während urtümliche Dinosaurier alle diese Merkmale aufweisen, kann der Knochenbau späterer Formen stark abweichen, so dass manche der aufgeführten Charakteristika nicht mehr vorhanden oder nachzuvollziehen sind.

Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Merkmale, die viele Dinosaurier gemeinsam haben, aber nicht als gemeinsam abgeleitete Merkmale bezeichnet werden, da sie sich auch bei einigen Nicht-Dinosauriern finden oder nicht bei allen frühen Dinosauriern auftreten. Dies sind unter anderem das verlängerte Schulterblatt (Scapula), drei oder mehr Wirbel im Bereich des Beckengürtels (Sakralwirbel; drei wurden in einigen anderen Archosauriern gefunden, jedoch nur zwei in Herrerasaurus)[7] oder eine offene (perforierte) Hüftgelenkpfanne (geschlossen in Saturnalia)[8].

Dinosaurier hielten ihre Beine senkrecht unter dem Körper, ähnlich wie die meisten heutigen Säugetiere – aber anders als die meisten anderen Reptilien, deren Beine gespreitzt nach außen hin abstanden. Durch ihre aufrechte Haltung konnten Dinosaurier beim Bewegen leichter atmen, was wahrscheinlich Ausdauer- und Aktivitätslevel erlaubte, welche die anderer Reptilien mit gespreizten Beinen übertrafen[9]. Außerdem hat die gerade Stellung der Beine eventuell die Evolution des Gigantismus unterstützt, da so die Beine entlastet wurden[10].

Fossilbelege

Das Wissen über die Dinosaurier erhalten Paläontologen durch die Untersuchung von Fossilien, wobei Knochenfunde eine herausragende Rolle spielen – durch sie werden wichtige Daten über Verwandtschaftsbeziehungen, Anatomie und Körperbau, Biomechanik und vieles mehr gewonnen. Ergänzende Hinweise, besonders über das Verhalten der Dinosaurier, liefern die Spurenfossilien, wie Zahnabdrücke an Knochen, Hautabdrücke, Schwanzabdrücke, und vor allem fossile Fußspuren, die mit Abstand häufigsten Spurenfossilien. Spurenfossilien ermöglichen es, Dinosaurier aus einer ganz anderen Perspektive zu studieren, da das Tier lebte, als die Spuren hinterlassen wurden – wobei Knochen immer von toten Tieren stammen. Weitere Informationen gewinnt man aus fossilen Eiern und Nestern, aus Koprolithen (versteinerten Kot) und Gastrolithen (Magensteine, die zur Zerkleinerung der Nahrung von einigen Dinosauriern verschluckt wurden).

Evolution und Systematik

Ursprung

Viele Wissenschaftler dachten lange, Dinosaurier seien eine paraphyletische Gruppe und bestünden aus miteinander nicht näher verwandten Archosauriern[11][12] – heute sieht man Dinosaurier jedoch als selbstständige Gruppe.[13][7]

Die ersten Dinosaurier spalteten sich vermutlich während der mittleren Trias vor etwa 235 Millionen Jahren von anderen Archosauriern ab. Erst 20 Millionen Jahre zuvor, am Ende des Perms, gab es das wohl größte Massenaussterben der Erdgeschichte, als 95 % aller Lebewesen auf der Erde ausstarben.[14][15] Die 230 Millionen Jahre alte Ischigualasto-Formation in Argentinien barg die Fossilien einiger sehr alter Dinosaurier wie z. B. Eoraptor, der wahrscheinlich dem gemeinsamen Vorfahr aller Dinosaurier sehr ähnlich sah[16]; somit wären die ersten Dinosaurier kleine, bipede Fleischfresser gewesen.[17] Diese Sichtweise wird auch durch Funde primitiver, dinosaurierähnlicher Ornithodiren bestätigt, wie Marasuchus und Lagerpeton. Diese Gattungen werden zwar außerhalb der Dinosaurier klassifiziert, waren aber wahrscheinlich mit dem gemeinsamen Vorfahren aller Dinosaurier nahe verwandt.

Als die ersten Dinosaurier erschienen, waren die terrestrischen Ökosysteme von verschiedenen Arten urtümlicher Archosaurier und Therapsiden besetzt: Aetosaurier, Cynodonten, Dicynodonten, Ornithosuchiden, Rauisuchier sowie Rhynchosaurier. Die meisten dieser Gruppen starben noch in der Trias aus; so gab es am Übergang zwischen Karnium und Norium ein Massenaussterben, bei dem die Dicynodonten und verschiedene basale Archosauromorphen wie die Prolacertiformen und Rhynchosaurier verschwanden. Darauf folgte ein weiteres Massenaussterben am Übergang zwischen Trias und Jura, bei dem die meisten anderen frühen Archosauriergruppen, wie Aetosaurier, Ornithosuchier, Phytosaurier und Rauisuchier ausstarben. Diese Verluste hinterließen eine Landfauna, die aus Crocodylomorphen, Dinosauriern, Säugetieren, Pterosauriern und Schildkröten bestand.[7]

Die frühen Dinosaurier besetzten wahrscheinlich die Nischen, die durch die ausgestorbenen Gruppen frei wurden. Früher ging man davon aus, dass die Dinosaurier die älteren Gruppen in einem langen Konkurrenzkampf zurückdrängten – dies wird heute jedoch aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich angesehen: Die Zahl der Dinosaurier nahm nicht allmählich zu, wie es bei einem Verdrängen anderer Gruppen der Fall gewesen wäre; vielmehr machte ihre Individuenzahl im Karnium lediglich 1–2 % der Fauna aus, während sie nach dem Aussterben einiger älterer Gruppen im Norium bereits 50–90 % ausmachte. Ferner war die senkrechte Stellung der Beine, die lange als Schlüsselanpassung der Dinosaurier galt, auch in anderen zeitgenössischen Gruppen ausgeprägt, die nicht so erfolgreich waren (Aetosaurier, Ornithosuchier, Rauisuchier und einige Crocodylomorphen).[7]

Systematik und Phylogenese

Hauptartikel: Systematik der Dinosaurier
Zweistrahliges Becken
der Ornithischia

Die Überordnung der Dinosaurier wird, wie die meisten heutigen Reptilien, zu den Diapsiden gezählt. Diese unterscheiden sich von den Synapsiden (aus denen die Säugetiere hervorgingen) und von den Anapsiden (die heutigen Schildkröten) durch zwei paarweise angeordnete Schädelfenster hinter den Augen. Innerhalb der Diapsiden werden sie zu den Archosauriern, den Herrscherreptilien, gezählt, die mit zwei weiteren zusätzlichen Schädelfenstern ausgestattet sind. Heutige Überbleibsel dieser Reptiliengruppe sind neben den Krokodilen die Vögel. Die Dinosaurier selber werden in zwei Ordnungen, Saurischia (auch Echsenbeckendinosaurier) und Ornithischia (auch Vogelbeckendinosaurier), aufgeteilt. Diese unterscheiden sich vorrangig an der Beckenstruktur. Die Saurischia haben die Beckenstruktur ihrer Vorfahren beibehalten und sind durch voneinander abstehende Pubis- und Ischiumknochen zu erkennen. Die Pubis- und Ischiumknochen der Ornithischia jedoch verlaufen beide parallel zueinander schräg nach hinten.

Es folgt eine vereinfachte Klassifikation von Dinosauriern auf Familienebene. Eine detailliertere Aufstellung bis auf die Ebene der Gattungen findet sich hier.

  • Prosauropoda (frühe Verwandte der Sauropoden; klein bis recht groß; einige waren evtl. Allesfresser, biped und quadruped)
  • Sauropoda (sehr groß und elefantenähnlich, meistens über 15 Meter lang)
  • Diplodocoidea (verlängerte Schädel und Schwänze; Zähne sind nach vorne gerichtet und stiftartig)
  • Macronaria (diverse Gruppe teils riesiger Sauropoden)
  • Brachiosauridae (sehr lange Hälse; Vorderbeine sind länger als Hinterbeine)
  • Titanosauria (divers; besonders häufig in der späten Kreide der südlichen Kontinente)
  • Ankylosauria (Panzerung aus Knochenplatten, einige hatten eine knöcherne Keule am Schwanzende)
  • Stegosauria (quadruped, mit Knochenplatten und Stacheln)
  • Ornithopoda (divers, waren gleichzeitig quadruped und biped, entwickelten Fähigkeit zu kauen, große Anzahl von Zähnen)
  • Pachycephalosauria („Dickkopfsaurier“, mit verdicktem Schädeldach und Kopfornamenten)
  • Ceratopsia (quadrupede Dinosaurier mit Hörnern und Nackenschildern, obwohl frühe Formen nur Andeutungen dieser Merkmale hatten)

Evolution, Paläobiogeographie und Palökologie

Die Evolution der Dinosaurier nach der Trias wurde durch Veränderungen der Vegetation und der Lage der Kontinente beeinflusst. In der späten Trias und im frühen Jura waren alle Kontinente zu der großen Landmasse Pangaea vereinigt, wodurch es eine weltweit einheitliche Dinosaurierfauna gab, die sich hauptsächlich aus karnivoren Coelophysoideen und herbivoren Prosauropoden zusammensetzte.[18] Nacktsamige Pflanzen, insbesondere Koniferen, verbreiteten sich während der späten Trias als mögliche Futterquelle. Prosauropoden konnten das Pflanzenmaterial nicht im Mund verarbeiten und waren auf andere Mittel zur Aufschlüsselung der Nahrung im Verdauungstrakt angewiesen.[19] Die Homogenität der Dinosaurierfaunen setzte sich bis in den mittleren und späten Jura fort: Unter den karnivoren Theropoden dominierten die Ceratosaurier, die Spinosauroideen und die Carnosaurier, während unter den Herbivoren die Stegosaurier, die Ornithischier und die Sauropoden verbreitet waren. Wichtige, gut bekannte Faunen des späten Jura schließen die der Morrison-Formation in Nordamerika und der Tendaguru Beds in Tansania mit ein. Faunen aus China zeigen jedoch einige Unterschiede wie die spezialisierten Sinraptoriden unter den Karnivoren und ungewöhnliche, langhalsige Sauropoden wie Mamenchisaurus unter den Herbivoren.[18] Ankylosaurier und Ornithopoden verbreiteten sich zunehmend, die Prosauropoden jedoch starben aus. Koniferen und andere Pflanzengruppen wie Farne und Schachtelhalme waren die dominierenden Pflanzen. Anders als Prosauropoden und Sauropoden hatten die Ornithischier Mechanismen entwickelt, die eine Verarbeitung von Nahrung im Mund erlaubten. So hielten backenähnliche Organe die Nahrung im Mund, und durch Kieferbewegungen konnte die Nahrung zermahlen werden.[19]

Während der frühen Kreide setzte sich das Auseinanderbrechen Pangaeas fort, wobei sich die Dinosaurierfaunen verschiedener Kontinente mehr und mehr unterschieden. Die Ankylosaurier, Iguanodonten und Brachiosauriden verbreiteten sich über Europa, Nordamerika und Nordafrika. Später kamen besonders in Afrika Theropoden wie die großen Spinosauriden und Carcharodontosauriden hinzu; außerdem gewannen Sauropodengruppen wie die Rebbachisauriden und die Titanosaurier an Bedeutung. In Asien wurden Maniraptoren wie die Dromaeosauriden, Troodontiden und Oviraptorosaurier häufig, Ankylosaurier und frühe Ceratopsier wie Psittacosaurus wurden wichtige Herbivoren. Währenddessen wurde Australien die Heimat ursprünglicher Ankylosaurier, Hypsilophodonten und Iguanodonten.[18] Die Stegosaurier sind anscheinend in der späten frühen Kreide oder der frühen späten Kreide ausgestorben. Eine große Veränderung in der frühen Kreide brachte das Auftreten der Blütenpflanzen. Zur gleichen Zeit entwickelten verschiedene Gruppen von Herbivoren Zahnbatterien, die aus übereinander gestapelten Ersatzzähnen bestanden. Den Ceratopsiern dienten die Zahnbatterien zum Schneiden, während sie besonders bei Hadrosauriden zum Mahlen eingesetzt wurden.[19] Auch einige Sauropoden hatten Zahnbatterien entwickelt, am deutlichsten sind sie bei Nigersaurus ausgeprägt.[20]

In der späten Kreide gab es drei große Dinosaurierfaunen. In Nordamerika und Asien dominierten unter den Karnivoren die Tyrannosaurier und verschiedene Typen kleinerer Maniraptoren, die Herbivoren waren überwiegend Ornithischier und setzten sich aus Hadrosauriden, Ceratopsiern, Ankylosauriern und Pachycephalosauriern zusammen. In den südlichen Kontinenten waren die Abelisauriden die vorherrschenden Predatoren und Titanosaurier die vorherrschenden Herbivoren. Die Fauna Europas schließlich setzte sich aus Dromaeosauriden, Rhabdodontiden (Iguanodontia), Nodosauriden (Ankylosauria) und Titanosauriern zusammen.[18] Blütenpflanzen breiteten sich weiter aus[19], und die ersten Gräser tauchten am Ende der Kreide auf.[21] Hadrosauriden, welche Nahrung zermahlten, und Ceratopsier, welche Nahrung lediglich abschnitten, erlangten gegen Ende der Kreide in Nordamerika und Asien eine große Häufigkeit und Vielfalt. Einige Theropoden entwickelten sich derweil zu Herbivoren oder Omnivoren (Allesfressern), wie die Therizinosaurier und die Ornithomimosaurier.[19]

Ursprung der Vögel und gefiederte Dinosaurier

Hauptartikel: Gefiederte Dinosaurier, Evolution der Vogelfeder

Die ersten echten Vögel tauchten im Jura auf und entwickelten sich wahrscheinlich aus den Maniraptoren,[22] einer Gruppe sehr vogelähnlicher Theropoden. Bereits 1861 wurde der berühmte Urvogel Archaeopteryx in den Solnhofener Plattenkalken entdeckt, einer einzigartigen Fossillagerstätte in der Fränkischen Alb. Dieser frühe Vogel weist ein Mosaik aus Merkmalen der Vögel und der Theropoden auf, ähnelt jedoch so sehr den Theropoden, dass mindestens ein Fossil ohne klare Federabdrücke fälschlicherweise dem Compsognathus, einem kleinen Dinosaurier, zugeschrieben wurde. Die Theorie, dass Vögel von Dinosauriern abstammen, fand jedoch erst wesentlich später allgemeine Anerkennung, nachdem sie 1970 von John Ostrom neu aufgegriffen wurde.[23] Bis heute wurden über 100 anatomische Gemeinsamkeiten zwischen theropoden Dinosauriern und Vögeln nachgewiesen[24] – Ähnlichkeiten zeigen sich besonders beim Hals, Schambein (Pubis), Handgelenk, Schultergürtel, Gabelbein und Brustbein.

Seit den 1990ern wurde eine Reihe von gefiederten Theropoden entdeckt, welche die enge Verwandtschaft zwischen Dinosauriern und Vögeln noch deutlicher erscheinen lassen. Die meisten dieser Funde stammen aus der Jehol-Gruppe aus dem Nordosten Chinas, einer Lagerstätte, die durch exzellent erhaltene Fossilien berühmt ist. Gefiederte Dinosaurier sind selten, was daran liegen könnte, dass empfindliche Strukturen wie Haut oder Federn nur selten fossilieren und deswegen in den Fossilien meistens fehlen; deswegen könnten viele andere Theropoden ebenfalls gefiedert gewesen sein. Während urtümliche, daunenartige Federn bereits bei basalen Coelurosauriern nachgewiesen wurden (z. B. beim Compsognathiden Sinosauropteryx und beim Tyrannosauroiden Dilong),[25] gehören Funde von fortgeschrittenen Konturfedern immer zur Untergruppe Maniraptora, welche die Oviraptorosaurier, die Troodontiden, die Dromaeosauriden und die Vögel umfasst.[22][26] Federn entwickelten sich ursprünglich wahrscheinlich zur Wärmeisolierung oder zur Zuschaustellung; die Funktion zum Fliegen übernahmen sie erst später in der Evolution.[27][28] Bei Microraptor gui aus der Jehol-Gruppe zeigen sich gefiederte Arme und Beine – der kleine Dinosaurier könnte also evtl. mit vier Schwingen von Baum zu Baum gesegelt sein.[29] Wie sich der Vogelflug entwickelt hat, ist jedoch noch nicht geklärt.

Paläobiologie

Größe

Obwohl es viele kleine Dinosaurier gab, waren Dinosaurier als Gruppe groß. Der durchschnittliche Dinosaurier war nach einer Schätzung etwa 1 bis 10 Tonnen schwer[30], während das durchschnittliche Säugetier des Känozoikums nur 2 bis 5 Kilogramm schwer wurde[31]. Einige Dinosaurier waren gar gigantisch; insbesondere die langhalsigen Sauropoden, zu denen die größten Landtiere aller Zeiten gehörten. Die Ursache dieses Gigantismus konnte noch nicht hinreichend geklärt werden. Für die Sauropoden nehmen einige Forscher an, dass ihre Größe Vorteile für die Verdauung brachte, da die Nahrung länger im Verdauungstrakt verweilt als bei kleineren Tieren, und so intensiver genutzt werden kann. Dies würde ein Überleben auch mit nährstoffarmen Pflanzen erlauben.[32]

Wer der größte und der kleinste Dinosaurier war, kann man wahrscheinlich nie mit Sicherheit sagen können. Die Überlieferung durch Fossilien ist oft sehr unvollständig, nur die wenigsten Dinosaurier sind durch vollständige Skelette bekannt – von vermutlich besonders großen Arten werden meist lediglich Knochenfragmente gefunden. Paläontologen können zwar die Form und Größe der Knochen mit denen besser bekannter Arten vergleichen, um die Größe zu schätzen – dies ist allerdings ungenau. Noch schlechter lässt sich das Gewicht der Tiere schätzen, da es unter anderem davon abhängt, wie ein Modell mit Muskeln und Sehnen versehen wird, deren Lage Paläontologen anhand von Muskelansatzstellen an den Knochen herausfinden müssen[33].

Der größte und schwerste Dinosaurier, der durch gute Skelettfunde bekannt ist, ist der Sauropode Brachiosaurus (auch bekannt als Giraffatitan). Ein Skelett, das aus den Knochen verschiedener etwa gleichgroßer Individuen besteht[34], ist im Berliner Naturkundemuseum ausgestellt und hat eine Höhe von 12 Metern und eine Länge von 22,5 Meter; ein solches Tier hätte wahrscheinlich ein Gewicht von 30 bis 60 Tonnen gehabt. Der längste durch vollständige Skelette bekannte Dinosaurier ist Diplodocus, ein Skelettfund zeigt eine Länge von 27 Metern. Noch größere Sauropoden sind nur durch Skelettfragmente bekannt. Einer der größten Dinosaurier könnte Argentinosaurus gewesen sein, der manchmal auf ein Gewicht von bis zu 100 Tonnen geschätzt wird; der 33,5 Meter lange Diplodocus hallorum[32] (früher Seismosaurus) könnte zusammen mit dem 33 Meter langen Supersaurus[35] vielleicht zu den längsten Dinosauriern gehört haben.

Auch unter den fleischfressenden Dinosauriern gab es Riesen. Der größte durch fast vollständige Skelettfunde bekannte Theropode ist der etwa 12 Meter lange Tyrannosaurus rex, aber auch hier gibt es Skelettfragmente, die auf noch größere Gattungen schließen lassen. Der größte bekannte Theropode war vielleicht Spinosaurus mit einer Länge von 16 bis 18 Meter und einem Gewicht von 8 Tonnen[36], weitere sehr große Theropoden schließen Giganotosaurus, Mapusaurus und Carcharodontosaurus mit ein.

Die kleinsten Dinosaurier hatten die Größe eines Huhns – so waren die Theropoden Microraptor und Parvicursor beide weniger als 60 Zentimeter lang. Die kleineren Dinosaurier ernährten sich fast ausschließlich karnivor.

Verhalten

Interpretationen über das Verhalten der Dinosaurier basieren meistens auf der Haltung von Skelettfunden, auf Spurenfossilien wie fossilen Fußspuren, auf dem Habitat, in welchem die Tiere lebten, auf Computersimulationen der Biomechanik und auf Vergleiche mit rezenten Tieren ähnlicher ökologischer Nischen. Viele Hypothesen über das Verhalten der Dinosaurier sind lediglich spekulativ, einige finden aber generelle Zustimmung bei vielen Forschern.

Der Fund eines Iguanodon-Massengrabs in Bernissart (Belgien) im Jahr 1878 gab einen ersten Hinweis auf Herdenleben bei Dinosauriern.[37] Heute sind viele weitere Hinweise auf ein Herdenleben bei vielen Dinosaurierarten bekannt, so wurden neben weiteren Massengräbern auch viele parallel verlaufende Fährtenfolgen entdeckt. Hadrosauriden wanderten vermutlich in großen Herden, ähnlich wie die heutigen Springböcke oder Amerikanischen Bisons; so enthält ein Massengrab von Maiasaura aus Montana (USA) die Überreste von mindestens 10.000 Individuen[38]. Sauropodenspuren aus Oxford (England) zeigen, dass diese Sauropoden in gemischten Herden mit unterschiedlichen Arten wanderten[39]. Vielleicht bildeten Dinosaurier Herden zur Verteidigung gegen Fressfeinde, zum Schutz der Jungtiere oder für periodische Wanderungen. Auch einige karnivore Dinosaurier werden oft gesellig dargestellt, wobei sie als Rudeltiere zusammen auch größere Beute erlegt haben könnten.[40][41] Jedenfalls ist Jagen im Rudel bei den nächsten lebenden Verwandten der Dinosaurier, den Vögeln und den Krokodilen, recht ungewöhnlich, und vermeintliche Rudelfunde der Theropoden Deinonychus und Allosaurus könnten auch die Ergebnisse von tödlichen Auseinandersetzungen zwischen fressenden Tieren sein, wie man es bei modernen Reptilien häufig beobachten kann.[42]

Eine Maiasaura-Nestkolonie, die Jack Horner im Jahr 1978 in Montana (USA) entdeckt hat, zeigt, dass einige Dinosaurier ihre Jungen noch lange nach dem Schlüpfen betreuten und beschützten.[43] In der Mongolei wurde 1993 das Skelett des Oviraptoriden Citipati in einer brütenden Position über seinen Eiern entdeckt; dies könnte auch auf isolierende Federn hinweisen, welche die Eier warm hielten.[44] Andere Funde zeigen ebenfalls elterliche Fürsorge. So wurde zum Beispiel in China ein erwachsenes Exemplar des Ceratopsier Psittacosaurus zusammen mit 34 Jungtieren gefunden – die große Anzahl des Nachwuchses könnte darauf hindeuten, dass das erwachsene Tier den Nachwuchs von verschiedenen Individuen betreut hat, ähnlich wie bei heutigen Straußen.[45] Die Auca-Mahuevo-Fundstelle in Patagonien barg tausende Nester mit Eiern, die Sauropoden zugeschrieben werden und Hinweise auf große Nistkolonien dieser Dinosaurier geben, ähnlich denen der heutigen Pinguine. Sauropoden betrieben allerdings wahrscheinlich keine elterliche Fürsorge, was nicht zuletzt wegen der Größe der Elterntiere im Vergleich zu den Jungtieren angenommen wird.[46]

Die mannigfaltigen Kämme und Schilde einiger Dinosaurier, wie die der Marginocephalia, der Theropoden und der Lambeosaurinen, waren zur aktiven Verteidigung vielleicht zu zerbrechlich. Wahrscheinlicher ist, dass sie zur sexuellen Zurschaustellung dienten oder Artgenossen einschüchtern sollten – jedoch ist nur wenig über die Paarung und das Territorialverhalten der Dinosaurier bekannt. Bisswunden an den Schädeln von einigen Theropoden lassen aktive aggressive Konfrontationen zumindest bei diesen Dinosauriern vermuten.[47] Die Kommunikation der Dinosaurier untereinander bleibt ebenfalls mysteriös, ist aber ein aktives Gebiet der Forschung. Beispielsweise haben jüngere Studien gezeigt, dass die Kopfkämme der Lambeosaurinen als Resonanzverstärker für ein breites Spektrum von Rufen gedient haben könnten.[48][49]

Ein Fossil eines Troodontiden aus China zeigte, dass dieser kleine Theropode den Kopf beim Schlafen unter die Arme steckte, um ihn warm zu halten; ähnlich wie heutige Vögel.[50] Eines der für die Verhaltensforschung wertvollsten Dinosaurier-Fossilien wurde im Jahr 1971 in der Wüste Gobi entdeckt und beinhaltet einen Velociraptor, der einen Protoceratops attackiert hat; der Fund zeigt die Tiere annähernd in Lebenddarstellung.[51] Weitere Hinweise auf das Jagen lebender Beute liefert ein teilweiser verheilter Schwanz des Hadrosauriden Edmontosaurus – der Schwanz wurde von einen Tyrannosaurier gebissen, das Tier überlebte aber.[52] Auch Kannibalismus konnte bei einigen Theropoden wie Majungasaurus nachgewiesen werden; so fand man im Jahr 2003 in Madagaskar entsprechende Bissspuren.[53]

Neue Funde wie Oryctodromeus zeigen, dass einige herbivore Arten anscheinend in einem Bau unter der Erde lebten[54], während einige vogelähnliche Arten vielleicht auch baumbewohnend waren, wie Microraptor[29] und die rätselhaften Scansoriopterygiden[55]. Die meisten Dinosaurier bewegten sich jedoch auf dem Land fort. Ein gutes Verständnis darüber, wie sich Dinosaurier auf dem Boden fortbewegten, ist ein Schlüssel für die Erforschung ihres Verhaltens, und die Biomechanik hat bedeutende Fortschritte auf diesem Gebiet gemacht. So gab es Studien über die Kräfte, die Muskeln ausübten, und über die auf dem Skelett lastende Schwere, wodurch geschätzt wurde, wie schnell Dinosaurier rennen konnten[56], ob Diplodociden ihren Schwanz zum Erzeugen von lauten Knallen auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigen[57] oder ob Sauropoden schwimmen konnten[58].

Physiologie

Seit den 1960er Jahren läuft eine energische Diskussion über die Temperatur-Regulierung der Dinosaurier. Obwohl die Theorie, dass Dinosaurier ihre Körpertemperatur überhaupt regulieren konnten, ursprünglich von Wissenschaftlern abgelehnt wurde, ist die Homoiothermie (Warmblütigkeit) der Dinosaurier die heute gängige Sichtweise, und die Debatte hat sich mehr auf die Mechanismen der Thermoregulation fokussiert.

Als die ersten Dinosaurier entdeckt wurden, glaubten die Wissenschaftler, Dinosaurier seien wechselwarme Tiere – „schreckliche Echsen“, wie ihr Name nahelegt. Man stellte sich Dinosaurier als langsame, träge Tiere vor und verglich sie mit Reptilien, die sich erst durch die Sonne aufwärmen müssen, um sich aktiv bewegen zu können. Diese Theorie einer Poikilothermie (Kaltblütigkeit) der Dinosaurier war die vorherrschende Meinung, bis Robert „Bob“ Bakker, ein früher Verfechter der Homoiothermie der Dinosaurier, eine einflussreiches Papier zum Thema veröffentlichte.

Hinweise auf Homoiothermie liefern Entdeckungen aus Antarktika und Australien, wo „Polar-Dinosaurier“ [59] gefunden wurden, die dort einen kalten, sechsmonatigen Winter überstehen mussten. Erst kürzlich wurden auch Funde aus der Kreidezeit in Nordalaska gemacht, die zeigen, dass in diesen auch damals kalten Gebieten sogar dieselben Arten wie im übrigen Nordamerika lebten. Zusätzlich kann man am Skelettbau vieler Dinosaurier, insbesondere der Theropoden, eine hohe Aktivität erkennen, die ebenfalls für eine hohe Stoffwechselrate spricht. Auch hat man die für homoiotherme Tiere typischen Blutgefäß-Strukturen in Dinosaurierknochen nachweisen können, und eine nicht unbedeutende Anzahl von kleineren Dinosauriern verfügten außerdem über ein isolierendes Federkleid. Sauropoden zeigen jedoch weniger Anzeichen auf Homoiothermie; es ist daher möglich, dass einige Dinosaurier warmblütig waren, andere aber nicht.[60]

Die Debatte wird dadurch verkompliziert, das Homoiothermie auf mehr als nur einen Mechanismus beruhen kann. In den meisten Diskussionen wird die Dinosaurier-Homoiothermie mit der von durchschnittlich großen Vögeln oder Säugetieren verglichen, welche Energie aufwenden, um ihre Körpertemperatur über der Umgebungstemperatur zu halten. Kleine Säugetiere und Vögel besitzen außerdem eine Isolierung in Form von Fett, Fell oder Federn, die den Wärmeverlust verringert. Jedenfalls haben große Tiere wie Elefanten ein ganz anderes Problem – wird ein Tier größer, vergrößert sich das Volumen viel schneller als die Hautfläche (Haldane’s Prinzip). Ab einen gewissen Punkt übersteigt die vom Körper produzierte Wärme den Wärmeverlust über die Haut, sodass den Tieren Überhitzung droht. Besonders in Bezug auf Sauropoden wird daher die Theorie diskutiert, dass große Dinosaurier durch ihre schiere Größe wärmer als die Umgebung waren (gigantotherm), ohne dass sie spezielle Anpassungen wie Säugetiere oder Vögel besessen hätten.

Theropoden und wahrscheinlich auch Sauropoden besaßen Luftsäcke, die wie Blasebälge Luft durch die Lunge führten. Da dieses Merkmal unter heute lebenden Tieren nur bei den Vögeln bekannt ist, gilt es als weiterer Hinweis auf eine Abstammung der Vögel von den Dinosauriern. Außerdem wird es als Hinweis gedeutet, dass auch größere Dinosaurier wie die Sauropoden homoiotherm gewesen sein könnten, da Verdunstung in den Luftsäcken einen effektiven Kühlmechanismus darstellt.[61][62]

Computertomografische Untersuchungen von Hohlräumen in der Brustgegend des Ornithopoden Thescelosaurus zeigten im Jahr 2000 die Überreste eines komplexen, vierkammerigen Herzes.[63] Zwar ist man sich in Fachkreisen über die Richtigkeit der Ergebnisse uneinig[64][65], das Vorkommen eines vierkammerigen Herzes in Vögeln als auch in Krokodilen könnte allerdings darauf hindeuten, dass auch Dinosaurier ein solches besessen haben.[66]

Kürzlich fand man auch Hinweise auf die Fortpflanzung der Dinosaurier. So entdeckte man in einem Skelett von Tyrannosaurus rex einen sehr kalziumreichen Knochen, der auch bei modernen Vögeln auftritt und hier zur Bildung der Eierschalen benötigt wird. Wahrscheinlich hatte er bei Tyrannosaurus die selbe Funktion, durch diesen Fund konnte das Skelett als Weibchen identifiziert werden.[67] Nach weiteren Forschungen fand man diesen Knochen auch bei Allosaurus und den Ornithopoden Tenontosaurus; da der gemeinsame Vorfahr dieser Gattungen sehr früh in der Evolution der Dinosaurier anzusiedeln ist, geht man davon aus, dass alle Dinosaurier einen solchen Knochen besessen haben. Da der Knochen auch in noch nicht erwachsenen Tieren gefunden wurde, nimmt man an, dass Dinosaurier sehr schnell ihre Geschlechtsreife erreichten.[68]

Weiches Gewebe und DNA

Eines der besten Beispiele für Abdrücke von weichem Gewebe in einem Dinosaurierfossil wurde in Petraroia, Italien entdeckt. Der im Jahr 1998 beschriebene Fund stammt von dem kleinen, sehr jungen Coelurosaurier Scipionyx und zeigt Abdrücke verschiedener Darmabschnitte, der Leber, der Muskeln und der Luftröhre.[69]

Im Jahr 2005 stellte Dr. Mary Higby Schweitzer und ihr Team erstmals flexibles Gewebe-Material eines Dinosauriers vor, das an einen 68 Millionen Jahre alten Beinknochen eines Tyrannosaurus rex aus der Hell-Creek-Formation in Montana (USA) gefunden wurde. Nach einer Rehydrierung wurde das Material wieder elastisch, und nach einer mehrere Wochen währenden Behandlung zum Entfernen der Mineralien (Demineralisierung) konnten intakte Strukturen wie Blutgefäße, Knochenmatrix und Knochenfasern nachgewiesen werden. Genauere Untersuchungen unter dem Mikroskop zeigten darüber hinaus, dass sogar noch Mikrostrukturen auf zellulärer Ebene erhalten geblieben sind. Die wahre Natur dieses Materials und die möglichen Schlussfolgerungen sind noch nicht klar; die Forschungen laufen jedoch.[70]

Die erfolgreiche Gewinnung von Dinosaurier-DNA wurde zwar in zwei Fällen gemeldet, keine dieser beiden Studien konnte jedoch bestätigt werden.[71] Jedenfalls wurde bereits das theoretische Peptid Rhodopsin eines Dinosauriers kloniert, wobei die Gene der heute lebenden Verwandten (Krokodile und Vögel) der Dinosaurier als Grundlage für die phylogenetische Ableitung dieses Peptids dienten; das in Zellkultur exprimierte und aufgereinigte Rhodopsin zeigte sich aktiv in funktionellen Tests.[72] Des Weiteren wurden verschiedene Proteine in Dinosaurierfossilien entdeckt[73], inklusive dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin.[74] Die Möglichkeit eines Klonens von Dinosauriern, wie es in dem berühmten Roman „DinoPark“ (1993 verfilmt als „Jurassic Park“) stattfindet, ist jedoch auch in der Zukunft sehr unwahrscheinlich.

Aussterben

Hauptartikel: Kreide-Tertiär-Grenze

In den letzten 550 Millionen Jahren gab es fünf große Massenaussterben, bei denen jeweils etwa die Hälfte aller Tierspezies ausstarb. Am berühmtesten ist das Kreide-Tertiär-Massenaussterben, bei dem schätzungsweise 50 % der Gattungen und 20 % der Familien verschwanden, darunter alle Nicht-Vogel-Dinosaurier. Es wurden die verschiedensten Hypothesen aufgestellt, um die Ursachen dieses Massensterbens zu klären. Die meisten aktuellen Theorien sehen die Ursache in einem Meteoriteneinschlag oder einem gesteigerten Vulkanismus, einige schließen beide Ereignisse mit ein. Auch das rapide Absinken des Meeresspiegels könnte zum Massensterben beigetragen haben, da die großen Flachmeere verschwanden und sich Landbrücken bildeten.[75]

In der Kreide-Tertiär-Grenze, einer dünnen, dunklen Sedimentschicht aus der Zeit des Massensterbens, fand Luis Alvarez eine Anreicherung des sonst in der Erdkruste seltenen Schwermetalls Iridium (siehe Iridium-Anomalie). Alvarez postulierte 1980, dass das Iridium durch einen Meteoriten auf die Erde gelangt sein könnte, welcher das Massensterben auslöste. Die Theorie wurde 1990 durch den Fund des 170 km breiten Chicxulub-Kraters am Rande der Yukatan-Halbinsel im Golf von Mexiko untermauert, der durch einen etwa 10 km großen Meteoriten entstanden ist. Die möglichen Folgen für die Ökosysteme sind schwer zu ermitteln. Forscher diskutieren z. B. mögliche starke Temperaturschwankungen, auch könnte eine Staubwolke das Sonnenlicht für einige Jahre um 10–20 % reduziert haben, was die Photosynthese der Pflanzen reduziert hätte[76]. Weitere Folgen waren wahrscheinlich Tsunamis und saurer Regen. Ein Indiz für die Vulkanismustheorie ist der gewaltige Dekkan-Trapp-Vulkanismus in Indien, der mindestens zwei Millionen Kubikkilometer Basalt förderte. Neben einer Verdunklung der Sonne könnten große Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt sein, was einen Treibhauseffekt zu Folge gehabt hätte.[75]

Ob die Diversität (Verschiedenartigkeit) der Dinosaurier schon einige Millionen Jahre vor dem Massensterben sank, wie es Sullivan (1998) vermutet, oder ob sie bis unmittelbar vor dem Aussterben auf gleichem Niveau blieb oder sogar stieg, wie es von Russel (1984) annimmt, kann aufgrund der lückenhaften Fossilüberlieferung nicht gesagt werden.[75] Auch die Frage, ob das Aussterben langsam ablief oder eher abrupt war, lässt sich nicht beantworten. Einige Dinosaurierknochen wurden aus 64,5 Millionen Jahren alten känozoischen Schichten gefunden, was von einigen Forschern als Hinweis auf ein langsames Aussterben gedeutet wurde[77]. Andere Wissenschaftler verwarfen jedoch diese Idee und gaben an, die Knochen seien mit der Zeit aus älteren Ablagerungen erodiert und in den känozoischen Schichten neu eingelagert worden[78].

Dinosaurier und Menschen

Keine andere Gruppe ausgestorbener Tiere hat eine derart wichtige kulturelle Bedeutung wie die Dinosaurier. Seit die Dinosaurier im 19. Jahrhundert erstmals ins Licht der Öffentlichkeit rückten, erfreuen sie sich weltweit großen Interesses und so großer Beliebtheit, dass man von einer bis heute anhaltenden „Dinomanie“ sprechen kann.

Fast so bekannt wie die Dinosaurier selbst ist die Tatsache, dass sie innerhalb kürzester Zeit ausgestorben sind. Daher wird der Name Dinosaurier oft auch als Metapher für Leute oder Dinge benutzt, die als veraltet oder als nicht mehr zeitgemäß und zum Aussterben verurteilt empfunden werden.

Entdeckungsgeschichte

Hauptartikel: Entdeckungsgeschichte der Dinosaurier

Die ersten Dinosaurierfossilien sind schon vor Hunderten, wahrscheinlich Tausenden von Jahren gefunden worden, wobei ihre wahre Natur nicht erkannt wurde. Im alten China fand man bereits vor 2000 Jahren in der westlichen Jin-Dynastie Fossilien, die von Zhang Qu als Drachenknochen beschrieben wurden und vielleicht von Dinosauriern stammten[79]. Dorfbewohner in Zentralchina haben derartige Drachenknochen seit Jahrzehnten ausgegraben, um aus ihnen traditionelle Medizin herzustellen[80]. Auch die antiken Griechen und Römer fanden entsprechende Fossilien, die Stoff für ihre Legenden und Sagen boten.

Im Jahr 1677 fertigte Robert Plot die erste formelle Beschreibung eines Dinosaurierfossils an, das bei Cornwell (England) entdeckt und heute Megalosaurus zugeschrieben wird. Obwohl er den großen Knochen zuerst einem Elefanten zuordnete, der mit den Römern nach Britannien gekommen war, erkannte Plot später eine scheinbare Ähnlichkeit mit Menschenknochen und schrieb ihn einem Riesen der biblischen Vorsintflut zu. Einer der ersten, der über diese Gruppe urzeitlicher Riesenreptilien wusste und danach forschte, war der englische Arzt Gideon Mantell. Bereits im Jahre 1820 fand seine Frau Mary Mantell den ersten fossilen Zahn, den er einige Jahre später und nach weiteren Funden Iguanodon nannte. 1824 beschrieb der Amateurpaläontologe William Buckland mit Megalosaurus erstmals einen Dinosaurier in einem wissenschaftlichen Journal. Den Begriff Dinosauria prägte jedoch ein anderer, der englische Anatom Richard Owen. Im Jahr 1842 fasste er Megalosaurus und Iguanodon mit einer weiteren Gattung, Hylaeosaurus, zu einer Gruppe zusammen, die er Dinosauria nannte.[81]

Im Jahr 1858 wurde dann das erste fast vollständige Dinosaurierskelett in Nordamerika entdeckt. Dieser als Hadrosaurus foulkii beschriebene Fund aus Haddonfield (New Jersey) zeigte, dass dieser Dinosaurier wohl zweibeinig lief, und revolutionierte damit das öffentliche Bild der Dinosaurier – zuvor stellte man sich Dinosaurier wie Megalosaurus als riesige, auf vier Beinen laufende, waranähnliche Wesen vor. Diese Entdeckung löste eine wahre Dinomanie (Dinosaurier-Enthusiasmus) in den USA aus.

Othniel Charles Marsh

In den Folgejahren begann eine Feindschaft zwischen zwei berühmten Dinosaurierforschern, Edward Drinker Cope und Othniel Charles Marsh, die in den berühmten „Knochenkriegen“ eskalierte. Vielleicht begann der Streit, als Cope scharfe Kritik seitens Marsh erhielt, als er den Schädel des neu entdeckten, seltsamen Meeresreptils Elasmosaurus am falschen Ende des Körpers platzierte. Dies startete die Missgunst und Eifersucht der beiden Forscher und einen Streit, der erst nach 30 Jahren im Jahr 1897 nach dem Tod Copes endete. Jeder der beiden Kontrahenten versuchte mit seinem Team, immer mehr Dinosaurierknochen zu finden als der andere – mit allen Mitteln. Sie zerstörten sich gegenseitig viele Knochenfunde, weitere Knochen fielen auch dem Dynamit zum Opfer, mit dem damals Knochen freigesprengt wurden. Das Resultat der Rivalität waren 142 neu entdeckte Dinosaurierspezies, wozu Marsh 86 Arten und Cope 56 Arten beitrug.[82]

Seitdem werden auf der ganzen Welt Dinosaurierfossilien gefunden: So startete das Berliner Museum für Naturkunde eine große Expedition unter der Leitung von Werner Janensch nach Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, die einzigartige Funde wie Brachiosaurus oder Kentrosaurus zutage förderte. Weitere wichtige Entdeckungen wurden unter anderem in Südamerika, Madagaskar, Indien, der Mongolei, China, aber auch in Deutschland gemacht.

Obwohl Dinosaurier anfangs als lebhafte, agile Tiere galten, wurde dieses Bild durch die Entdeckungen von Marsh und Cope verändert. So hielt man Dinosaurier zunehmend für dumme, langsame und unbeholfene Kreaturen. Einen Sauropoden beschrieb Marsh aufgrund seines im Vergleich zur Körpergröße lächerlich klein erscheinenden Kopfes sogar als Morosaurus („dumme Echse“), später hatte sich jedoch Copes Bezeichnung Camarasaurus durchgesetzt. Erst seit den 70er Jahren näherte sich die wissenschaftliche Meinung wieder dem ursprünglichen Bild von lebhaften, aktiven Tieren an, nachdem John Ostrom Deinonychus beschrieben hatte und die Idee von einer Warmblütigkeit der Dinosaurier aufkam. Diese Entwicklung löste die Dinosaurier-Renaissance aus, eine bemerkenswerte Zunahme von Aktivitäten innerhalb der Dinosaurierforschung, die bis heute andauert. Die Regionen, aus denen derzeit die meisten neuen Funde stammen, schließen China und Südamerika (insbesondere Argentinien) mit ein.

Dinosaurier in der Kultur

Breites öffentliches Interesse an Dinosauriern erregte erstmals der Crystal Palace Park in London, wo im Jahr 1853 eine Urlandschaft mit verschiedenen, lebensgroßen Modellen ausgestorbener Tiere modelliert wurde, die noch heute zu bestaunen ist. Der Bildhauer Benjamin Waterhouse Hawkins fertigte, unter Beratung von Owen, auch vier Dinosauriermodelle an. Die Popularität der Dinosaurier im Crystal Palace Park wurde so groß, dass Hawkins für einen ähnlichen Park im Central Park in New York engagiert wurde. Eine neue Verwaltung des Parks ließ diesen Plan jedoch fallen, und die halbfertigen Modelle wurden zerstört.[83]

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts zogen aufgebaute Skelette urzeitlicher Säugetiere eine Vielzahl von Besuchern an. Mit Reiseausstellungen, die durch die USA und Europa zogen, konnte man viel Geld einnehmen. Daher wollte man schon bald nach der Entdeckung vollständiger Dinosaurierskelette diese auch ausstellen. Im Jahr 1868 wurde Hawkins beauftragt, erstmals Dinosaurier-Skelette (Hadrosaurus und Dryptosaurus) zu montieren und der Öffentlichkeit zu präsentieren. In einem New Yorker Museum gab es einen regelrechten Besucheransturm. In den folgenden Jahrzehnten wurden durch diese neuen Attraktionen in den Museen viele Skelette anderer urtümlicher Tiere in die Museumskeller verbannt, und im Deutschland des Jahres 2006 konkurrieren allenfalls noch Relikte der Ägypter mit der Popularität von Dinosaurierskeletten.[84]

Von Beginn des 20. Jahrhunderts an wurde das Motiv Dinosaurier auch in Literatur und Film wirtschaftlich immer bedeutender und ertragreicher. Eine der ersten, und eine der berühmtesten Science-Fiction-Geschichten ist Arthur Conan DoylesDie vergessene Welt“ („The Lost World“, 1912), die ab 1925 vielfach verfilmt wurde. Viele dieser Geschichten (wie auch „Die vergessene Welt“) handeln von der Entdeckung eines bis dahin isolierten Gebietes, z. B. im Regenwald oder auf einer Insel, wo Dinosaurier bis in unsere Zeit überlebt haben.

In der auch in Deutschland sehr erfolgreichen Zeichentrickserie Familie Feuerstein (1960–1966) gehörten Dinosaurier zum regelmäßigen Inventar. Später erschienen eine Reihe von Hollywood-Action-Filmen, in denen die Dinosaurier jedoch, mit Ausnahme von „Die vergessene Welt“ und „Jurassic Park“ (1993), übertrieben und nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend dargestellt wurden. So wurden Dinosaurier meist als menschenfressende Ungetüme, oft mit Höhlenmenschen zusammenlebend, dargestellt. Im Jahr 1954 zeigte der preisgekrönte tschechoslowakische Fantasy-Film „Reise in die Urzeit“, in dem Kinder auf einem Fluss immer tiefer in die Vergangenheit reisen, erstmals die Urzeittiere in den richtigen Zeitaltern.

Neueste Dinosaurierfilme sind oft Dokumentarfilme, z. B. die mit rekordverdächtigem Aufwand produzierte BBC-Serie „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ (englischer Titel: „Walking with dinosaurs“), in der man Dinosaurier in ihrem Lebensraum darzustellen versucht. Ironischerweise wird es erst durch die moderne und oft aufwändige dreidimensionale Bewegtgrafik (Computer Generated Imagery) glaubhaft möglich, diese uralten und oft gigantischen Kreaturen lebensecht zu bebildern. Dennoch hat im wissenschaftlichen Bereich die handwerkliche, oftmals kunstfertige und ästhetische Illustration, im englischen Sprachraum bezeichnet man diese Disziplin manchmal als Paleoart[85], ihre Bedeutung nicht verloren, auch in großen Kinoproduktionen wird heute immer mit Storyboard’s gearbeitet. Nach dem immensen wirtschaftlichen Erfolg des Films „Jurassic Park“, der in der Internet Movie Database 2007 als weltweit neunterfolgreichster Film geführt wird, erobert der „Darsteller Dinosaurier“ auch die Welt des Computerspiels.

Die Leser und Betrachter dieser in Mode gekommenen Werke suchen wohl am ehesten nach Abenteuer und unentdeckten Welten (Realitätsflucht), Gefahr (Horror, Angst und Unheimliches), Zerstreuung (Unterhaltung) und Information und Bildung. Diese Kreaturen waren tatsächliche, real existierende „Monster“, die wirklich auf Erden wandelten. Außerdem könnte sich im Dinosaurier eine Abkehr von der Industrialisierung, eine Gegenmoderne manifestiert haben, die Sehnsucht der Menschen nach der verlorenen Natur[86].

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Literatur

 Commons: Dinosaurier – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Dinosaurier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikiquote: Dinosaurier – Zitate

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