Heim

Sonntagsschule

Die Sonntagsschule dient in vielen, vor allem protestantischen, Kirchen der sonntäglichen Katechese von Kindern und – seltener – Jugendlichen. Sie hat sich heute häufig zum sogenannten Kindergottesdienst entwickelt.

In einigen Kirchen, insbesondere in den USA, wird vor oder nach dem Gottesdienst auch eine Sonntagsschule für Erwachsene angeboten. So gibt beispielsweise Jimmy Carter regelmäßig Sonntagsschule in seiner Baptistenkirche und zieht damit jährlich zehntausend Besucher von auswärts an.

Ursprünglich vermittelte die Sonntagsschule nicht nur religiöses Wissen, sondern half auch bei der Alphabetisierung unterprivilegierter Schichten. Diese Funktion hat sie bis heute noch in manchen unterentwickelten Ländern.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge

Gründungsdatum der ersten Sonntagsschule ist das Jahr 1780. Der englische Zeitungsverleger und Sozialreformer Robert Raikes (1735-1811) begann, am Sonntagmorgen in einem sozialen Brennpunkt der Stadt Gloucester verwahrloste Kinder anhand der Bibel im Schreiben und Lesen zu unterrichten. Seine eigentliche pädagogische Absicht war es, die Kinder vom christlichen Glauben her zu prägen. Die Sonntagsschule breitete sich in England und kurze Zeit später in Amerika sehr schnell aus und gehörte alsbald zum festen Programmangebot der meisten Kirchen und der Freikirchen. Im Jahr 1803 kommt es London zur Gründung einer interdenominationellen Sonntagsschulunion[1]

Entstehung der deutschen Sonntagsschularbeit

Die erste deutsche Sonntagsschule wurde 1825 im Hamburger Stadtteil St. Georg errichtet. Johann Gerhard Oncken, der spätere Begründer der deutschen Baptistengemeinden (1834) hatte die Idee aus England mitgebracht, wo er einige Jahre als Kaufmann tätig war.[2]. Umgesetzt wurde diese Idee von dem evangelisch-lutherischen Pastor Johann Wilhelm Rautenberg. Die Hamburger Sonntagsschule wurde zur Keimzelle der von Johann Hinrich Wichern begründeten „Inneren Mission“ und des Kindergottesdienstes. In Bremen stellt Oncken 1826 einen Antrag an die Wittheit, den erweiterten bremischen Senat, „Sonntagsschulen für arme Kinder nach der Weise derer einzurichten, wie sie unter der Leitung des Predigers Rautenberg zu St. Georg zu Hamburg ... bestehen.“ Dieser Antrag wird abgelehnt. Der spätere Versuch des Kaufmanns Bröckelmann, in Bremen eine Sonntagsschule zu gründen, war dann schließlich erfolgreich. Auch in Berlin (Pfarrer Stobwasser) und Dresden (Oberhofprediger Dibelius) entstanden Sonntagsschulen, die allerdings von ihrer Form her eher am Gottesdienst der Kirche als am Schulunterricht orientiert waren.

Die Staatskirche und die staatlichen Organe begegneten der Sonntagsschularbeit zunächst sehr kritisch, sogar feindselig. In Hamburg kam es sogar zur zeitweiligen polizeilichen Überwachung des Unterrichts. Erst auf dem Stuttgarter Kirchentag 1869 wurde die Sonntagsschularbeit kirchlich offiziell anerkannt. Sie erhielt für den staatskirchlichen Bereich die Bezeichnung „Sonntagsschule als Kindergottesdienst“. Auf dem Sonntagsschulkongress in Bremen 1882 wurde für den Bereich der evangelischen Volkskirchen der Begriff „Sonntagsschule“ durch „Kindergottesdienst“ ersetzt. Die Freikirchen (Baptisten, Evangelisch-methodistische Kirche u. a.) sowie die Neuapostolische Kirche behielten jedoch bis in die Gegenwart den Begriff „Sonntagsschule“ bei. Die Siebenten-Tags-Adventisten führen den Begriff Kindersabbatschule, da sie nicht sonntags, sondern sabbats (samstags) Gottesdienst feiern. Heute findet allerdings auch hier die Bezeichnung „Kindergottesdienst“ immer stärker Eingang, neuerdings auch der Begriff „Kinderkirche“.

Sonntagsschulhymne

Zu den bekanntesten Sonntagsschulliedern im deutschen Sprachraum gehörte die so genannte Sonntagsschulhymne, die häufig zu Beginn oder zum Abschluss der Veranstaltung gesungen wurde; hier die drei Strophen:

Die Sonntagsschul ist unsere Lust[3]
Die Sonntagsschul` ist unsre Lust/ und wird es immer mehr;
sie bringt uns, was wir nicht gewußt, / in süßen Stunden her.
Die Wahrheit aus der reinsten Quell / und Jesu Liebe klar und hell.
Man lehrt uns lieben, aufwärts schaun / und auf den HERRN vertrau’n.
Refrain:
Singet, daß es laut erschallt / und Erd’ und Himmel widerhallt:
Hosianna, Hosianna, Hosianna sei dem Gotteslamm!

Wir danken, liebe Lehrer, euch / für eure Sorg und Müh’!
Ihr führt uns zu dem Himmelreich / in unsrer Jugend früh.
Und zieh’n wir aus dem Vaterhaus /einst in die weite Welt hinaus,
so führ’ uns euer treuen Rat / stets auf dem Lebenspfad.
Refrain

Wie schön ist’s doch, wenn wir geschart / um unsern Prediger,
wie junge Lämmer, fein und zart / um ihren Hirten her!
Wir hören seine Stimme gern / und folgen mit ihm unserm Herrn.
Wie wird’s erst in dem Himmel sein! / O Herr, bring uns hinein.
Refrain

Bekannte Persönlichkeiten, die eine Sonntagsschule besucht haben

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. P. Wurster, M. Hennig: Was Jedermann heute von der Inneren Mission wissen muss, Heilbronn 1914, S. 78
  2. Wilhelm Philipp: Arikel Sonntagsschule, in: Evangelisches Gemeindelexikon (hrsg. von Erich Geldbach u.a.), Wuppertal 1986, S. 477, Sp I + II)
  3. Philipp Bickel: Neues Singvögelein. Eine Sammlung von Lieder für Sonntagsschulen, Nr. 69 (ohne Angabe des Verf und Komp) , Kassel 1952
  4. Behandelt die Liederbücher „Singvögelein“, „Neues Singvögelein“, „Lobet Gott“, „Unser Kinderliederbuch“ und „Jede Menge Töne“.