Robert College
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Robert College

Das Robert College ist ein US-amerikanisches College in Istanbul, das 1863 von protestantischen Missionaren gegründet wurde. Die andere bedeutende Universitätsgründung durch amerikanische Missionare im Osmanischen Reich in dieser Zeit ist die noch heute existierende Amerikanische Universität Beirut (AUB) in Beirut, Libanon. Die Gründer des Robert College waren Unitarier, eine christliche Richtung, die wie der Islam und das Judentum die Trinität ablehnt, und die in den USA eine erhebliche kulturelle Bedeutung haben. Neuengland und speziell die Harvard University war zu dieser Zeit ein bedeutendes Zentrum des Unitarismus. Ein bekannter Vertreter dieser Richtung war der Schriftsteller Ralph Waldo Emerson. Die Unitarier stehen traditionell dem Islam näher als andere christliche Kirchen, so dass die Gründer vor allem von den damals in Istanbul starken Derwischorden (die später von Atatürk verboten wurden) Unterstützung erfuhren. Ein Derwischorden, die Bektaschi, war unmittelbar neben dem Campus in Bebek angesiedelt. In den ersten Jahrzehnten waren die meisten Schüler des Robert College Nichtmuslime (die ja damals auch die Mehrheit der Bevölkerung Istanbuls stellten), vor allem Griechen, Armenier und Bulgaren. Bulgarien wurde nach dem Balkankrieg 1912 endgültig unabhängig, zahlreiche prominente Persönlichkeiten des jungen Staates hatten ihre Ausbildung am Robert College erfahren.

Erst um 1900 begannen auch muslimische Türken das Robert College zu besuchen. Nach dem Ersten Weltkrieg konnten die amerikanischen Professoren ihre Arbeit zunächst fortsetzen, das College blieb weiterhin eine US-Bildungseinrichtung nach dem Recht des Staates Massachusetts, bis zum Ende der Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.


1971 zog das Robert College vom alten Campus in Bebek nach Arnavutköy und fusionierte mit dem ebenfalls traditionsreichen "American College for Girls" (ACG, bedeutendste Schülerin die Schriftstellerin und Feministin Halide Edip, eine politischen Weggefährtin des Gründers der türkischen Republik, Kemal Atatürk). Danach war das Robert College keine Universität im eigentlichen Sinne mehr, sondern mehr eine höhere Schule etwa im Sinne einer amerikanischen High School oder eines deutschen Gymnasiums. Gleichzeitig wurde im neuen Robert College die Koedukation eingeführt. Der Universitätsbetrieb wurde auf dem alten Campus in Bebek in der neu gegründeten Bosporus-Universität (Boğaziçi Üniversitesi) fortgesetzt. Die staatliche Universität, die die akademische Tradition des Robert College fortsetzt, ist heute eine der führenden Bildungseinrichtungen der Türkei.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren auch deutsche Dozenten an den amerikanischen Colleges in Istanbul tätig. Friedrich Schrader, der später als Journalist und Schriftsteller bekannt wurde, lehrte am Robert College, Paul Lange (gest. Istanbul 1920), später als "Lange Bey" Hofkapellmeister des letzten türkischen Sultans, unterrichtete am ACG europäische klassische Musik. Ein Sohn von Lange, Hans Lange, ging in den 20er Jahren als Assistent von Arturo Toscanini in die USA, und war in den vierziger und fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts dort ein sehr bekannter Dirigent (u.a. 1936 bis 1946 am Chicago Symphony Orchestra).

Prominente Dozenten

siehe auch →Bosporus-Universität

Prominente Schüler (Robert College, AGC)

siehe auch →Bosporus-Universität

Weblinks

Koordinaten: 41° 5' 2" N, 29° 3' 5" O