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France I

Die France war der Welt und Frankreichs erste Fünfmastbark und erste von zwei großen Barken dieses Namens (France I).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Sie wurde 1890 in Partick in Glasgow, Schottland, von D. & W. Henderson & Son für die frz. Segelgroßreederei Antoine-Dominique Bordes & Fils, Dünkirchen, gebaut. Sie war 3.784 BRT groß und der Stolz der Reederei. Rumpf und Masten waren aus Stahl gefertigt, die Rahen aus Eisen. Sie führte ein modernes Standardrigg (doppelte Mars- und Bramrahen und Royalrahen) mit sechs Rahen an den ersten vier Masten, den Besanmast mit Stenge und einer Gaffel. Sie hatte statt Hanftauwerk überwiegend Ketten- und Stahlseile im stehenden und laufenden Gut. Wie die meisten französischen Windjammer war sie ein schönes Schiff, und wie alle Bordes-Einheiten in dezentem "Französisch-Grau" gestrichen, mit einem weiß-schwarzen Portenband, weißen Rahnocken, Spiegelheck und Eselshäuptern. Vier Rettungsboote führte sie auf dem Hauptdeck, die Kapitäns- und Offiziersunterkünfte auf der Poop waren luxuriös eingerichtet. Dampfwinden zur Be- und Entladung und für Segelmanöver erleichterten die Arbeit an und unter Deck, flutbare Doppelbodentanks die Sicherheit des Seglers. Bis zum Bau der 4027 BRT großen Potosí war sie das größte Segelschiff der Welt. Insgesamt steht sie in der Reihe der Großsegler der Welthandelsflotte an achter Stelle (nach France II (5633 BRT, 1911-1922), R.C. Rickmers (5548 BRT, 1906-1917), Thomas W. Lawson (5218 BRT, 1902-1910), Preußen (5081 BRT, 1902-1910), Potosí (4027 BRT, 1895-1925), København (3901 BRT, 1921) und Maria Rickmers (3827 BRT, 1892)).

Reisen

Sie hatte das französische Unterscheidungssignal "JHFR" und fuhr im Kohle- und Salpeterhandel zwischen Europa, Brasilien und Chile, wohin ihre Jungfernreise im November 1890 nach Valparaíso über Barry (Wales) und Rio de Janeiro führte. Mit ihren eigenen vier Dampfladekränen gelang es ihr, im Salpeterhafen Iquique in 11 Tagen 5.000 Tonne Kohle über ihre vier Großladeluken zu entladen und 5.500 Tonnen Salpeter einzuladen, was damals Weltrekord war. Die oft genannte Ladekapazität von 6200 tons wurde nach Lubbock nie ausgeschöpft, obwohl sie auf der Jungfernreise fast 5.900 tons Kohle an Bord hatte und im Januar 1897 6.000 tons Salpeter, als sie nach einer 79-Tage-Reise von Iquique vor Dungeness (England) auf Reede ankerte. Dort wurde sie mittschiffs von HMS Blenheim gerammt, da deren Kapitän die France nachts für zwei Schiffe oder Fischerboote hielt, zwischen denen er durchfahren wollte. Er konnte zwar im letzten Moment noch ein Wendemanöver einleiten, streifte aber hart die Steuerbordwand des Seglers. Ursache dafür war, dass die France zwei Ankerlichter anstelle des üblichen einen am Bug führte. Das nicht normgerechte Heckankerlicht betrachtete Lord Esher in der Verhandlung vor dem britischen Seeamt und die britische Admiralität als "Fehlerquelle, die einen Unfall verursachen oder dazu beitragen kann". Die Reederei Ant.-Dom. Bordes & Fils hatte diese Entscheidung nie akzeptiert, musste sich ihr aber beugen. Nach der Reparatur, so sagten manche Seeleute, war sie nicht mehr so wie vor dem Unfall. Dennoch machte sie ihre beste Fahrt bei der nächsten Ausreise 1898 nach Chile von Prawle Point, Süd-Devon (England) nach Valparaíso in 63 Tagen. Es folgten drei weitere Ausreisen nach Südamerika (Valparaíso, Iquique) und Heimreisen zurück nach Europa unter 80 Tagen pro Fahrt.

Am 10. Mai des Jahres 1901 ging das damals nach der Potosí zweitgrößte Segelschiff der Welt unter der Führung von Kapitän Forgeard auf der Reise von England nach Valparaíso vor der brasilianischen Küste in einem heftigen Pampero (ablandiger, stark böiger Sturm in Argentinien bis Brasilien) verloren. Auf Position 34° S, 48° W verrutschte die Kohleladung, die trotz größter Anstrengung nicht mehr getrimmt werden konnte. Dazu kam der Umstand, dass sie ein sehr "rankes" Schiff war (Neigung zur Schlagseite mit verzögerter Wiederaufrichttendenz), was schließlich zum Unfall führte. Die gesamte Mannschaft der France wurde von der deutschen Viermastbark Hebe II der Hamburger Reederei "B. Wencke Söhne" abgeborgen, die den Fünfmaster mit schwerer Schlagseite vor der brasilianischen Küste in der hochlaufenden See treibend vorfand. Nach der glücklichen Rettung wurde die große Bark noch von der Bark Josepha als unbemanntes "Geisterschiff" gesichtet, die untersten Rahnocken bereits tief im Wasser, bis sie für immer verschwand.

Schiffsdaten

Siehe auch

Liste der größten Segelschiffe der Welt

Literatur