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Gasteiner Heilstollen

Der Gasteiner Heilstollen ist ein 1952 gegründetes unterirdisches Kurzentrum, das von der „Heilstollen Betriebsgesellschaft m.b.H Gastein-Böckstein“ betrieben wird. Die Kombination aus den Wirkfaktoren Radon (radioaktives Edelgas), Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit soll bewirken, dass bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, der Haut und der Atemwege langfristige Erfolge erzielt werden und zur Aktivierung der körpereigenen Selbstheilungskräfte beigetragen wird. Anhaltende Schmerzlinderung und Medikamenteneinsparung nach einer Heilstollentherapie werden behauptet, eine zusätzliche Strahlenbelastung muss in Kauf genommen werden.

Inhaltsverzeichnis

Wirkung

Die Gasteiner Heilstollentherapie soll den Zellreparatur-Mechanismus des Körpers anregen und in den Zytokinstoffwechsel eingreifen. Nach seiner Aufnahme durch Lunge und Haut wird das Edelgas Radon rasch im Körper verteilt. Alphastrahlung wird frei. Diese aktiviert über den Prozess der so genannten Apoptose (Selbstmordprogramm der Zelle) den entzündungshemmenden Botenstoff TGF-Beta (ein Gegenspieler des Zytokins TNF-Alpha)

Die „biologische Halbwertszeit“, also die Verweildauer im Körper, ist mit etwa 30 Minuten recht kurz. Radon ist als Edelgas reaktionsträge und geht keine chemischen Reaktionen im Körper ein. Die Halbwertszeit des häufigsten Radonisotopes liegt bei 3,8 Tagen. Die Zerfallsprodukte des Radon sind ebenfalls instabil, allerdings entstehen keine weiteren Gase, sondern Festkörper, die sich besonders in der Lunge einlagern und dort zu einer Dauerbelastung führen. Bei der in der Radonbalneologie eingesetzten Expositionszeit (eine Kur dauert meistens 4 Wochen) ist die Anreicherung der Zerfallsprodukte im Gewebe nicht zu vernachlässigen. Diese Zerfallsprodukte sind ebenfalls Alpha-Strahler. Dass Radon selbst überhaupt positive Effekt auf Erkrankungen hat, ist aus wissenschaftlicher Sicht bisher nicht bewiesen.

Indikationen

Die Anbieter der Radonbalneologie setzen ihr Verfahren bei den folgenden Erkrankungen ein:

1) Erkrankungen des Bewegungsapparates:

Es wird, ohne die Krankheitsursachen zu berücksichtigen, behandelt, was am Bewegungsapparat Schmerzen bereiten kann.

2) Erkrankungen der Atemwege

Auch hier wird großzügig mit der Indikationsstellung umgegangen. Wenn die Atmung behindert ist, soll Radon helfen.

3) Erkrankungen der Haut

Grundverschiedene Krankheitsbilder werden behandelt. Die meisten dieser Erkrankungen unterliegen in ihrem Verlauf einem erheblichen psychosomatischen Einfluss. Das „Setting“ spielt bei der Behandlung dieser Krankheiten eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich sind die beschriebenen Erfolge der Radonbalneologie auch darauf zurückzuführen.

Geschichte

Als man 1940 mit dem Anschlag des Pasel-Stollens in Böckstein begann, waren allein bergmännische Überlegungen maßgebend – man war auf der Suche nach Gold. Stattdessen fand sich eine deutlich über dem Normalbereich liegende Radonkonzentration in der Stollenluft. In Gebäuden wird ein Richtwert von 100 Becquerel je m³ Atemluft als Obergrenze angenommen, im Gasteiner Stollen liegt die Konzentration bei etwa 740.000 Becquerel. Stollen mit weitgehend gleichen Eigenschaften gibt es unter Anderem in Sachsen, in Tschechien und in den USA.

1951 wurde durch die Vorstände des Forschungsinstituts Gastein und der medizinischen Klinik der Universität Innsbruck in ihrem Gutachten der Behandlung im Stollen ein „Heilwert“ zugesprochen welcher „dem der Badekuren in Gastein gleichkommt“, die Wirkung sei also nicht schlechter als die einer anderen Badekur. 2,5 Millionen Einzelsitzungen seit 1952 beweisen die ökonomischen Fähigkeiten der Betreibergesellschaft. Eine langfristige Steigerung der Lebensqualität wird versprochen.

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