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Kubakrise

Die Kubakrise (auch Kubanische Raketenkrise[1]) war eine äußerst ernste Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion im Jahre 1962. Es erfolgte noch im selben Jahr die Stationierung sowjetischer Truppen und Waffen auf Kuba. Mit der Kubakrise erreichte das Wettrüsten eine neue Qualität, da die Sowjetunion erstmals Truppen und atomar bestückbare Waffensysteme auf einem Gebiet außerhalb des Warschauer Paktes stationierte - dazu geographisch gesehen in unmittelbarer Nähe der USA. Gleichzeitig gilt die Kubakrise als Wendepunkt in der Geschichte des Kalten Krieges. Niemals zuvor war ein Atomkrieg so wahrscheinlich wie zu diesem Zeitpunkt.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Aus dem Zweiten Weltkrieg waren die USA und die Sowjetunion als Supermächte hervorgegangen. Sie standen für zwei gegensätzliche Wirtschaftssysteme und Ideologien und versuchten, dem Gegner mit immer neuen Waffentechnologien die eigene Überlegenheit zu demonstrieren.

Dabei wurde selbst ein nuklearer Erstschlag nicht ausgeschlossen, der den Gegner durch massiven Einsatz von Kernwaffen vernichten und jede Vergeltung unmöglich machen sollte. Konventionelle Waffen besaßen für ein solches Vorhaben nicht genug Feuerkraft.

Interkontinentalraketen der damaligen Zeit erreichten Ziele innerhalb von 18.000 km; die beiden Supermächte konnten einander also von heimischem Boden aus mit solchen Raketen beschießen. Auch die Bomberflotten des Typs B-52 und Tu-95 besaßen entsprechende Reichweiten. Allerdings machten die langen Vorwarnzeiten einen Überraschungsangriff unmöglich. Also mussten Raketen näher am Ziel installiert werden. Im Jahre 1958 begann die Sowjetunion mit der Aufstellung von atomaren Mittelstreckenraketen des Typs SS-3 Shyster in der DDR, die gegen Ziele in Westeuropa, insbesondere der BRD gerichtet waren, die jedoch 1959 überraschend wieder abgezogen wurden. Die nächste Stufe des Wettrüstens folgte noch im selben Jahr. Dies hatten die USA im Januar 1959 mit der Aufstellung von nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs Thor und Jupiter in Italien und der Türkei getan.

Durch das Scheitern der Bemühungen Chruschtschows, Berlin den Vier-Mächte-Status zu entziehen sowie die sowjetisch-chinesischen Verstimmungen in den 50er Jahren drohte eine Schwächung der sowjetischen Position im Kalten Krieg. Die Lage änderte sich, als die kubanische Guerilla unter Fidel Castro und Ernesto Che Guevara den Diktator Fulgencio Batista im Januar 1959 aus Kuba vertrieb. Castro bildete eine Revolutionsregierung, in der anfangs noch verschiedene oppositionelle Gruppen vertreten waren, darunter auch die bald bevorzugten Kommunisten. Batista war von den USA unterstützt worden, und auch Castro wollte die Beziehung aufrechterhalten; er bat die USA um ein Darlehen. Für die USA kam er jedoch als Partner nicht in Frage. Eisenhower lehnte das Darlehen ab, die amerikanische Regierung unterstützte die kubanische Opposition durch Terror- und Sabotageakte, ja sogar Mordanschläge gegen das Castro-Regime.

Die UdSSR beobachtete diese Entwicklung aufmerksam und nahm im Mai 1959 diplomatische Beziehungen zu Kuba auf. Castro hoffte, mit der wirtschaftsstarken UdSSR im Rücken ein Vorbild für die nationale Unabhängigkeit in Lateinamerika werden zu können. Die USA werteten dies als inakzeptablen Versuch, den Kommunismus in Süd- und Mittelamerika salonfähig zu machen.

Am 19. Oktober 1960 verbot die Regierung der USA per Dekret, Erdöl nach Kuba zu exportieren; gleichzeitig untersagte sie jeglichen Import aus Kuba. Das Politbüro unter Chruschtschow sagte hierauf wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu. Diese Zusagen gelten heute als Anlass für die Schweinebuchtinvasion am 17. April 1961, die für die Angreifer in einem Fiasko endete.

Das Bündnis zwischen der Sowjetunion und Kuba war für beide Staaten vorteilhaft. Die UdSSR konnte ihr taktisches Defizit gegenüber den USA ausgleichen, nämlich die Erreichbarkeit des gegnerischen Territoriums mit Nuklearraketen, und Kuba betrachtete die Sowjetunion als wichtigsten Handelspartner und Schutzmacht, die das Überleben der Regierung Castro sicherte.

Unmittelbare Vorgeschichte

Von 1959 an stationierten die USA in Italien 30 und in der Türkei 15 Atomraketen, die auf die UdSSR gerichtet waren.

Am 26. und 27. Oktober 1960 starteten die USA von der Laughlin Air Force Base in Texas erstmals auch U-2-Aufklärungsflüge über Kuba. Am 5. September 1961 wurden erstmals Aufnahmen von Flugabwehrraketen vom Typ SA-2 und von Kampfflugzeugen vom Typ MiG-21 Fishbed gemacht.

Im April 1962 wurden die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit. Weil sie wegen ihrer ungeschützten Aufstellung leicht angreifbar waren, konnten sie nur zu einem atomaren Erstschlag genutzt werden.

Zudem fuhren auf den Meeren US-U-Boote mit Polaris-Atomraketen. Diese Raketen konnten auch unter Wasser abgefeuert werden und waren entsprechend schwer zu treffen. Die Sowjetunion hatte nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Im Mai 1962 begann die UdSSR unter dem Decknamen Operation Anadyr, auf Kuba heimlich SS-4 Mittelstreckenraketen (mit Atomsprengköpfen bestückbar) und 40.000 Soldaten der Sowjetischen Armee zu stationieren, die Kuba vor einer drohenden US-amerikanischen Invasion schützen sollten. So konnte die Sowjetunion das militärische Gleichgewicht wieder herstellen, das mit der Stationierung der US-Mittelstreckenraketen in Europa zu Gunsten der USA verschoben worden war.

Am 5. und 29. August 1962 ging die CIA Agentenhinweisen nach und entdeckte auf Fotos des US-Spionageflugzeuges U-2 erstmals in der Provinz Pinar del Río Raketenabschussvorrichtungen.

Am 8. September 1962 legte das sowjetische Frachtschiff "Omsk" mit einer Ladung von SS-4 Mittelstreckenraketen in Havanna an, brachte die Fracht aber nicht an Land.

Zeittafel der Krise im Oktober 1962

Zur eigentlichen Krise kam es im Oktober 1962.

Folgen der Krise

Die beiden Staaten haben sich folgende Bedingungen auferlegt: Die Sowjetunion zieht ihre Raketen aus Kuba ab. Dagegen erklären die USA, keine weitere militärische Invasion Kubas zu unternehmen und ihrerseits die US-amerikanischen Raketen aus der Türkei und Italien abzuziehen.

Der Abzug aus der Türkei findet etwas später und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um die NATO-Partner der USA nicht zu brüskieren und die Vereinigten Staaten als Sieger der Krise darstellen zu können. Abgesehen von dieser Öffentlichkeitswirkung waren die Ereignisse von 1962 aus Sicht der beiden Weltmächte USA und Sowjetunion ein taktischer Sieg der jeweils anderen Seite, dies geht aus später veröffentlichten Geheim-Reden der jeweiligen Präsidenten Kennedy und Chruschtschow hervor und verstärkten das Misstrauen der militärischen Führungen beider Länder gegen die eigenen Regierungen.

Die Kubakrise hatte viele Auswirkungen, vor allem auf den Kalten Krieg. So war die Sowjetunion nach dem Abzug der Atomraketen von Kuba wieder mit ihrer strategischen Unterlegenheit konfrontiert. Um ein ungefähres nuklearstrategisches Gleichgewicht zwischen ihnen und den USA herzustellen unternahm die Sowjetunion nach der Kubakrise verstärkte Rüstungsanstrengungen. Diese Aufholjagd beim Rüstungswettlauf hatte Einschnitte beim Lebensstandard und die Aufgabe der teuren Agrarprogramme zur Folge.

Aber die Krise führte auch zu ersten Verhandlungen über eine Rüstungskontrolle. So wurde z.B. am 5. August 1963 in Moskau ein Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffentests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (Mit Ausnahme unterirdischer Tests) unterzeichnet oder das SALT-Abkommen, das eine Begrenzung der Interkontinentalraketen beider Länder vorsah. Es gab fortan auch eine Entspannungspolitik zwischen den beiden Supermächten. So bemühten sie sich einer direkten Konfrontation aus dem Weg zu gehen und ihre Auseinandersetzungen in Stellvertreterkriegen wie z.B. im Vietnam oder in Afghanistan auszutragen. Ihre Interessen konzentrierten sich nach der Krise auch auf die Bereiche des Globus, die noch nicht klar zwischen Ost und West verteilt waren.

Um friedensgefährdende Missverständnisse und direkten Konfrontationen aus dem Weg zu gehen wurde der Informationsaustausch zwischen den Großmächten verbessert. So wurde z.B. 1963 als weitere Reaktion auf die Krise der so genannte „Heiße Draht“ eingerichtet, eine direkte Fernschreibverbindung zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml, die den direkten Kontakt zwischen den Staatsmännern ermöglichen sollte. Auf diese Weise sollten in einer Krisensituation sofortige Verhandlungen möglich sein, so dass eine Eskalation abgewendet werden könne. Der Heiße Draht kam zum ersten Mal am 5. Juni 1967 kurz nach Beginn des Sechstagekriegs zum Einsatz, der zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien ausbrach. Auch danach wurde er in einer Reihe weiterer Konflikte während des Kalten Kriegs genutzt.

Des Weiteren wurde nach der Krise das US-Embargo gegen Kuba nochmals verschärft. Auf diese Weise wurde Kuba noch enger an die Sowjetunion gebunden.

Zitate

Einzelnachweise

  1. Auswärtiges Amt - Geschichte von Kuba
  2. Titan 2

Literatur

Film