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Erzbistum Prag

Basisdaten
Staat Tschechien
Diözesanbischof Miloslav Kardinal Vlk
Weihbischof Karel Herbst SDB
Václav Malý
Emeritierter Weihbischof Jaroslav Škarvada
Fläche 8.990 km²
Dekanate 14 (2004)
Pfarreien 378 (2004)
Einwohner 2.069.585 (2004)
Katholiken 488.000 (2004)
Anteil 23,6 %
Diözesanpriester 201 (2004)
Ordenspriester 175 (2004)
Ständige Diakone 21 (2004)
Katholiken je Priester 1.298
Ordensbrüder 245 (2004)
Ordensschwestern 328 (2004)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Tschechisch
Kathedrale Veitsdom
Anschrift Hradčanské nám. 16
119 02 Praha 1
Česká republika
Webpräsenz www.apha.cz
Suffraganbistümer Bistum Budweis
Bistum Königgrätz
Bistum Leitmeritz
Bistum Pilsen

Das Erzbistum Prag (lat.: Archidioecesis Pragensis, tschech.: Arcidiecéze pražská) ist die größte Diözese der katholischen Kirche in Tschechien. Es umfasst die dichtbesiedelten Gebiete im Zentrum Böhmens. Die Bischofskirche St. Veit und der erzbischöfliche Palast befinden sich auf dem Prager Hradschin. Einstmals einer der wichtigsten Bischofssitze in der katholischen Habsburgermonarchie ist das Erzbistum Prag heute eine Diasporadiözese.

Geschichte

Das Bistum Prag wurde 973 auf Anordnung des Fürsten Boleslav II. und mit Zustimmung des Kaisers Otto I. und des Bischofs Wolfgang von Regensburg gegründet, zu dessen Jurisdiktionsbezirk Böhmen bis dahin gehört hatte. Bis ins 14. Jahrhundert gehörte Prag zur Kirchenprovinz des Erzbistum Mainz.

Der Papst Clemens VI. richtete eine eigene Kirchenprovinz für Böhmen ein und Prag wurde am 30. April 1344 zum Erzbistum erhoben. Einziges Suffraganbistum war die kleine von Karl IV. gegründete Diözese Litomyšl, die aber schon in der Hussitenzeit unterging.

Der vorerst letzte katholische Erzbischof war Konrad von Vechta. In seine Amtszeit fiel die Hussitenbewegung. Konrad suchte ab 1421 einen Ausgleich mit den gemäßigten Hussiten und er erkannte die vier Prager Artikel an. Deswegen wurde er 1425 vom Hl. Stuhl seines Amtes enthoben. Sein utraquistischer Nachfolger Jan Rokycana erhielt nie die pästliche Bestätigung und ist auch nicht zum Bischof geweiht worden. Bis 1561 blieb der Erzbischofssitz unbesetzt. Die Verwaltung übernahm kommissarisch das Domkapitel des Veitsdoms.

Kaiser Ferdinad I. (HRR) begann mit dem Wiederaufbau der katholischen Erzdiözese und ernannte 1561 seinen Vertrauten Anton Brus von Müglitz zum Prager Erzbischof. In den folgenden Jahrzehnten wurde Prag zu einem wichtigen Zentrum der Gegenreformation in den böhmischen Ländern. Nach der Niederlage des böhmischen Ständeaufstands (1620/21) wurden Böhmen und Mähren im 17. Jahrhundert vollständig rekatholisiert und Prag war das unbestrittene kirchliche Zentrum des Königreiches. 1664 bzw. 1665 wurden die Suffraganbistümer Königgrätz und Leitmeritz gegründet, 1785 wurde auch das Bistum Budweis von Prag abgeteilt.

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet auch das zweisprachige Prager Erzbistum in den Sog der nationalen Auseinandersetzungen zwischen Tschechen und Deutschen. Es bildete sich zum Beispiel ein streng entlang der ethnischen Grenze getrenntes katholisches Vereinswesen. Lange Zeit weigerte sich die Kirche, die Pfarrsprengel oder die Priesterausbildung nach nationalen Gesichtspunkten zu trennen, musste aber Anfang des 20. jahrhunderts dem Druck nachgeben.

Nach 1918 verlor das Erzbistum Prag zehntausende tschechische Gläubige an die neu gegründete Tschechoslowakische Hussitische Kirche. Dazu kamen zahlreiche Kirchenaustritte. Böhmen war in der Zwischenkriegszeit die europäische Region mit der geringsten Kirchenbindung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die reichen Besitzungen des Erzbistums von den Kommunisten enteignet. Die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche um eine zumindest teilweise Rückgabe halten bis heute (2008) an.

Am 31. Mai 1993 wurde ein Teil des Gebiets an das neu gegründete Bistum Pilsen abgegeben.

Literatur

siehe auch: