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Synchronschwimmen

Synchronschwimmen oder auch Kunstschwimmen ist ein Schwimmstil, der zu Musik, alleine oder meist in einer Gruppe von zwei bis meist acht Personen geschwommen wird. Synchron bezieht sich hier sowohl auf die Synchronität mit der Musik als auch den einzelnen Schwimmern untereinander. Synchronschwimmen für Frauen ist eine olympische Disziplin. Der Deutsche Schwimmverband lässt Männer an Wettkämpfen teilnehmen, aber nach FINA-Regeln sind derzeit nur Frauen zu Wettkämpfen zugelassen. Der Sport verlangt hohe körperliche Leistungen unter Luftmangel, rhythmisches Musikgefühl und Beweglichkeit.

Das eng verwandte Reigenschwimmen beschränkt sich auf das Figurenlegen mit mehreren Personen im Wasser, auch Bilderlegen genannt. Musik dient hier nur zur Untermalung und der Wechsel der Figuren wird durch Handzeichen vom Beckenrand bzw. Ufer angezeigt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Unter dem Namen „Wasserballett“ oder „Reigenschwimmen“ gibt es Synchronschwimmen schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Aber auch in der Antike existierte das Reigenschwimmen. 1816 wird das erste Mal in Deutschland das Schwimmen mit Kunstfiguren erwähnt. Einer der ersten Wettkämpfe fand 1891 in Berlin statt. Damals war es noch eine reine Männersportart. 1903 gründeten sich die Isarnixen in München (Damen-Reigenschwimmgruppe), ab 1907 waren auch Frauen an den Wettkämpfen beteiligt. Der für das Reigenschwimmen besser geeignete weibliche Körperbau führte zu einer Verdrängung der Männer in dieser Disziplin.

Die Australierin Annette Kellerman trat 1907 als erste Unterwasserballerina in einem gläsernen Wassertank in New York City auf, und machte dadurch das „Wasserballett“ bekannt. Katherine Curtis formulierte für Amerika Wettkampfregeln, die die Grundlage für das heutige Regelwerk bilden. Der großen Durchbruch für das Synchronschwimmen kam durch Esther Williams in den von Hollywood produzierten „Aqua-Musicals“.

1957 fand in Deutschland der erste nationale Wettkampf im Kunstschwimmen statt. Seit 1968 wird das Synchronschwimmen von der FINA offiziell als vierte Disziplin (neben Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball) anerkannt. Bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles war Synchronschwimmen zum ersten Mal ein olympischer Wettbewerb. Einer der wichtigsten internationalen Jugendwettkämpfe im Synchronschwimmen ist der COMEN Cup. Die einzige deutsche Synchronschwimmerin, die bis jetzt an einer Olympiade teilnahm, war Monika Müller vom TV Markgröningen 1992 in Barcelona.

Wettkampf

Es gibt drei traditionelle Disziplinen: Solo, Duett und Gruppe (mit vier bis acht Teilnehmern). Seit einigen Jahren wird als vierte Variante die Kombination geschwommen. Dort sind bis zu zehn Schwimmer zugelassen. In dieser Kür werden Solo-, Duett- und Gruppenteile aneinander geschwommen. In einigen Ländern gibt es auch die Disziplin Trio.

Wie beim Eiskunstlauf werden bei der Bewertung einer Kür Punkte vergeben (1–10), wobei die Schwierigkeit der Darbietung ebenso bewertet wird wie die Umsetzung; auch wird berücksichtigt, ob die Figuren stabil und genau sind. Ebenso wird auf die Synchronität zu Musik bzw. den Schwimmern untereinander geachtet. Je höher die Anzahl der Schwimmer umso stärker wird die Synchronität untereinander bewertet. Es gibt eine Technische Kür („Pflicht“), die bis zu 2:50 Minuten dauert, und eine Freie Kür von 4:45 bis 5:15 Minuten. In der Technischen Kür müssen vorgegebene Elemente in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden. In der Freien Kür hingegen gibt es keine Vorgaben.

Während des Kür-Wettkampfes sind keine Schwimmbrillen zugelassen. Badekappen sind während eines Kürwettkampfes zwar nicht verboten, werden aber eher gemieden. Stattdessen werden die Haare zu einem Dutt hochgesteckt und mit Gelatine an den Kopf „geklebt“. Der Dutt kann mit verschiedenen Kopfbedeckungen wie Krönchen/Steckern verziert werden. Die Schwimmerinnen tragen alle den gleichen Badeanzug, meist bunt und mit Pailletten bestickt. Durch die verzierten Badeanzüge und die Kopfbedeckungen kann eine größere Affinität zu der Musik hergestellt werden und der Showeffekt vergrößert sich.

Bei den meisten Wettkämpfen werden nicht nur Küren geschwommen sondern auch die sogenannte Pflicht. Bei dieser muss die Schwimmerin (oder wie in seltenen Fällen der Schwimmer) Übungen durchführen, die aus mehreren wichtigen Elementen im Synchronschwimmen bestehen. Diese werden je nach Alter immer schwerer. Die FINA legt die Pflichtübungen für einen Zeitraum von vier Jahren fest. Auch die Pflicht wird mit Punkten von den Wertungsrichtern bewertet. Auf einigen Wettkämpfen gilt die Pflicht auch als Qualifikation für ein Finale. Dort werden dann bestimmte Punktevorgaben gesetzt, die man einhalten sollte, um (im Falle eines Einzugs in das Finale) kein Strafgeld zahlen zu müssen. Außerdem darf bei der Pflicht eine Schwimmbrille verwendet werden. So können sich die Schwimmer unter Wasser besser orientieren und dadurch vermeiden, dass sie wandern, was von den Wertungsrichtern ebenfalls strengstens beachtet wird. Bei der Pflicht müssen die Schwimmerinnen einen schwarzen Badeanzug und eine weiße Badekappe tragen.

Beim Synchronschwimmen gibt es verschiedene Altersklassen. Es fängt mit der Altersklasse D an, dann folgt C, B, A und Junioren. Ab einem Alter von 20 Jahren dürfen Schwimmerinnen zudem bei Masterwettkämpfen teilnehmen. Es gibt auch auch Wettkämpfe ohne vorgegebene Wettkämpfe, das sind dann „offene“ Wettkämpfe.

Diverses

Synchronschwimmen wird oft belächelt. Die Fans der Sportart dagegen heben hervor, dass eine Synchronschwimmerin ähnliche Fähigkeiten haben müsse wie eine Bodenturnerin, eine Wettkampfschwimmerin, eine Eiskunstläuferin, ein Wasserballspieler und eine Tänzerin und das alles ohne festen Boden unter den Füßen. Obendrein seien dann noch Anmut und Beweglichkeit erforderlich und die Bewegungsabstimmung mit den anderen Mitgliedern der Gruppe sei besonders schwierig. Bekannte deutsche Synchronschwimmvereine sind die Fördenixen aus Flensburg, die Isarnixen aus München, der Schwimmclub Wedding, die Donaunixen oder der Schwimmclub Flamingo, der bekannteste Schweizer Verein die Limmat-Nixen aus Zürich.

Ursprünglich nur von Männern ausgeführt, wurde es in den 50er Jahren zu einer nur von Frauen betrieben Sportart. Durch den US-Amerikaner Bill May wurde es wieder für Männer zu einer olympischen Disziplin. Er wäre im Jahre 2004 mit Kristina Lum als Partnerin bei der Olympiade Duett geschwommen. Allerdings sperrt sich die FINA noch gegen die Teilnahme von Männern bei Olympia oder internationalen Wettkämpfen. In Frankfurt gibt es die Besonderheit eines männlichen Synchronschwimmervereins – in Deutschland und Europa wohl einmalig. Es handelt sich um eine Gruppe schwuler Synchronschwimmer innerhalb des Frankfurter Volleyball Vereins. Die Gruppe trägt den Namen „synchro libido“ und ist auf internationalen Wettkämpfen wie den Outgames vertreten. In Bochum findet man den zur Zeit einzigen aktiven männlichen Wettkampfschwimmer Niklas Stoepel. Die Geschichte dreier männlicher Synchronschwimmer auf ihrem Weg zur Teilnahme an deutschen Meisterschaften wird in dem Dokumentarfilm Der Traum vom Schweben (2004) erzählt.