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Jurist

Als Juristen (von lateinisch ius = Recht; Genitiv iuris) bezeichnet man Akademiker, die ein Studium der Rechtswissenschaft abgeschlossen haben. Juris consultus (Rechtsberater) ist die ursprüngliche lateinische Bezeichnung für Juristen. Andere erworbene Qualifikationen zur Rechtsbesorgung fallen ebenfalls unter diese Begriffsbestimmung. Die Bezeichnung "Jurist" ist nicht durch § 132a StGB geschützt.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Juristische Ausbildung

Die klassische Juristenausbildung ist zweistufig: Sie umfasst ein Studium der Rechtswissenschaft und eine praktische Ausbildung im Staatsdienst (Referendariat). Jeder dieser Ausbildungsabschnitte endet mit einem Staatsexamen. Der so ausgebildete Jurist ist breit in den drei großen Rechtsgebieten (Strafrecht, Zivilrecht und Öffentliches Recht) ausgebildet („Volljurist“) und kann jeden der klassischen juristischen Berufe ergreifen („Einheitsjurist“).

Seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es daneben neue juristische Studiengänge, deren Ausbildungsschwerpunkte von der traditionellen Ausbildung zum Einheitsjuristen abweichen. Diese Studiengänge sind auf bestimmte Rechtsgebiete beschränkt und ermöglichen daher eine von Grund auf speziellere Qualifikation. So hat sich beispielsweise der Studiengang Wirtschaftsrecht, der mit dem akademischen Grad Diplom-Wirtschaftsjurist abschließt, mittlerweile fest etabliert. Absolventen dieser Studiengänge sind jedoch nicht zur selbständigen, geschäftsmäßigen Rechtsberatung zugelassen; diese bleibt den zugelassenen Rechtsanwälten vorbehalten.

siehe auch: Juristenausbildung

Studium der Rechtswissenschaft

Das klassische Studium der Rechtswissenschaft (lateinisch „jura“ - die Rechte) wird in Deutschland ausschließlich von Universitäten angeboten. Der Student der Rechtswissenschaft wird im akademischen Sprachgebrauch als „studiosus iuris prudentiae“ bezeichnet (lateinisch Lernender des Rechts, abgekürzt „stud. iur.“). Nach der Anmeldung für die Erste Juristische Staatsprüfung, teilweise auch schon nach Erlangung der dazu erforderlichen akademischen Leistungsnachweise, führen Jurastudenten gelegentlich die Bezeichnung „candidatus iuris prudentiae“ (cand. iur.). Dieser traditionelle Titel hat heute (2007) allerdings nur noch historische bzw. formale Bedeutung.

Erste Staatsprüfung

Herkömmlicherweise dient das juristische Studium der Vorbereitung auf die „Erste Juristische Staatsprüfung“, ein Staatsexamen, in dem der Kandidat umfassende Rechtskenntnisse nachweisen muss (grundsätzlich ohne Spezialisierung). Diese Staatsprüfung ist Voraussetzung für die weitere Ausbildung zum Volljuristen und damit für den Zugang zu den klassischen juristischen Berufen (Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Höherer Verwaltungsbeamter).

Als Staatsexamen wird die Juristische Staatsprüfung nicht durch den Ausbildungsträger selbst abgenommen, sondern durch eine staatliche Behörde (Justizprüfungsamt, JPA, o.ä.). Lediglich im neu eingeführten Schwerpunktbereich (früher Wahlfach) erfolgt die Prüfung durch die Universität.

Die in der Ersten Staatsprüfung zu erbringenden Prüfungsleistungen unterscheiden sich je nach Bundesland; in der Regel sind mehrere umfangreiche Klausuren und eine mehrstündige mündliche Prüfung zu absolvieren, daneben wird in manchen Bundesländern auch das Verfassen einer wissenschaftlichen Hausarbeit zu einem vorgegebenen Thema verlangt.

Da die Ersten Staatsprüfung für die meisten Studenten nur ein Zwischenschritt ist auf dem Weg zum Volljuristen, erlangt man mit ihr traditionell keinen akademischen Grad. Für Absolventen, die direkt nach dem Ersten Staatsexamen auf den Arbeitsmarkt treten, kann sich dies als Nachteil auswirken, insbesondere bei Bewerbungen im Ausland, wo die Eigentümlichkeiten der deutschen Juristenausbildung nicht geläufig sind. Deswegen haben seit den 1990er Jahren mehrere Bundesländer begonnen, den Absolventen des Ersten Staatsexamens einen Titel zu verleihen - je nach Bundesland „Jurist (Univ.)“ oder „Referendar“ (z.B. § 15 Abs. 4 SächsJAPO). Ebenso sind manche Universitäten dazu übergegangen, ihren Studenten nach der Ersten Staatsprüfung auf Antrag ohne zusätzliche Prüfung den Grad eines Diplom-Juristen oder eines Magister juris (Mag. jur.) zu verleihen. An der Hamburger Bucerius Law School wird der Bachelor-Titel während des juristischen Studiums sogar ohne gesonderte Prüfung verliehen. Damit werden nicht zuletzt auch die Länder finanziell entlastet, weil sich nicht mehr jeder Jurist gezwungen sieht, den staatlichen Vorbereitungsdienst zu durchlaufen.

Vorbereitungsdienst

Nach erfolgreicher Teilnahme an der Ersten Staatsprüfung haben die Absolventen das Recht, am zweiten Ausbildungsabschnitt der staatlichen Juristenausbildung teilzunehmen, dem juristischen Vorbereitungsdienst (Referendariat). Das Ziel der Referendarzeit ist die praktische Anwendung des im Studium erworbenen Wissens und die Vertiefung der Kenntnisse in ausgewählten Gebieten, vor allem im Prozessrecht.

Das Referendariat dauert mindestens zwei Jahre und umfasst mehrere „Stationen“, in denen der Referendar die Arbeit in den verschiedenen juristischen Berufen erlernen soll. Zwingend ist je eine Station bei einem Gericht, bei einer Verwaltungsbehörde und bei einem Rechtsanwalt; außerdem müssen die drei Hauptgebiete des Rechts mit je einer Station abgedeckt werden: Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. In jeder Station übernimmt ein erfahrener Jurist als Einzelausbilder die Betreuung des Referendars; daneben finden begleitende Übungs- und Lehrveranstaltungen statt.

In den meisten Bundesländern ist der Vorbereitungsdienst als öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis organisiert, in den anderen Ländern werden die Referendare als Beamte auf Widerruf eingestellt; der Referendar erhält eine monatlich zu zahlende Ausbildungsbeihilfe.

Zweite Staatsprüfung

Den Abschluss des Referendariats bildet die Zweite Juristische Staatsprüfung (weitere Bezeichnungen: Zweites Juristisches Staatsexamen, Assessorexamen, Großes Juristisches Staatsexamen). Der Referendar muss unter Zeitdruck mehrere umfangreiche Klausuren schreiben, ein Prüfungsgespräch absolvieren und (außer in Bayern) einen Aktenvortrag halten.

Die zweite Staatsprüfung wird von einer staatlichen Behörde (Landesjustizprüfungsamt, LJPA, o.ä.) abgenommen.

Mit dem Bestehen der Zweiten Staatsprüfung erlangt man die „Befähigung zum Richteramt“ und die „Befähigung zum höheren allgemeinen Verwaltungsdienst“, die zugleich Voraussetzung ist für die Zulassung als Rechtsanwalt, für die Einstellung als Staatsanwalt, für den höheren Staatsdienst und für andere juristische Berufe.

Absolventen der Zweiten Staatsprüfung sind berechtigt, die Bezeichnung „Assessor des Rechts“ zu führen (lateinisch assessor iuris, abgekürzt „ass. iur.“). Außerhalb des akademischen Milieus ist dieser Begriff ungebräuchlich, weil er von Laien häufig mit der gleichlautenden Amtsbezeichnung für Beamte auf Probe verwechselt wird. Im Alltag wird ein Rechtsassessor zumeist als Volljurist bezeichnet - dieser Begriff ist allerdings kein offizieller Titel und auch keine geschützte Berufsbezeichnung.

Benotung

Im rechtswissenschaftlichen Studium und in beiden Staatsprüfungen erfolgt die Benotung nach einem 18-Punkte-System. Einzelleistungen (Klausuren, Hausarbeiten, Seminararbeiten usw.) werden dabei gemäß § 1 der Verordnung über eine Noten- und Punkteskala für die erste und zweite juristische Prüfung (JurPrNotSkV) wie folgt bewertet:

In beiden Staatsexamina wird aus den Einzelnoten eine Gesamtpunktzahl gebildet, aus der die Gesamtnote gemäß § 2 JurPrNotSkV wie folgt ermittelt wird:

Es zählt zu den traditionellen Besonderheiten der deutschen Juristenausbildung, dass die Benotung außerordentlich sparsam erfolgt. Die meisten bestandenen Prüfungen werden nur mit "ausreichend" bewertet. Nur ca. 15 % der Absolventen erreichen die Notenstufen "vollbefriedigend" oder besser. In beiden Staatsexamina werden die Abschlussnoten „sehr gut“ und „gut“ nur in Ausnahmefällen erreicht. Ein "sehr gut" wird in manchen Bundesländern sogar nur alle paar Jahre vergeben. Als Prädikatsexamen, das die späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt merklich erhöht, gilt deshalb schon die Note „vollbefriedigend“, etwa in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen auch die Note „befriedigend“. Der Anteil nicht bestandener Prüfungen liegt im Bundesdurchschnitt im Ersten Staatsexamen bei etwa 27 %, im Zweiten Staatsexamen bei ca. 15 % - allerdings bestehen zwischen den einzelnen Bundesländern diesbezüglich erhebliche Unterschiede (beim 1. Examen im Jahr 2006 beispielsweise von unter 20 % in Hessen bis zu weit über 40 % in Bremen oder Sachsen-Anhalt). Der Bundesnotendurchschnitt beträgt etwa 6 von 18 möglichen Punkten im ersten Examen (Gesamtnote).[1] Für den Staatsdienst (Richter, Staatsanwalt) ist in den meisten Bundesländern grundsätzlich mindestens ein "vollbefriedigend" erforderlich. Auch internationale Großkanzleien erwarten zumeist eine solche Note. Deswegen sind diese Berufe für die große Mehrzahl der Juristen nicht erreichbar.

Reformbestrebungen

Obwohl seit den 1960er Jahren vielfach umgestaltet, gilt die Juristenausbildung immer noch als langwierig, unflexibel und praxisfern. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, erlernen Juristen in ihrer Ausbildung weder etwas über Betriebswirtschaft noch über Fremdsprachen noch über den Umgang mit Menschen, obwohl sie diese Kenntnisse später im Beruf in der Regel zwingend benötigen.

Viele Studenten finden das Universitätsstudium unzureichend als Vorbereitung auf die Staatsprüfungen und ziehen es deshalb vor, sich das benötigte Examenswissen beim Besuch kostspieliger kommerzieller Repetitorien anzueignen. Kritisiert wird ferner die einseitige Orientierung der Staatsprüfungen und des Vorbereitungsdienstes am Bedarf der staatlichen Justiz, obwohl die überwiegende Mehrzahl der Juristen später als Rechtsanwalt arbeitet. Die für die Juristenausbildung zuständigen Landesjustizministerien sind deswegen seit den 1960er Jahren praktisch laufend mit der Erarbeitung von Reformen beschäftigt.

Um Referendaren den Einstieg in die anwaltliche Tätigkeit zu erleichtern, bieten verschiedene Einrichtungen zumeist kostenpflichtige Fortbildungskurse an, die in der Regel parallel zum Referendariat absolviert werden können; Gegenstand sind zumeist rechtspraktische und wirtschaftliche Aspekte der Arbeit als Rechtsanwalt. Zu diesen Angeboten zählt insbesondere die vom Deutschen Anwaltverein offerierte „DAV-Anwaltausbildung“.

Wegen der Europäisierung der Juristenausbildung, insbesondere wegen der Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master im Zuge des Bologna-Prozesses, sind seit dem Jahr 2000 vielfältige Reformbestrebungen und entsprechende Diskussionen im Gange. Das besondere Probleme hierbei ist der Umstand, daß die Ausbildung zum Juristen in Deutschland nicht über ein Universitätsdiplom sondern über zwei Staatsexamina und den Vorbereitungsdienst führt.

Wirtschaftsjuristen

Die Bezeichnung "Wirtschaftsjurist" ist seit einiger Zeit nicht mehr nur eine Berufsbezeichnung für Juristen, die sich hauptsächlich mit Wirtschaftsrecht beschäftigen. Neben der klassischen Juristenausbildung gibt es seit einigen Jahren neuere Ausbildungsgänge, die mit dem akademischen Grad Dipl.-Wirtschaftsjurist bzw. Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH) abschließen. An den Universitäten Bayreuth und Osnabrück besteht zudem auch im Rahmen des klassischen Jurastudiums die Möglichkeit, eine Zusatzausbildung in Ökonomie zu durchlaufen. In Bayreuth ist dies die „wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung“, die nach dem Bestehen der Ersten Juristischen (Staats-)Prüfung zum Führen des Titels „Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth)“ berechtigt.

Berufswahl

Typische Berufe der Volljuristen sind Rechtsanwalt, Richter, Staatsanwalt, Notar und höherer Verwaltungsbeamter. Viele Juristen arbeiten in Rechtsabteilungen mittlerer und größerer Unternehmen hier insbesondere die Wirtschaftsjuristen (auch als Syndikus-Anwalt). Zudem ist eine bedeutende Zahl von Juristen im operativen Geschäft und in der Leitung von Unternehmen tätig. Auch politische Funktionen werden überdurchschnittlich häufig von Juristen wahrgenommen. So stellen die Juristen unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestags in der 16. Wahlperiode mit 23,3 % die bei weitem größte Berufsgruppe, wobei unter den Juristen im Bundestag wiederum die Verwaltungsbeamten dominieren.

Tätigkeitsfelder für die Juristen mit nur einem Staatsexamen oder die Dipl.-Wirtschaftsjuristen sind Sachbearbeitertätigkeiten bzw. unterstützende Tätigkeiten vor allem in der freien Wirtschaft.

Rechtsberatung und Juristensprache

In den meisten Ländern ist die Rechtsberatung dem Rechtsanwalt, dem Patentanwalt auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes, sowie Rechtsbeiständen bzw. Prozessagenten vorbehalten. Allerdings gibt es die Forderung, das Beratungsmonopol der Rechtsanwälte abzuschaffen. Nach einem Gutachten für den 58. Deutschen Juristentag in München 1990, S. C68 ff. stellt Ulrich Everling fest,: „dass keiner der von ihm untersuchten Mitgliedsstaaten der EU die Rechtsberatung den Anwälten vorbehält. Nicht einmal die entgeltliche kommerzielle Rechtsbesorgung ist in anderen Staaten vergleichbaren Beschränkungen wie in der Bundesrepublik Deutschland unterworfen. In einigen Staaten gibt es überhaupt keine Zulassungsvoraussetzungen für die berufliche Rechtsberatung. Lediglich die Führung der Berufszeichnung Rechtsanwalt ist an die üblichen Voraussetzungen gebunden. In all diesen Staaten steht es also jedermann frei, auch ohne entsprechende berufliche Vorbildung und Examina juristisch zu beraten.“ (DFG-VK Zeitschrift 4/3)

Altruistische - das heißt rein aus gesellschaftlichem Engagement getriebene, nicht gewerbs- oder berufsmäßige Absichten hegende - Rechtsberatung ist in Deutschland jedoch unter gewissen Voraussetzungen der Eignung auch ohne Rechtsanwaltszulassung zulässig. Dies ergibt sich aus einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 16. Februar 2006 (NJW 2006, 1502)[1] und einer Entscheidung der 3. Kammer des 1. Senats des BVerfG vom 29. Juli 2004 (BVerfGK 3, 348, NJW 2004, 2662)[2].

Außer der Rechtsberatung ist, soweit Anwaltszwang besteht, die Vertretung vor Gericht ausschließlich zugelassenen Rechtsanwälten, Patentanwälten vor bestimmten Gerichten, sowie Rechtsbeiständen bzw. Prozessagenten vorbehalten. Anderen Personen, die geschäftsmäßig Rechtsangelegenheiten wahrnehmen, ist das Auftreten vor Gericht grundsätzlich untersagt.

Die Notwendigkeit, sich bei Rechtssachen exakt und möglichst unzweideutig auszudrücken, hat zu einer sehr ausgeprägten Fachsprache der Juristen geführt. Sie wird umgangssprachlich oft Juristendeutsch bzw. Juristenlatein genannt. Viele in der Alltagssprache synonym gebrauchte Begriffe - zum Beispiel Eigentum/Besitz oder Darlehen/Leihe/Miete - haben in der Sprache der Juristen eigene, klar von einander getrennte Begrifflichkeiten, die der breiten Bevölkerung so nicht bekannt sind. Manche Politiker versuchen dem gegenzusteuern, indem Gesetzestexte auf ihre allgemeine Verständlichkeit durchforstet werden. Dabei geht allerdings oft die Präzision verloren, die das deutsche Recht in aller Regel auszeichnet.

Österreich

Als Juristen bezeichnet man jemanden, der das Diplom-Studium der Rechtswissenschaften abschließt und der daraufhin von der Universität den akademischen Grad eines Magister iuris bzw. einer Magistra iuris verliehen bekommt.

Nach der universitären Ausbildung kann die Gerichtspraxis (Gerichtsjahr) absolviert werden, in der praktische juridische Kenntnisse vermittelt werden. Um Richter zu werden, macht man während des Gerichtsjahres Prüfungen und wird (nach einer bestimmten Quote) als Richteramtsanwärter übernommen. Für den Anwaltsberuf ist eine insgesamt fünfjährige berufliche Tätigkeit in juristischen Berufen (Gerichtspraktikum, Universitätsassistent, Rechtsanwaltsanwärter) erforderlich. Zumindest drei Jahre sind auf jeden Fall als Rechtsanwaltsanwärter (Konzipient) zu absolvieren, wobei zu beachten ist, dass das Gerichtsjahr jedenfalls absolviert werden muss. Nach (insgesamt) drei Jahren darf man zum ersten Mal zur Rechtsanwaltsprüfung antreten. Nach Absolvierung der gesamten fünfjährigen Ausbildung kann man sich in die Liste der Rechtsanwälte eintragen lassen.

Schweiz

In der Schweiz versteht man unter einem Juristen einen Akademiker, der an einer Universität das Studium der Rechtswissenschaften mit dem Lizentiat (normalerweise lic. iur.) oder neu mit dem Master (beispielsweise MLaw, Master of Law) abgeschlossen hat. Seit der Bologna-Reform gibt es den ersten Studienabschluss Bachelor (BLaw), der in der Regel nach drei Studienjahren verliehen wird. „Jurist“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung und auch kein akademischer Grad. Seit der europäischen Angleichung des Studienganges ist es den Juristen möglich, eine Gleichwertigkeitsbestätigung zu verlangen. Demnach wird mit Urkunde bestätigt, dass die Bezeichnung „lic.iur“ der Bezeichnung „Master of Law“ gleichgestellt wird. Es ist jedoch nur gestattet, eine der beiden Bezeichnungen zu verwenden.

Akademiker mit einem juristischen Abschluss werden nach einem längeren Praktikum im Rechtsbereich (Anwaltskanzlei, Gericht usw.) zur Anwaltsprüfung zugelassen, welche aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil besteht. Nach erfolgreicher Prüfung darf man sich Rechtsanwalt nennen (kurz RA) und exklusiv im rechtsanwaltlichen Monopolbereich vor Gerichten wirken. Aufgrund des föderalistischen Systems der Schweiz dauert das Praktikum unterschiedlich lange. Im Kanton Solothurn dauert das Praktikum für Rechtsanwälte 12, im Kanton Bern gar 18 Monate. Außerdem verlangen die Kantone unterschiedliche Grundausbildungen der Universitäten. Wer z.B. an der Uni Freiburg im Üechtland sein Studium abgeschlossen hat, bedarf u.a. zusätzlicher Ausbildungen im Bereich der Gerichtsmedizin. Auf gesetzlicher Grundlage wurde die kantonale Legitimation der Rechtsanwälte aufgehoben und analog dem Binnenmarktgesetz die Ausübung des Berufes im gesamten Gebiet der Schweiz ermöglicht. Das Monopol, im Bereich der Gerichte zu wirken, ist in wenigen Kantonen gelockert. Dort können in den bürgerlichen Ehren stehende, mündige und urteilsfähige Personen vorbehaltlich gesetzlicher Einschränkungen andere vor Gericht vertreten.

Die größte juristische Fakultät der Schweiz ist an der Universität Zürich zu finden.

Baltikum

Im Baltikum versteht man unter einem Juristen grundsätzlich einen Akademiker, der an einer Universität das Studium der Rechtswissenschaften mit dem Magister (normalerweise M. A.) oder einem gleichwertigen Master (beispielsweise MLaw, Master of Law, LL.M., Aufbaustudium) erfolgreich abgeschlossen hat.

Einzelnachweise

  1. http://www.bmj.bund.de/files/-/2457/Ausbildungsstatistik_2006.pdf

Siehe auch

Literatur

 Wikiquote: Juristen – Zitate
 Commons: Kategorie Deutsche Richter und Rechtsanwälte – Bilder, Videos und Audiodateien

Reformbestrebungen in Deutschland


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