Heim

Schlacht am Antietam

Schlacht am Antietam
Teil von: Amerikanischer Bürgerkrieg

'Battle of Antietam' von Kurz and Allison.
Datum 17. September 1862
Ort Sharpsburg, Maryland, USA
Ausgang unentschieden
(strategischer Sieg der Nordstaaten)
Konfliktparteien

USA

CSA
Befehlshaber
George B. McClellan
Robert E. Lee
Truppenstärke
ca. 87.000
ca. 40.000
Verluste
12.410[1]
2.108 gefallen
9.549 verwundet
753 vermisst
10.320[2]
1.550 gefallen
7.750 verwundet
1.020 vermisst

Die Schlacht am Antietam, in den Südstaaten auch Schlacht bei Sharpsburg genannt, fand am 17. September 1862 in der Nähe von Sharpsburg, Maryland statt. Die Schlacht war die erste große Auseinandersetzung auf dem Gebiet der Nordstaaten – nur 40 km von Washington entfernt – und zugleich die verlustreichste Ein-Tages-Schlacht des gesamten amerikanischen Bürgerkrieges, mit rund 3.600 Gefallenen (Gesamtverluste: knapp 23.000) auf beiden Seiten. Darüber hinaus erlangte die Schlacht am Antietam historische Bedeutung durch den Sieg der Unionstruppen, der Präsident Abraham Lincoln die Möglichkeit eröffnete, seine Emanzipationserklärung zur Sklavenbefreiung in den Staaten, die nicht zur Union gehörten, anzukündigen.

Inhaltsverzeichnis

Beginn

Nach dem konföderierten Sieg in der Zweiten Schlacht am Bull Run war Südstaaten-General Robert E. Lee mit seiner 40.000 Mann starken Nord-Virginia-Armee in Maryland einmarschiert. Dort wollte er seine Vorräte auffrischen und, wenn möglich, Freiwillige aus der Bevölkerung des Grenzstaates für seine Armee rekrutieren. Darüber hinaus hoffte Lee, sein Einmarsch könnte die öffentliche Meinung im Norden beeinflussen und Friedensbestrebungen unterstützen.

Während Generalmajor George B. McClellans Potomac-Armee auf dem Marsch war, um Lees Armee zu stellen, stieß ein Soldat auf eine Kopie der Operationspläne der Konföderierten, die jemand als Packpapier um drei Zigarren gewickelt hatte. Diese Pläne (auch als Lee's Lost Orders bezeichnet) waren für Generalmajor D.H. Hill bestimmt und verrieten im Detail die Positionen der konföderierten Armee. Den Dokumenten zufolge hatte Lee seine Truppen aufgeteilt, um die Bedrohung durch die Garnisonen von Harpers Ferry und Hagerstown auszuschalten und Versorgungsgüter zu erbeuten. General McClellan bot sich hier eine einmalige Chance – sollte er seine Armee schnell genug in Marsch setzen, war es möglich, die beiden Teile von Lees Armee getrennt zu stellen und zu vernichten. Doch der zögerlich handelnde McClellan ließ 18 Stunden verstreichen, bevor er sich entschloss, den Vorteil zu nutzen.

Im Vorfeld der eigentlichen Schlacht am Antietam kam es zu zwei größeren Gefechten: Generalmajor „Stonewall“ Jacksons Einnahme der Garnison von Harpers Ferry und McClellans Vormarsch durch den South Mountain.

Die Schlacht

General Lee hatte indes von Generalmajor J. E. B. Stuart – den ein Südstaaten-Sympathisant aus dem Lager McClellans informiert hatte – am 13. September von den Vorgängen bei der Unionsarmee erfahren. Er beschloss, seine Armee ostwärts von Sharpsburg zu versammeln, um dort den Angriff der Union zu erwarten. Lee schlug sein Hauptquartier in der Stadt auf und platzierte seine Truppen entlang einer kleinen Hügelkette westlich des Antietam-Bachs, um dieses natürliche Hindernis für sich zu nutzen. Damit ging Lee ein großes Risiko ein – im Rücken seiner Armee floss der Potomac und im Falle eines Ausweichens würde der Armee nur eine einzige Furt zur Verfügung stehen.

McClellan erreichte mit den 87.000 Mann der Potomac-Armee den Raum östlich Sharpsburg bereits am 16. September – zu diesem Zeitpunkt hatten weder Generalmajor James Longstreets Korps aus Hagerstown noch die Truppen von General Jackson aus Harper's Ferry den Raum um Sharpsburg erreicht und die Konföderierten waren verwundbar. Doch McClellan verzögerte den Angriff und gab so Longstreet und Jackson die Möglichkeit, den von Lee vorgesehenen Raum der Schlacht zu erreichen. McClellan musste es nun mit Lees gesamter Nord-Virginia-Armee aufnehmen – abgesehen von Generalmajor A. P. Hills Light Division, die sich noch auf dem Marsch von Harpers Ferry befand.

Am Abend des 16. Septembers befahl McClellan dem I. Korps unter Generalmajor Joseph Hooker, den Antietam zu überqueren und durch gewaltsame Aufklärung Stärke und Stellungen des Gegners festzustellen. Brigadegeneral George G. Meades Division attackierte zögerlich konföderierte Truppen unter Brigadegeneral John B. Hood an der rechten Flanke. Mit Einbruch der Dunkelheit endete der Angriff, das Artilleriefeuer wurde jedoch fortgesetzt, um den Aufmarsch von McClellans Armee zu decken. Das Gefecht brachte der Union keinerlei Vorteil, verriet Lee jedoch, wo er am Morgen McClellans Angriff zu erwarten hatte und wo er seine Stellungen verstärken musste.

Die folgende Schlacht am 17. September zerfällt schließlich in drei, mehr oder minder unkoordinierte Gefechte: am Morgen im Norden des Schlachtfelds, am Mittag in der Mitte und am Nachmittag im Süden. Diese mangelnde Koordination, die keine Konzentration der Unionstruppen an einem bestimmten Frontabschnitt zur Folge hatte, negierte beinahe vollständig die Zwei-zu-Eins-Überlegenheit der Union in der Schlacht.

Der Morgen: Dunker Church und Maisfeld

Gefallene Soldaten der Konföderation am Hagerstown Pike, nördlich von Dunker Church

Die Schlacht begann im Morgengrauen mit der Feuereröffnung General Hookers Artillerie auf Jacksons II. Korps. Hookers Angriff zielte auf die linke Flanke der Konföderierten, an der Jacksons Truppen hinter einem Maisfeld bei der von Deutschen gegründeten Dunker Church Aufstellung genommen hatten. Das Aufeinandertreffen der gegnerischen Streitkräfte war so heftig, dass das Artillerie- und Gewehrfeuer das Maisfeld wie eine Sense niedermähte. Hooker schrieb später in seinem Bericht:

„[...] jeder letzte Stängel Mais im nördlichen und größten Teil des Feldes war säuberlich abgeschnitten wie mit einem Messer und die [Konföderierten] lagen genau in den Reihen da, in denen sie ein paar Momente zuvor noch gestanden hatten

Augenzeugenberichten zur Folge wechselte das Maisfeld an diesem Morgen fünfzehn Mal den Besitzer. Bis 07:00 Uhr waren auf beiden Seiten über 8.000 Mann gefallen, verwundet oder vermisst.

Zu diesem Zeitpunkt wurde Jacksons Verteidigung durch die texanische Division von General John B. Hood verstärkt. Die Texaner konnten die Unionstruppen zurückdrängen, nur um selbst wieder das Feld zu räumen, als das XII. Korps der Union unter Generalmajor Joseph K. Mansfield einen erneuten Gegenangriff einleitete. Mansfield wurde im Verlauf der Attacke getötet und sein Korps kam unter heftiges Kreuzfeuer aus den konföderierten Stellungen um Dunker Church. Kurz danach wurde auch Hooker verwundet und musste vom Schlachtfeld getragen werden.

Bei einem Versuch die linke Flanke der Konföderierten aufzurollen und Mansfields Korps zu entlasten, griff die Division von Generalmajor John Sedgwick aus Generalmajor Edwin V. Sumners II. Korps durch die West Woods an. Sumner befahl einen frontalen Angriff, ohne die Stellungen des Gegners zuvor genügend aufgeklärt zu haben. Die Division kam unter Feuer von drei Seiten, und in weniger als einer halben Stunde wurde der Vormarsch gestoppt, 2.200 Gefallene, Verwundete und Vermisste waren zu beklagen.

Damit endete die erste Phase der Schlacht mit mehr als 12.000 Mann Verlusten, einschließlich zweier Kommandierender Generale der Union.

Der Mittag: Bloody Lane

Im Zentrum der Schlacht rückte eine weitere Division aus Sumners Korps unter Brigadegeneral William H. French vor, um Sedgwicks Männer zu unterstützen. Unglücklicherweise folgten die Soldaten der falschen Straße und trafen auf die Division des konföderierten Generalmajor D. H. Hills. Die Konföderierten hatten sich entlang einer nach jahrelangem Wagenverkehr abgesunkenen Straße verschanzt (Sunken Road), die einen natürlichen Graben bildete. In einer Folge von vier Angriffen in drei Stunden rannten Frenchs Männer gemeinsam mit der Division von Generalmajor Israel B. Richardson gegen Hills Verteidigungslinie an, bevor es der Union endlich gelang, die Stellung zu nehmen. Zwischen 09:30 Uhr und 13:00 Uhr waren hier auf 700 Metern über fünfeinhalbtausend Mann gefallen, verwundet oder vermisst. Das Gemetzel brachte dem Hohlweg später den Namen Bloody Lane ein.

General Richardson gelang es anschließend, auch die konföderierten Stellungen auf den Hügeln südlich der Bloody Lane zu nehmen und damit das Zentrum von Lees Linie an den Rand der Auflösung zu bringen. Generalmajor William B. Franklin vom VI. Korps der Union machte sich bereit, diesen Vorteil mit seinen Männern auszunutzen, doch sein Vorgesetzter Sumner untersagte den Vormarsch. Franklin erhob Einspruch bei McClellan, doch dieser, geschockt von dem unglaublichen Blutzoll der vorangegangenen Gefechte, unterstützte Sumners Entscheidung. Eine weitere Möglichkeit, Lees Linien zu durchbrechen, blieb ungenutzt.

Der Nachmittag: Burnside's Bridge

Südöstlich der Stadt an der linken Flanke der Union hielt sich derweil Generalmajor Ambrose E. Burnside damit auf, den Übergang über die einzige Brücke über den Antietam zu erzwingen. Sein Befehl lautete, für eine Ablenkung zu Hookers Hauptangriff im Norden zu sorgen und, wenn möglich, einen eigenen Vorteil auszunutzen. Aufgrund unzureichender Erkundung blieb Burnside verborgen, dass es in der Nähe mehrere Furten gab, die den Übergang für Infanterie ermöglicht hätten. Von dort hätte Burnside die komplette rechte Flanke der Konföderierten bedrohen können. So unternahm er mehrere Angriffe auf die Brücke, die später nach ihm Burnside's Bridge benannt werden sollte. Scharfschützen aus Georgia aus der Division von Brigadegeneral David R. Jones verteidigten die Brücke, und es sollte drei Stunden und drei Angriffe benötigen, um endlich über die Brücke auf die andere Seite des Flusses zu gelangen.

Etwa zur gleichen Zeit machten andere Verbände aus Burnsides Korps die Furten über den Antietam ausfindig und überquerten den Fluss. Dadurch geriet die rechte Flanke der Nord-Virginia-Armee in schwere Bedrängnis, denn nun drangen drei von Burnsides Divisionen auf Longstreets Truppen ein und drohten, die Rückzugslinie der Nord-Virginia-Armee zu der Furt über den Potomac zu unterbrechen. Ein entschlossener Angriff der Union an dieser Stelle hätte Lees Flanke aufrollen können. Doch Burnsides Korps befand sich in Auflösung und musste sich zunächst neu formieren.

Das V. Korps unter Generalmajor Fitz John Porter befand sich als Reserve der Potomac-Armee in der Nähe des Durchbruchs. Generalmajor George Sykes, der die 2. Division dieses Korps kommandierte, drang darauf, seine Männer in die Schlacht zu führen und Burnsides Attacke zu verstärken. McClellan, der schon beinahe von dem Vorschlag überzeugt war, ließ nach Rücksprache mit General Porter dennoch von dem Angriff ab. Aus dieser Unterredung ist von Porter der Ausspruch überliefert: „General, bedenken Sie, ich kommandiere die letzte Reserve der letzten Armee der Republik!“

So blieb die Lage für Lee bedrohlich, doch gelang es General Longstreet, die Linien gegen Burnsides abgekämpfte Männer zu halten. Dies gab Generalmajor A. P. Hill genug Zeit, seine Leichte Division in einem achtstündigen Eilmarsch von Harpers Ferry heranzuführen und Longstreet zu verstärken. Die Nord-Virginia-Armee war gerettet.

Ende der Schlacht

Die Schlacht endete um 17:30 Uhr. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch: am Abend der Schlacht hatten die Nordstaaten etwa 12.000 und die Südstaaten über 10.000 Verluste zu beklagen. Am Abend des 18. September, nach einem Abkommen, das beiden Seiten die Bergung der Verwundeten gestattete, befahl Lee seiner Armee den Rückzug über den Potomac nach Virginia.

Die Schlacht am Antietam sollte eine der blutigsten Schlachten dieses Krieges bleiben. Im Fleischwolf der Bloody Lane hatte sich erneut gezeigt, dass dieser Krieg ein neues Gesicht haben würde, blutiger und erbarmungsloser als jeder Krieg auf amerikanischem Boden bisher. Bis heute ist der 17. September 1862 deswegen als der bloodiest day in American history, der blutigste Tag der amerikanischen Geschichte, bekannt. Die Verluste bei Antitam überschritten alle Verlustziffern an einem Tag in kriegerischen Auseinandersetzungen, an denen die USA früher oder später beteiligt waren. So waren selbst die Verluste am D-Day im Rahmen der Landung in der Normandie 1944 geringer.[3]

Epilog

Auf strategischer Ebene war erneut keine Entscheidung gefallen. General Lee entschied, dass der Zustand der Nord-Virginia-Armee eine Fortsetzung des Feldzuges in Maryland nicht erlaubte und wich nach Virginia aus. Es sollte ein Jahr dauern, bis Lee erneut in der Lage sein sollte, auf dem Gebiet der Nordstaaten zu operieren. Bei Sharpsburg entging Lee der Vernichtung; eine große Chance der Nordstaaten, den Krieg zu verkürzen, blieb ungenutzt. Dennoch markierte die Schlacht am Antietam einen Wendepunkt für die Unionstruppen. Nach einer Reihe von Fehlschlägen und blutigen Niederlagen waren die Reihen der Union am Antietam nicht eingebrochen. Vielmehr war es dem Norden gelungen, einen taktischen Sieg zu erringen, die Invasion des Südens zurückzuschlagen und die Initiative zurückzugewinnen.

Dieser erste bedeutsame Erfolg der Union auf dem östlichen Kriegsschauplatz hatte auch politisch weit reichende Folgen. Als er von den Geschehnissen bei Sharpsburg erfuhr, kündigte Präsident Abraham Lincoln eine Emanzipationserklärung für alle Sklaven in den Südstaaten an. Diese Erklärung bedeutete nichts anderes als die Abschaffung der Sklaverei in den Territorien der Kriegsgegner und die Befreiung aller dort lebenden Sklaven - nicht aber die Sklavenbefreiung in den Staaten der Union. Die Absicht, die Sklavenbefreiung zu einem Ziel dieses Krieges zu machen, hatte Lincoln bereits seit einiger Zeit. Die Emanzipationserklärung hatte er jedoch bis zu einem Sieg der Unionstruppen zurückgehalten, um nicht als Verzweiflungstäter zu erscheinen. Nachdem es bisher einziges Kriegsziel des Nordens gewesen war, die Union aller Staaten wieder herzustellen, kämpften die Soldaten in Blau nun für die Befreiung der Sklaven in den Südstaaten. Der Unionssieg in der Schlacht am Antietam mag auch die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens von einer Anerkennung der Konföderation abgehalten haben; beide Staaten sollen im Falle einer weiteren Niederlage der Union diese Absicht gehabt haben.[4]

Die Emanzipationserklärung hatte auch noch einen anderen Sinn, denn in den Rüstungs- und Landwirtschaftsbetrieben des Süden arbeiteten hauptsächlich Sklaven. Mit der Erklärung beabsichtigte Lincoln nicht nur, die Bildung von „Negerarmeen“ in den Unionstruppen zu ermöglichen, sondern auch offene Aufstände der Sklaven im Süden und Massenfluchten nach Norden zu provozieren. Er sollte damit Recht behalten und schwächte den Süden in doppelter Hinsicht. Einerseits durch die Mobilmachung von verstärkten Milizen von Weißen und Schwarzen im Norden, andererseits durch Massenfluchten der Sklaven im Süden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. The War of the Rebellion, Series I, Band XIX, Teil I, S. 200: Verluste der Union
  2. National Park Service - Antietam: Verluste der Konföderation
  3. Reinhard Pohanka, Der Amerikanische Bürgerkrieg, MarixVerlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-925-0, S. 95.
  4. Reinhard Pohanka, Der Amerikanische Bürgerkrieg, MarixVerlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-925-0, S. 96.