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Ibero-Amerikanisches Institut

Das Ibero-Amerikanische Institut Preußischer Kulturbesitz (IAI) in Berlin ist ein interdisziplinär orientiertes Zentrum des wissenschaftlichen und kulturellen Austauschs mit Lateinamerika, Spanien, Portugal und dem Karibikraum, und die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Latein-Amerika-Kunde außerhalb von Lateinamerika. Die spanische Namensform lautet Instituto Ibero-Americano Patrimonio Cultural Prusiano.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Der Grundstock des Bestandes des IAI geht auf drei Büchersammlungen zurück. Der argentinische Gelehrte Ernesto Quesada schenkte gegen Ende der 1920er Jahre dem Staat Preußen seine ca. 82.000 Bände umfassende Privatbibliothek. Zudem erhielt das IAI die Mexikobibliothek des Geographen Hermann Hagen, der mit Unterstützung des mexikanischen Präsidenten Plutarco Elías Calles 25.000 Bände zusammengetragen hatte. Als das 1925 gegründete Institut für Lateinamerikakunde in Hamburg bereits 1930 wieder aufgelöst wurde, ging auch dessen etwa 10.000 Bände umfassender Bestand an das IAI. Das IAI war somit zum Zeitpunkt seiner Gründung bereits im Besitz von ungefähr 120.000 Bänden. Damit war eine Spezialbibliothek geschaffen, die viele seltene und wertvolle Bände beinhaltete.

Geschichte

Wesentlicher Bestandteil des Institutes war eine Forschungsabteilung. In der Anfangszeit im Marstall untergebracht, zog das Institut im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nach Berlin-Lankwitz um. Unter der Leitung von Wilhelm Faupel war das Institut in die Außenpolitik des Dritten Reiches eingebunden, unter anderem in die diplomatischen Beziehungen zu Argentinien und Spanien. Sämtliche während des Krieges ausgelagerten Bestände gingen verloren. Der Gesamtverlust liegt bei schätzungsweise 40.000 Bänden.

Nach Kriegsende sollte das Institut infolge seiner nationalsozialistischen Aktivitäten aufgelöst werden. Am 1. April 1946 übernahm das Land Berlin die Finanzierung des IAI und rettete es damit. Im selben Jahr wurde das Institut in „Lateinamerikanische Bibliothek“ umbenannt, ab 1954 hieß es „Iberoamerikanische Bibliothek“. Im Jahre 1957 wurde die Bibliothek in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufgenommen. Ab 1962 hieß die Einrichtung wieder „Ibero-Amerikanisches Institut“. In der Folgezeit bestand eine der Hauptaufgaben in der Schließung der während des Κrieges entstandenen Bestandslücken, die darauf zurückzuführen waren, dass in dieser Zeit kaum Erwerbungen aus mittel- und südamerikanischen Ländern möglich waren. Hierbei erhielt das IAI große Unterstützung durch ausländische Institute, Bibliotheken und andere Einrichtungen. Platzmangel zwang das IAI zum Umzug in ein neues Gebäude in der Potsdamer Straße 37 in Berlin-Tiergarten. Der Umzug erfolgte von 1976 bis 1977. 1977 gab die Firma Hall eine 30 Bände umfassende Veröffentlichung des Schlagwortkatalogs des IAI heraus. Infolge des Zuwachses an Beständen und Benutzern steht das IAI derzeit erneut vor einem Platzproblem.

Das IAI ist Mitglied der Forschungsvereinigung CEISAL und des Dokumentationsnetzwerks REDIAL.

Gliederung und Bestände

Heute besteht das IAI aus der Abteilung Bibliothek, der Abteilung Nachlässe, Sondersammlungen & Projekte und der Abteilung für zentrale Dienste. Es ist innerhalb Deutschlands das wichtigste und ein europaweit führendes kulturelles Zentrum für Lateinamerika, Spanien und Portugal. Das IAI besitzt folgende Sondersammlungen:

Phonothek: In der Phonothek werden auditive, visuelle und audiovisuelle Medien aus Spanien, Portugal, Lateinamerika und der Karibik gesammelt. Der Bestand umfasst derzeit etwa 15.000 Langspielplatten, 2.000 Singles, 1.000 Schellackplatten, 4.500 CDs, 900 Musikkassette und 1.200 Tonbänder.

Landkartensammlung: Seit 1957 werden Karten über Lateinamerika und die Iberische Halbinsel sowie über ehemalige spanische und portugiesische Kolonien gesammelt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt umfasst der Bestand schätzungsweise 68.550 gedruckte und 80 handgezeichnete Karten sowie 1.348 Atlanten. Der Schwerpunkt liegt bei Kartenwerken und historischen Karten.

Bildarchiv und Diathek: Beide entstanden 1973. Hier findet man Photographien und Dias über Lateinamerika, Spanien und Portugal. Der Bestand umfasst ca. 60.000 Photographien und 22.000 Dias.

Zeitungsausschnittsarchiv: Seit der Gründung des Instituts im Jahre 1930 werden Artikel über Spanien, Portugal, Lateinamerika und die Karibik gesammelt. Die Sammlung umfasst schätzungsweise 300.000 Ausschnitte. Im Jahre 1990 wurden die Zeitungsausschnittsammlungen des Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft der DDR und des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte der DDR integriert. Dieser Zugang umfasst ungefähr 76.000 Zeitungsausschnitte der internationalen Presse. Seit 1999 werden keine neuen Ausschnitte mehr aufgenommen.

Außerdem verfügt das IAI über eine Vor- und Nachlasssammlung. So findet man hier die Nachlässe des Altamerikanisten Eduard Seler und des Archäologen Max Uhle. Außerdem gibt es hier eine Sammlung von in Mexiko aufgenommenen Photographien des bekannten Photographen Ernst Hugo Brehme. Daneben gibt es Sondersammlungen, beispielsweise eine Graphiksammlung der in Mexiko tätigen internationalen Künstlergruppe Taller de Gráfica Popular und eine umfangreiche Sammlung der brasilianischen Literatura de Cordel.

Das IAI gibt monographische und periodische Fachpublikationen heraus, zum Beispiel die Zeitschrift Ibero-Analysen, die Themen zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der südamerikanischen Länder behandelt. In der Reihe Ibero-Online.de erscheinen Vorträge, die im IAI gehalten wurden, die im PDF-Format heruntergeladen werden können. Die Ibero-Biografien beinhalten Auswahlbibliographien aus den Beständen des Ibero-Amerikanischen Instituts zu bestimmten Themen, wobei die Signaturen mit angegeben sind. Daneben erscheinen zahlreiche Veröffentlichungen zu den ibero-amerikanischen Raum betreffenden Themen und zur Geschichte des IAI.

Literatur

Siehe auch

Wikipedia-Vorlage zum Verknüpfen in Personenartikel personifizierter Literaturübersichten im Katalog des IAI.