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Rabanus Maurus

Rabanus Maurus (auch Hrabanus, Rhabanus; * um 780 in Mainz; † 4. Februar 856 in Winkel im Rheingau) war Abt des Klosters Fulda und Mainzer Erzbischof. Er gehört zu den großen Gestalten der Umbruchzeit des 9. Jahrhunderts und war mit Kaiser Lothar I. und dessen Gattin Irmingard von Tours befreundet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rabanus wurde um 780 als Sohn adeliger Eltern in Mainz geboren. Schon als Kind besuchte er ab 788 zur religiösen und wissenschaftlichen Erziehung die Schule des damals berühmten Benediktinerklosters Fulda. Nach erfolgter Ausbildung konnte er bereits am Hof Karls des Großen als Gelehrter glänzen. Später wurde er von Alkuin, dem Leiter der kaiserlichen Hofschule zu Aachen, gefördert. Alkuin nannte ihn „Maurus“, wie auch der Ordensgründer Benedikt seinen Lieblingsschüler genannt hatte. Als Alkuin sich in die Benediktinerabtei St. Martin zu Tours begab, folgte ihm Rabanus, um dort Bibel-, Liturgie- und Rechtsstudien zu betreiben. 801 kehrte er nach Fulda zurück, erhielt dort die Diakonatsweihe und wurde Leiter der dortigen Klosterschule. Unter seinen Schülern waren Walahfrid Strabo und Otfried von Weißenburg.

In der Zeit als Leiter der Klosterschule (bis 822) verfasste Rabanus wichtige Schriften, von denen die berühmteste das Figurengedicht De laudibus sanctae crucis ("Vom Lob des Heiligen Kreuzes", erschienen 814) ist. Es ist noch heute in Abschriften erhalten, die direkt unter der Aufsicht Rabanus' angefertigt sein dürften; ein Exemplar wird in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt. Von seiner Tätigkeit als Leiter der Schule zeugt sein 819 erschienenes dreibändiges Werk De institutione clericorum ("Von der Ausbildung der Geistlichen").

Am 15. Juni 822 wurde er für zwanzig Jahre Abt des Klosters Fulda, das damals über 600 Mönche beherbergte. Er vergrößerte die Klosterbibliothek und baute die Klosterschule zu einer der ersten Adressen im Fränkischen Reich aus. Außerdem kümmerte er sich um die seelsorgerliche Versorgung der Bauern und errichtete um die 30 Kirchen und Kapellen, darunter im Jahre 836 auch die Grabeskirche der Lioba auf dem Petersberg bei Fulda. Rabanus war ein Gefolgsmann von Kaiser Lothar I., jedoch nicht von Ludwig dem Deutschen, zu dessen Herrschaftsbereich Fulda gehörte. Als er in die Auseinandersetzungen zwischen Ludwig dem Frommen und dessen Söhnen hineingezogen wurde, trat er 842 von seinem Amt als Abt zurück und zog sich auf den Petersberg als Gelehrter ins Privatleben zurück.

Trotz der Meinungsverschiedenheiten erhob Ludwig ihn 847, bereits 67-jährig, zum Erzbischof von Mainz. Am 16. Juni desselben Jahres trat er sein Amt als Oberhirte der größten Kirchenprovinz im ostfränkischen Reich an. Bereits kurz nach seiner Amtsübernahme berief er eine erste Synode ein, auf der Bischöfe, Chorbischöfe (eine Vorform des heutigen Weihbischofs) und Äbte in der Mainzer Abtei St. Alban über die Stärkung des Glaubens und der Disziplin berieten. Die Prediger wurden dazu angehalten, dem einfachen Volk verständliche Predigten zu halten.

Rabanus Maurus starb am 4. Februar 856 der Überlieferung nach in Winkel im Rheingau und wurde im Stift St. Alban vor Mainz beigesetzt. Schon bald wurde er als Heiliger verehrt. 1515 wurden seine sterblichen Überreste vom Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg nach Halle überführt, von dort kamen sie später nach Aschaffenburg. Sein heutiges Grab ist nicht bekannt.

Bedeutung

Als durch die Teilungen des Reichs Karls des Großen die so genannte Karolingische Renaissance in den Anfängen stecken blieb und das entstehende Deutschland seine geistigen Grundlagen suchte, wirkte Rabanus Maurus als Sammler und Vermittler des gesamten philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Wissens seiner Zeit.

Die Fülle seiner Schriften über alle Wissensgebiete und die große Zahl seiner bedeutenden Schüler brachte ihm im frühen 19. Jahrhundert den Ehrentitel „Erster Lehrer Germaniens“ (primus praeceptor Germaniae) ein, dessen Berechtigung jedoch von der neueren Geschichtsforschung in Frage gestellt wird (vgl. den Artikel von Raymund Kottje im Literaturanhang).

Der Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus (Komm Schöpfer Geist) ist, wenn nicht von ihm verfasst (wie früher angenommen), so doch von ihm überliefert und bleibt mit seinem Namen verbunden. Rabanus Maurus ist der Verfasser der aus 22 Büchern bestehenden Enzyklopädie De universo ("Über das Universum“, auch: De rerum naturis - „Die Natur der Dinge“).

Sein wesentliches Verdienst lag in der Vermittlung der christlich-antiken Tradition, indem er herausragende Schriften der Antike dem Wissen des Frühmittelalters entsprechend neu zusammenstellte und enzyklopädisch veröffentlichte.

Er ist ein typischer Vertreter der Karolingischen Renaissance.

Gedenktag

Siehe auch

Literatur

Elektronische Texte

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Personendaten
Rabanus Maurus
Hrabanus Maurus; Rhabanus Maurus; Praeceptor Germaniae
Erzbischof von Mainz und Leiter der dortigen Klosterschule; Verfasser zweier lateinischsprachiger Enzyklopädien
um 780
Mainz
4. Februar 856
Winkel im Rheingau