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Robert King Merton

Robert King Merton (* 5. Juli 1910 in Philadelphia, Pennsylvania als Meyer Robert Schkolnick; † 23. Februar 2003 in New York) war ein US-amerikanischer Soziologe.

Inhaltsverzeichnis

Werk

Merton war von 1931 bis 1937 an der Harvard-Universität Schüler von Talcott Parsons. Er versuchte, die Statik des Parsons'schen Strukturfunktionalismus durch eine Betonung der Dynamik sozialer Prozesse zu überwinden.

Merton prägte unter anderem die Begriffe selbsterfüllende Prophezeiung (englisch self-fulfilling prophecy), Focus Group, Rollenmodell (role model), Matthäuseffekt und Wissenskommunismus und rief das Gleichnis Auf den Schultern von Giganten wieder in Erinnerung.

Bekannt geworden ist Merton für seine Position, dass der Soziologie zur Entwicklung von Großtheorien (grand theories) die empirische Grundlage fehle. Dementsprechend plädierte er dafür, sich auf Theorien mittlerer Reichweite zu konzentrieren, bei denen die Theoriegenerierung mit einer empirischen Fundierung verknüpft werden kann.

Echte und unechte Wissenschaft

Mitte der 1930er Jahre zeigte sich Merton beunruhigt vom Phänomen des Nationalsozialismus und besonders von der Bereitschaft deutscher Wissenschaftler, sich in den Dienst des NS-Regimes zu stellen. Daher versuchte er in einer Vorlesung aus dem Jahr 1937 („Science and the Social Order“) und einem Essay aus dem Jahr 1942 („Science and Democratic Social Structure“) eine strenge Trennlinie zwischen „echter“, das heißt demokratischer und ethischer Wissenschaft auf der einen und unethischer, antiintellektueller „Anti-Wissenschaft“ auf der anderen Seite zu ziehen. Vier Charakteristika zeichneten nach Merton echte Wissenschaft aus (die genannten Beiträge sind in Merton (1949) wiederabgedruckt):

1. Kommunitarismus (communitarianism
Die Ergebnisse wissenschaftlicher Wissensproduktion sind das Produkt kooperativer Anstrengungen, und sie stehen grundsätzlich allen Mitgliedern der Wissenschaftsgemeinschaft jederzeit zur freien Verfügung. (Der Begriff Kommunitarismus hier darf nicht mit dem Kommunitarismus als Strömung in der Politischen Philosophie seit den 1980er Jahren verwechselt werden.)
2. Universalismus (universalism
Die Bewertung wissenschaftlicher Forschung muss unabhängig von der Person oder den sozialen Attributen des verantwortlichen Wissenschaftlers erfolgen. Das heißt dass Ethnie, Nationalität, Religion, sozialer Stand und persönliche Eigenschaften des Forschers nicht herangezogen werden dürfen um dessen Forschungen zu diskreditieren oder um deren Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. (Dieses Prinzip wandte sich vor allem gegen den Ausschluss der Juden aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb.)
3. Uneigennützigkeit (disinterestedness
Antriebsfeder echter Wissenschaft ist nicht Eigennutz, sondern die Leidenschaft zu wachsender Erkenntnis, Neugier im positiven Sinne und altruistisches Interesse am Wohlergehen der Menschheit.
4. organisierter Skeptizismus (organized scepticism
Sowohl in den Forschungsmethoden wie in der institutionellen Absicherung der Forschung muss gewährleistet sein, dass ein abschließendes Urteil erst gefällt wird, wenn alle nötigen Fakten zur Verfügung stehen.

Diese Charakteristika, nach den englischen Anfangsbuchstaben auch CUDOS-Prinzipien genannt, hatten insbesondere in Großbritannien und den USA Einfluss auf die extrem negative Wahrnehmung der deutschen Wissenschaft der NS-Zeit, die in ihrer Gesamtheit als „unethisch“ oder sogar als „wertlos“ verworfen wurde. Das stand allerdings im Widerspruch zu dem bereits während des Zweiten Weltkrieges zu Tage tretenden Interesse aller alliierten Kriegsparteien, möglichst vieler deutscher Wissenschafter habhaft zu werden, um von deren Erkenntnissen zu profitieren (siehe Operation Overcast).

Merton ist Vater von Robert C. Merton, dem Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997.

Publikationen

Literatur

Personendaten
Merton, Robert King
US-amerikanischer Soziologe
5. Juli 1910
Philadelphia, Pennsylvania
23. Februar 2003
New York