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Geschichte der Psychoanalyse

Die Geschichte der Psychoanalyse begann um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit den Arbeiten Sigmund Freuds. Die Psychoanalyse wurde als Methode der modernen Psychotherapie entwickelt, deren Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert, etwa zu Franz Anton Mesmer, zurückreichen (→Geschichte der Psychiatrie; Geschichte der Psychotherapie).[1] Sofern Psychoanalyse Religionskritik und Kulturkritik übte, stand sie zudem in der Tradition der Aufklärung.

Inhaltsverzeichnis

Wer schreibt die Geschichte der Psychoanalyse?

Freud selbst meinte, dass der beste Weg zum Verständnis der Psychoanalyse das Studium ihrer Geschichte sei. Seinen ersten diesbezüglichen Text Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung schrieb er 1914, also nach dem Bruch mit Alfred Adler und C. G. Jung, mit apologetischem Interesse. In dieser Tradition der apologetischen Darstellung steht auch noch die große Freud-Biographie von Ernest Jones, die in den 1950er Jahren erschien.[2] Ebenfalls in den 1950er Jahren führte Kurt Eissler, einer der Gründer der „Sigmund Freud Archives“ in New York (1951) zahlreiche Interviews mit Veteranen der „psychoanalytischen Bewegung“, wie die damalige Selbstbezeichnung war, die jedoch nicht veröffentlicht wurden. Eisslers restriktive Veröffentlichungspolitik, insbesondere in Bezug auf die Briefe Freuds, gab zu zahlreichen Spekulationen Anlass.[3]

Seit den 1960er Jahren entwickelte sich eine von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung unabhängige Geschichtsschreibung, zu deren Vertretern Paul Roazen, Henri Ellenberger, Peter Gay, Michael Molnar, Elisabeth Roudinesco, Frank Sulloway, Alexander Etkind und Carl E. Schorske gehörten. Auch der Psychoanalyse eng verbundene Autoren wie Helmut Dahmer und Regine Lockot bemühten sich spätestens seit den 1970er Jahren um eine kritischere Sicht.

In methodischer Hinsicht ging die Psychoanalyse-Geschichtsschreibung über das Nacherzählen des Lebens der Pioniere und ihrer Theorien hinaus, indem sie Institutionalisierungsprozesse untersuchte und die Verstrickung der Psychoanalyse in soziale und politische Prozesse genauer analysierte.[4]

Psychoanalyse zu Lebzeiten Freuds

1883–1910: Anfänge

1883 erzählte Josef Breuer Sigmund Freud, der damals Neurologe war, wie er Anna O., eine seiner Patientinnen, die an Symptomen der Hysterie litt, behandelt hatte. Diese Patientin erzählte einfach ihre Geschichte, über ihre Halluzinationen, Sehstörungen, Paralysen usw. Nach einer solchen Behandlung ließen ihre Beschwerden Breuer zufolge nach, bevor die Symptome ganz verschwunden seien, so dass Anna O. die Behandlung „talking cure“ nannte.

1885 begab sich der frischgebackene Dozent für Neuropathologie Freud mit einem Reisestipendium nach Paris, um bei Charcot zu lernen. Charcots Einfluss erwies sich als entscheidend für Freuds Wendung zur Psychopathologie.[5]

1886 eröffnete Freud seine Praxis in Wien. Seit 1887 benutzte er regelmäßig die Hypnose. Im selben Jahr begegnete er dem Nasenarzt Wilhelm Fließ, mit dem er einen umfangreichen Briefwechsel führte, der einen tiefen Einblick in die Entstehung der Psychoanalyse erlaubt.[6]

1889 arbeitete Freud mit einer neuen Patientin nach der kathartischen Methode Josef Breuers.

1893 erschien Breuers und Freuds Vorläufige Mitteilung. Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene. Freud zweifelte nicht mehr an der sexuellen Ätiologie der Hysterie.

1894 tauchten die Termini Abwehr-Neuropsychosen und Libido in Freuds Schriften auf.

1895 veröffentlichten Breuer und Freud ihre Studien über Hysterie. Dieses Jahr wird daher häufig als „Geburtsjahr der Psychoanalyse“ bezeichnet. Die Entstehung der Psychoanalyse kann als das „Ineinandergreifen dreier gleich bedeutsamer Prozesse“ begriffen werden:

„[E]s geht um das Überwechseln Freuds von der Physiologie zur Psychologie und die schrittweise Entdeckung der Gesetzmäßigkeiten des unbewussten Seelenlebens, ferner um die Preisgabe manipulativer und suggestiver Techniken bei der Behandlung zugunsten der freien Assoziation und einer methodisch in Gang gebrachten therapeutischen Selbstreflexion, schließlich um die allmähliche Steigerung von Freuds Selbstbeobachtung zur systematischen Selbstanalyse.“

Ilse Grubich-Simitis[7]

Aus dieser Perspektive erscheint die Psychoanalyse als Revolution im Verhältnis von Arzt und Patient. Freud-kritischere Autoren betonen dagegen, dass auch in der Psychoanalyse ein Machtgefälle zwischen Analytiker(in) und Analysand(in) gegeben sei.

1899 erschien Freuds Traumdeutung, vordatiert auf das Jahr 1900.[8]

1900 behandelte Freud Ida Bauer, deren Krankengeschichte er 1905 unter dem Titel Bruchstücke einer Hysterie-Analyse in einer Fachzeitschrift veröffentlichte („Dora“).

1901 erschienen Freuds Beiträge Zur Psychopathologie des Alltagslebens.[9]

1902 wurde Freud zum außerordentlichen Professor ernannt. Die psychologische Mittwochsgesellschaft, ein enger Kreis von ersten Anhängern, der sich in Freuds Wartezimmer traf, entstand. Aus ihr ging 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervor.

1904 begann Carl Gustav Jung die Psychoanalyse Sabina Spielreins. Jung gehörte zu einem Kreis von Ärzten, die sich am Burghölzli in Zürich mit der Psychoanalyse beschäftigen. Im selben Jahr endete die briefliche Beziehung Freuds zu Wilhelm Fließ.

1905 erschienen Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten[10] und die Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie.[11]

1907 begann Freud die Analyse des Ernst Lanzer, der als „Rattenmann“ bekannt wurde.[12]

1908 fand am 27. April in Salzburg der erste internationale psychoanalytische Kongress statt. Sándor Ferenczi, C. G. Jung, Karl Abraham, Otto Gross und andere nahmen teil. Freud veröffentlichte noch kurz zuvor, im März, seine Schrift Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität, [13] in der er zu kulturphilosophischen Schlussfolgerungen aus der Psychoanalyse, wie sie damals Ferenczi und Gross ziehen wollten, Stellung bezog. [14]

1909 fuhren Freud, Ferenczi und Jung im September in die Vereinigten Staaten, wo Freud an der Clark University Vorlesungen hielt und einen Ehrendoktor entgegennahm. Zu seinen Hörern zählten William James, Franz Boas, James Jackson Putnam und Emma Goldmann.

„Die Clark Lectures waren der entscheidende Moment für die Herausbildung von Freuds Charisma.“

Eli Zaretsky: Freuds Jahrhundert. Die Geschichte der Psychoanalyse. Zsolnay, Wien 2006, S. 121.

1910–1914: Beginnende Institutionalisierung und frühe Spaltungen

1910 wird, einer Idee Ferenczis folgend, die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV, bzw. International Psychoanalytical Association, IPA) gegründet. Jung wird u.a. deswegen Präsident, weil Freud angesichts des verbreiteten Antisemitismus fürchtet die Psychoanalyse könnte zu sehr mit dem Judentum identifiziert werden. Freuds Vorschlag Jung zum Präsidenten auf Lebenszeit zu wählen, wird abgelehnt. Freuds gewissermaßen dynastische Vorstellung von Kontinuität wird später noch eine große Rolle für die Bedeutung , die Anna Freud in der IPV spielen sollte, zukommen.

Freud beginnt mit der Analyse des „Wolfsmanns“.[15]

1911 verlässt Alfred Adler die IPV, 1912 folgt ihm Wilhelm Stekel. 1911 wird in den USA die New York Psychoanalytic Society gegründet. Freud misstraut dem Erfolg der Psychoanalyse in den USA und befürchtet eine Indienstnahme der Psychoanalyse als „Dienstmagd der Psychiatrie“. Freuds Neffe Edward Bernays wendet psychoanalytische Einsichten mit großem Erfolg in den Public Relations an.

Freud publiziert 1911 aufgrund der Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken von Daniel Paul Schreber Psychoanalytische Bemerkungen zu einem autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia Paranoides). Im allgemeinen vermeidet es Freud jedoch Psychotiker zu behandeln. Zu den Pionieren der psychoanalytischen Psychosentherapie werden u.a. Victor Tausk, Paul Federn und Frieda Fromm-Reichmann zählen.

Im Laufe des Jahres 1912 wird zunehmend deutlicher, dass die persönlichen und sachlichen Differenzen zwischen Freud und Jung unüberbrückbar sind.[16] Aus Sicht von Freud haben Adler und Jung, indem sie die Bedeutung der Sexualität herunter spielen, eine entscheidende Einsicht der Psychoanalyse preis gegeben.

1912 legt Theodor Reik mit seiner Dissertation Flaubert und seine 'Versuchung des heiligen Antonius' die erste größere psychoanalytische literaturwissenschaftliche Arbeit vor. Ähnliche Arbeiten erscheinen in der Imago, der 1912 gegründeten Zeitschrift für die Anwendung der Psychoanalyse auf die Natur- und Geisteswissenschaften. Der Mitbegründer der Imago Hanns Sachs gibt ab 1939 in den USA die Zeitschrift American Imago heraus, die heute noch erscheint.

1913 wird das „Geheime Komitee“, das aus Karl Abraham, Sandor Ferenczi, Ernest Jones, Otto Rank und Hanns Sachs besteht, gegründet.[17] 1919 kommt Max Eitingon hinzu. Pierre Janet hält bei einem internationalen medizinischen Kongress in London einen Vortrag, in dem er Freuds Theorien kritisiert.

1914 tritt Carl Gustav Jung als Präsident der psychoanalytischen Vereinigung zurück. Freud publiziert Zur Einführung des Narzissmus, eine Arbeit, die zu einem „Wendepunkt“[18] der psychoanalytischen Theorie wird. „Einer der Gründe, warum Freud diese Arbeit verfaßte, mag gerade der Wunsch gewesen sein, das Narzißmus-Konzept der nichtsexuellen ‚Libido’ Jungs und dem ‚männlichen Protest’ Adlers als Alternative entgegenzustellen.“[19] Die Einführung des primären Narzissmus sprengt den Dualismus von Selbsterhaltungstrieben und Sexualtrieb der frühen Triebtheorie, die Beschreibung der Entstehung des Gewissens nimmt die Theorie des Über-Ichs vorweg.

1914–1919

Während des ersten Weltkriegs werden verschiedene psychoanalytische Gesellschaften gegründet (Niederlande, Spanien). Aufgrund der erfolgreichen Behandlung von Kriegsneurosen interessieren sich erstmals auch staatliche Stellen für die P. Im September 1918 findet ein p. Kongress in Budapest statt.[20] Kurzfristig scheint es als liege die Zukunft der Psychoanalyse in Ungarn. Ferenczi erhält unter dem Regime von Bela Kun eine Professur an der Universität. Nach dem Sturz Belan Kuns setzt unter den ‚Weissen’ eine antisemitische Welle ein, die u.a. Melanie Klein veranlasst Ungarn zu verlassen.

In Österreich ist die wirtschaftliche Lage nach dem ersten Weltkrieg katastrophal. Dies bereitet die spätere „Westorientierung“ der Psychoanalyse vor, da Freud aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen ist, vornehmlich zahlungskräftige amerikanische und britische Patienten bzw. angehende Analytiker in Analyse zu nehmen.

1919–1939

Im Januar 1919 wird der Internationale Psychoanalytische Verlag gegründet. Das erste Buch des Verlags ist ein Sammelband über Kriegsneurosen.

In Jenseits des Lustprinzips (geschrieben ab März 1919, erschienen im Dezember 1920) postuliert Freud den Todestrieb. Diese Hypothese wird bis heute von vielen Psychoanalytikern abgelehnt. Zu den wenigen, die sie auf ihre Weise annehmen, zählen Melanie Klein und Jacques Lacan.

Siegfried Bernfeld[21] und Wera Schmidt[22] unternehmen erste Versuche einer psychoanalytisch orientierten Erziehung von Kindern, 1926 wird die Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik gegründet.

1920 entsteht die Société psychanalytique de Genève.

Das Berliner Psychoanalytische Institut wird in den zwanziger Jahren zu einem Zentrum der Psychoanalyse. Im Februar 1920 wird die Poliklinik eröffnet, die zweite Einrichtung dieser Art.[23] Sie ermöglicht finanzschwachen Patienten eine psychoanalytische Beratung und Behandlung. Im Mai 1922 wird ein ähnliches „Ambulatorium“ in Wien eröffnet, 1938 geschlossen und erst 1999 wieder eröffnet.[24]

Am Berliner Institut wird erstmals die dreigliedrige Ausbildung (theoretische Kurse, Lehranalyse, Behandlung erster Patienten unter Supervision) umgesetzt, die später weltweit zum Standard wird. Ob diese Formalisierung der Ausbildung der Psychoanalyse zum Vorteil gereichte, ist umstritten.[25]

1922 findet in Berlin der 7. internationale psychoanalytische Kongress statt. Es ist der letzte, an dem Freud selbst teilnimmt.[26]

Paul Federn (Zur Psychologie der Revolution: Die vaterlose Gesellschaft, 1919) und Freud (Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921) begründen die psychoanalytische Sozialpsychologie. 1921 besucht André Breton in Wien. Die Surrealisten rezipieren begeistert die Schriften Freuds, der davon eher irritiert ist.

1924 und 1925 fungiert Trigant Burrow als Präsident der 1911 gegründeten American Psychoanalytic Association. Zugleich propagiert er die von ihm begründete Gruppenanalyse. Dies erregt den Unmut Freuds, der die Publikation eines Vortrags von Burrow in der Internationalen Zeitschrift für Gruppenanalyse drei Jahre lang verzögert und dessen Thesen als wirre Faselei abtut. [27]

1925 stirbt Karl Abraham in Berlin. Melanie Klein hält im Juli drei Wochen lang Vorträge in London Vorträge und wandert im folgenden Jahr nach Großbritannien aus. Ihr Werk wird die britische Psychoanalyse nachhaltig prägen. August Aichhorn publiziert Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Freud schreibt in seinem Geleitwort: „Das Kind ist das hauptsächliche Objekt der psychoanalytischen Forschung geworden; es hat in dieser Bedeutung den Neurotiker abgelöst, an dem sie ihre Forschung begann.“[28]

1926 wird die Société psychanalytique de Paris gegründet. Freud schickt eine Gruppe erfahrener Didaktiker nach Paris, die Marie Bonaparte zur Seite stehen [...] soll.“[29]

1927 erscheint Freuds religionskritischer Essay Die Zukunft einer Illusion. Wilhelm Reich publiziert Die Funktion des Orgasmus: Zur Psychopathologie u. zur Soziologie d. Geschlechtslebens, das den Beginn seines „Konflikts mit Freud“ markiert, der 1934 in Reichs Ausschluss endet (s.u.). Bis 1930 leitet Reich jedoch noch das technische Seminar in Wien. Neben der Behandlungstechnik[30] (Reichs Charakteranalyse, Ferenczis ‚aktive Technik’[31]) sind in den 20er Jahren die Psychoanalyse der weiblichen Sexualität und die Laienanalyse besonders kontroverse Themen.

Mit dem Weggang von Franz Alexander, Karen Horney und Sándor Radó aus Berlin (1930–1932) beginnt noch vor 1933 die Emigration prominenter Psychoanalytiker in die USA. Gründe sind die Weltwirtschaftskrise und die Versuche, das 'Berliner Modell' der Ausbildung international zu verbreiten, wofür erfahrene Lehranalytiker benötigt wurden.

1932 erscheinen Melanie Kleins Buch Die Psychoanalyse des Kindes und Jacques Lacans Dissertation.

Sandor Ferenczi stirbt 1933. Freud und Ferenczi hatten sich zuletzt zusehends voneinander entfremdet, u.a. weil Freud Ferenczis behandlungstechnische Experimente ablehnte. Trotz Michael Balints Bemühungen Ferenczis Erbe lebendig zu erhalten, blieb sein überragender Beitrag zur Psychoanalyse bis in die 80er Jahre hinein weitgehend unterbewertet, wozu nicht zuletzt Ernest Jones' diffamierende Äußerungen in seiner Freud-Biographie beitrugen.[32]

Bei der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland werden auch Freuds Bücher öffentlich verbrannt. Der Vorstand der DPG besteht aus drei Juden (Eitingon, Simmel, Fenichel). Am 6. März 1933 lehnt es die DPG in einer Generalversammlung ab, die Besetzung der Ämter zu verändern. Am 18. November 1933 tritt Eitingon als Vorsitzender zurück. Er emigriert nach Palästina. Der Vorstand besteht nun aus den nichtjüdischen Mitgliedern Carl Müller-Braunschweig und Felix Boehm.

Nachdem Freud Anfang 1932 beschlossen hatte, „Schritte gegen Reich“ einzuleiten,[33] erscheint Wilhelm Reichs Buch Charakteranalyse 1933 nicht, wie vereinbart, im psychoanalytischen Verlag, sondern im Selbstverlag Reichs. Im Juli 1933 wird Reich durch einen Geheimbeschluss des Berliner Vorstands der DPG ausgeschlossen, darüber aber nicht informiert.[34]

Im August 1934 wird Reich auf dem 13. Kongress der Psychoanalytiker in Luzern auch aus der IPV ausgeschlossen, dies wiederum ohne Angabe von Gründen und mit der offiziellen Notiz, er sei ausgetreten.[35]

Am 1. Dezember 1935 findet in Berlin unter Vorsitz von Jones eine Sitzung der DPG statt, bei der die verbliebenen jüdischen Mitglieder aufgefordert werden ‚freiwillig’ aus der DPG auszutreten. Der nichtjüdische Analytiker Dr. Kamm legt seine Mitgliedschaft aus Protest nieder und emigriert gemeinsam mit den jüdischen Kollegen. Die verbliebenen nichtjüdischen Analytiker beteiligen sich an dem im Mai 1936 gegründeten Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie, das von Matthias Heinrich Göring geleitet wird.

Von Anna Freud erscheint 1936 Das Ich und die Abwehrmechanismen, Freud publiziert 1937 Die endliche und die unendliche Analyse.

Die DPG wird 1938 aufgelöst. Im selben Jahr emigrieren Sigmund Freud und Anna Freud und andere Analytiker nach Großbritannien. Freud stirbt am 23. September 1939. Im selben Jahr erscheint in Buchform Der Mann Moses und die monotheistische Religion. „Mit der Emigration hat eine neue Epoche begonnen, aus der die Psychoanalyse beschädigt hervorgegangen ist.“ (Paul Parin)[36] Politisch engagierte Psychoanalytiker können ihre gesellschaftskritischen Diskussionen nur noch in privaten Zirkeln fortsetzen.[37] Die Medizinalisierung der Psychoanalyse in den USA (Reduktion der Psychoanalyse auf Psychotherapie mit dem Ziel der Anpassung des Individuums) wirkt nach dem Zweiten Weltkrieg auf Europa zurück.

Der Psychoanalytiker John Rittmeister wird wegen seiner Beteiligung am Widerstand im Mai 1943 hingerichtet. Zu den Opfern des Nationalsozialismus zählt auch der Psychoanalytiker Karl Landauer. „Er starb im Januar 1945 im KZ Bergen-Belsen an den Folgen der Lagerhaft.“[38]

Nach Freud

1939–1945

Während des zweiten Weltkriegs finden sich für die Gruppenanalyse neue Anwendungsfelder, insbesondere bei traumatisierten Soldaten. In New York rivalisieren Jakob Levy Moreno und Samuel Slavson um die Dominanz in der rasant sich ausbreitenden Gruppenpsychotherapie. Slavson vertrat eine orthodox-analytische Position. Im Northfield Military Center bei Birmingham arbeiten hintereinander sowohl Wilfred Bion, als auch S. H. Foulkes mit analytischen Gruppen. In seinem grundlegenden Aufsatz Group dynamics a review (1952) zeigt Bion, wie die zuerst von Melanie Klein untersuchten primitiven psychotischen Mechanismen in Gruppen wirksam sind.

In Großbritannien, der letzten Hochburg der Psychoanalyse in Europa, kommt es während des zweiten Weltkriegs zu sehr kontroversen Diskussionen zwischen Anna Freud und Melanie Klein (und ihren jeweiligen Anhängern). [39]

1942 wird die Asosiación Psicoanálitica Argentina (APA) gegründet. Die P. konnte sich in Lateinamerika erst spät etablieren, nahm dann aber ein stürmische Entwicklung, die maßgeblich von Klein, Lacan und der aus Wien stammenden und in Buenos Aires wirkenden Marie Langer beeinflusst war bzw. ist.[40]

1943 wird die Svenska Psykoanalytisk Föreningen (SPF) gegründet .

Nach 1945

Alexander Mitscherlich, Felix Schottlaender und Hans Kunz gründen 1947 die Zeitschrift Psyche. Wie der ursprüngliche Untertitel („Ein Jahrbuch für die Tiefenpsychologie und Menschenkunde in Forschung und Praxis“) nahe legt, war die Psyche zunächst als schulenübergreifendes Organ konzipiert. Im selben Jahr gründet Igor Caruso den "Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie".

1949 publiziert Guy Leclerc in der kommunistischen Zeitung L'Humanité den Artikel La psychanalyse, idéologie de basse police et d'espionnage. Die französische kommunistische Partei beginnt ihre Kampagne gegen die Psychoanalyse.

1950 gründet Müller-Braunschweig die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), die DPG bleibt unter dem Einfluss Harald Schultz-Henckes.

Die Psychoanalyse ist in den USA stark verbreitet und beeinflusst dort auch die Psychiatrie; in den USA dominiert bis in die 70er Jahre die Ich-Psychologie. Das Werk Melanie Kleins ist in den USA lange Zeit kaum bekannt.


1952 hält Pius XII. eine Rede über die mit der Psychoanalyse verbundenen Gefahren.

1953 treten Juliette Favez-Boutonnier, Daniel Lagache, Françoise Dolto, Jacques Lacan und andere aus der Société Psychanalytique de Paris aus. In Frankreich verbreitet sich die « psychothérapie institutionnelle » (Verbindung von von der Psychoanalyse inspirierten Therapien mit der Einrichtung therapeutischer Gemeinschaften in psychiatrischen Einrichtungen). Ihre Anfänge reichen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück (François Tosquelles)

Jacques Lacan gründet 1964 gemeinsam mit Françoise Dolto die École freudienne de Paris. Die Einführung der „passe“ (spezieller Zulassungsmechanismus) durch Lacan führt 1969 zur Abspaltung der Quatrième groupe (Piera Aulagnier u.a.)

In Großbritannien wird Donald Winnicott zu einem führenden Vertreter der Objektbeziehungstheorie sowie der Kinderpsychoanalyse. Winnicott, der zunächst Kinderarzt war, verknüpft die direkte Beobachtung des Kindes mit der analytischen Arbeit.

1960 wird in Frankfurt am Main das Sigmund-Freud-Institut eröffnet. Direktor war bis 1976 Alexander Mitscherlich. In der Studentenbewegung gibt es ein starkes Interesse an Freud und Reich (in Deutschland) bzw. an Lacan (in Frankreich).

In den 70er Jahren werden die neuen Narzissmustheorien (Heinz Kohut, Otto Kernberg) intensiv diskutiert.

Seit den siebziger Jahren nimmt die Psychoanalytische Filmtheorie eine wichtige Stellung in der Filmwissenschaft ein. Ein Teil der Feministinnen greift die P. scharf an, während andere sie als unverzichtbares Analyseinstrument verteidigen und weiter entwickeln (Luce Irigaray, Juliet Mitchell etc.) Von großer theoretischer Bedeutung wird die Auseinandersetzung des Poststrukturalismus mit der P.

1973 gründet René Major in Paris das Forum Confrontation, um einen schulenübergreifenden Dialog zu ermöglichen.

1979 stirbt Wilfred Bion, 1981 stirbt Jacques Lacan. 1985 findet zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg ein Kongress der IPV in Deutschland statt. In diesem Zusammenhang findet eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Rolle der deutschen Psychoanalytiker in der Zeit des Nationalsozialismus statt.

1991 wird in Österreich ein Psychotherapiegesetz in Kraft gesetzt, Deutschland folgt 1999. Die Folgen des österreichischen Gesetzes sind umstritten. [41]

Trotz Freuds entgegengesetzter Haltung[42] haben Psychoanalytiker Homosexualität jahrzehntelang pathologisiert. Gegen den Widerstand vieler Psychoanalytiker strichen die Psychiater in den USA 1973 Homosexualität aus ihrem diagnostischen Handbuch. 1991 distanziert sich die American Psychoanalytical Association von ihrer diskriminierenden Haltung. Seither können offen Schwule und Lesben in den USA Psychoanalytiker werden.[43] Nicht alle Psychoanalytiker folgten der neuen Linie. Charles Socarides wird 1992 einer der Mitgründer der National Association for Research and Therapy of Homosexuality, die für reperative Therapien eintritt. Dem steht der Ansatz der Gay Affirmative Psychotherapy entgegen.

Im Juli 2000 finden in Paris die «États Géneraux de la psychanalyse» statt

21. Jahrhundert

2004 findet in Beirut der erste Kongress der Psychoanalytiker arabischer Sprache statt.

Die Psychoanalyse sieht sich vor zahlreiche Herausforderungen gestellt: die aggressive Entidealisierung der P. (besonders in den USA)[44]), mangelnde Kommunikation zwischen den verschiedenen Schulen, der sich aus der Ökonomisierung des Gesundheitswesens ergebende Druck zu kürzeren Behandlungen etc. Gleichzeitig besteht ein verstärktes Interesse an einer Zusammenarbeit zwischen den Neurowissenschaften und der Psychoanalyse. [45]

In der aktuellen Diskussion geht es nicht nur um die Klinik, sondern auch um die gesellschaftliche Funktion der Psychoanalyse und ihrer Anwendungen. Während manche erwarten, dass die „konstruktive Zusammenarbeit zwischen Hirnforschern und Psychoanalytikern“ „zu höchst fruchtbaren Ergebnissen“ führen wird, „die letztlich nicht nur der therapeutischen, sondern auch der Marketingpraxis zugute kommen“[46], fragen sich andere ob und gegebenenfalls wie das gesellschaftskritische Potential der P. erneuert werden kann.[47]

Einzelnachweise

  1. Henri F. Ellenberger: Die Entdeckung des Unbewussten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. Diogenes, Zürich 2005.
  2. Ernest Jones: The life and work of Sigmund Freud. 3 Bände, 1. Auflage, Hogarth, London 1953–1957. Deutsch: Das Leben und Werk von Sigmund Freud. 3 Bände, 3. Auflage, Huber, Bern 1982: Band 1: Die Entwicklung zur Persönlichkeit und die großen Entdeckungen 1856–1900. ISBN 3-456-81193-4. Band 2: Jahre der Reife 1901–1919. ISBN 3-456-81194-2. Band 3: Die letzte Phase 1919–1939. ISBN 3-456-81195-0. Die Biographie ist eine der bevorzugten Formen der Psychoanalyse-Geschichtsschreibung geblieben, vgl. z. B. die großen Biographien zu Melanie Klein (von Phyllis Grosskurth) und Anna Freud (von Elisabeth Young-Bruehl).
  3. Neben frühen Abhandlungen Freuds enthielt eine zensierte Ausgabe der Briefe Freuds an Wilhelm Fließ der Band: Sigmund Freud: Aus den Anfängen der Psychoanalyse. Briefe an Wilhelm Fliess. Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1887–1902. Hrsg. von Marie Bonaparte, Anna Freud und Ernst Kris, Imago, London 1950. Erst 1986 (in englischer Übersetzung bereits 1985) erschien eine ungekürzte Ausgabe dieser Briefe: Sigmund Freud: Briefe an Wilhelm Fliess. 1887–1904. Hrsg. von Jeffrey Moussaieff Masson, Bearb. der deutschen Fassung von Michael Schröter, S. Fischer, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-10-022802-2. Zu den Spekulationen vgl. Yosef Hayin Yerushalmi: Serie Z: eine Archiv-Phantasie. In: Psyche 50, 1996, S. 1086–1102.
  4. Vgl. zuletzt das ehrgeizige Werk von Eli Zaretsky: Freuds Jahrhundert. Die Geschichte der Psychoanalyse. Zsolnay, Wien 2006, ISBN 3-552-05372-7 (Inhaltsverzeichnis, PDF), in dem er eine Art Gesamtdeutung versucht.
  5. Ernest Jones: Das Leben und Werk von Sigmund Freud. Bd. 1, Bern 1982, S. 222. Vgl. auch Freuds Reisebericht: Sigmund Freud: Bericht über meine mit Universitäts-Jubiläums-Reisestipendium unternommene Studienreise nach Paris und Berlin. In: ders.: Selbstdarstellung. Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973, S. 127–138.
  6. Sigmund Freud: Briefe an Wilhelm Fliess. 1887–1904. Hg. von Jeffrey Moussaieff Masson, Bearb. der deutschen Fassung von Michael Schröter, S. Fischer, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-10-022802-2.
  7. Ilse Grubich-Simitis: Einleitung: Sigmund Freuds Lebensgeschichte und die Anfänge der Psychoanalyse. In: Sigmund Freud: Selbstdarstellung. Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973, S. 7–33, hier S. 8.
  8. Sigmund Freud: Die Traumdeutung von Dr. Sigm. Freud. F. Deuticke, Leipzig/Wien 1900.
  9. 1904 folgte die Veröffentlichung in Buchform: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube u. Irrtum. S. Karger, Berlin 1904.
  10. Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. F. Deuticke, Leipzig/Wien 1905.
  11. Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. F. Deuticke, Leipzig/Wien 1905.
  12. Vgl. Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose [1909]. In: Sigmund Freud: Freud-Studienausgabe. Hrsg. von Alexander Mitscherlich. Bd. 7: Zwang, Paranoia und Perversion. S. Fischer, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-10-822707-6, S. 31–103.
  13. Sigmund Freud: Die 'kulturelle' Sexualmoral und die moderne Nervosität. In: Sexual-Probleme (Mutterschutz, N.F.), Band 4, Nr. 3 (März 1908), S. 107-129; später div. Drucke
  14. Vgl. Kap. 4 von Bernd A. Laska: Otto Gross zwischen Max Stirner und Wilhelm Reich. In: Raimund Dehmlow / Gottfried Heuer (Hg.): Bohème, Psychoanalyse & Revolution. Marburg, 2003, S. 125-162 (online)
  15. Freuds Krankengeschichte Aus der Geschichte einer infantilen Neurose wurde zuerst 1918 veröffentlicht. Sie ist zusammen mit anderen Texten, die den weiteren Lebensweg des „Wolfsmanns“ dokumentieren, abgedruckt in: Der Wolfsmann vom Wolfsmann. Sigmund Freuds berühmtester Fall. Erinnerungen. Berichte und Diagnosen, hrg. von Muriel Gardiner, Aktualisierte Ausgabe, Frankfurt am Main : Fischer Taschenbuch Verlag, 1982.
  16. Vgl. z.B. Jungs aggressiven Brief vom 18.12.1912; in: Sigmund Freud, C.G.Jung, Briefwechsel, Frankfurt am Main, S. Fischer, 1974, S. 594–595.
  17. Vgl. Gerhard Wittenberger, Das „Geheime Komitee“ Sigmund Freuds: Institutionalisierungsprozesse in der „psychoanalytischen Bewegung“ zwischen 1912 und 1927, Tübingen 1995.
  18. Editorische Vorbemerkung zu Zur Einführung des Narzißmus in Sigmund Freud, Psychologie des Unbewussten, Studienausgabe, Band III, Frankfurt am Main 1982, S. 39.
  19. Editorische Vorbemerkung zu Zur Einführung des Narzißmus in Sigmund Freud, Psychologie des Unbewussten, Studienausgabe, Band III, Frankfurt am Main 1982, S. 40.
  20. Vgl. Freuds Vortrag „Wege der psychoanalytischen Therapie“ in: Sigmund Freud, Schriften zur Behandlungstechnik, Studienausgabe, Ergänzungsband, Frankfurt am Main 1982, S. 239–249.
  21. Siegfried Bernfeld, Kinderheim Baumgarten: Bericht über e. ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung, Jüdischer Verlag, Berlin 1921.
  22. Wera Schmidt: Psychoanalytische Erziehung in Sowjetrussland: Bericht über d. Kinderheim-Laboratorium in Moskau, Internationaler psychoanalyt. Verlag, Wien 1924; bzw. Alexander Ertkind, Eros des Unmöglichen. Die Geschichte der Psychoanalyse in Russland, Kiepenheuer, Köln 1996.
  23. Die erste war die Londoner Brunswick Square Clinic, die unabhängig von der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung gegründet wurde. Vgl. Michael Schröter, Zur Frühgeschichte der Laienanalyse in: Psyche, 50. Jahrgang 1996, Heft 12, S. 1127–1175, S. 1162ff.
  24. Zur Geschichte des Wiener Psychoanalytischen Ambulatoriums.
  25. Bernfeld, Siegfried: Über die psychoanalytische Ausbildung (1952), in: Psyche, 38. Jg., S. 437–459. Bernfeld hebt insbesondere die Verzerrung der Übertragungssituation in der Lehranalyse durch die reale Macht des Lehranalytikers hervor.
  26. Michael Schröter, Volle Kraft voraus: Der 7. internationale psychoanalytische Kongress in Berlin (25.-27. September 1922). In: Psyche, 61. Jg., Heft 4, April 2007, S. 412–437.
  27. Dieter Sandner: Die Begründung der Gruppenanalyse durch Trigant Burrow - seine Bedeutung für die moderne Gruppenanalyse. In: Pritz/Vykoukal, Gruppenpsychoanalyse. 2., veränderte Auflage, Wien 2003, 135-160
  28. August Aichhorn, Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung, Bern: Huber, 11. Auflage 2005, S. 7.
  29. Roudinesco 1994: 306.
  30. Vgl. Luzifer Amor - Heft 36, Zur Geschichte der psychoanalytischen Technik, edition diskord.
  31. Michael Balint, Die technischen Experimente Sandor Ferenczis in Psyche, 20. Jahrgang, 1966, S. 904–925.
  32. Jones behauptete Frenczi sei zuletzt psychotisch geworden, was nachweisbar falsch ist. Ferenczi litt unter einer neurologischen Krankheit. Vgl. das Themenheft Sándor Ferenczi: Zur Aktualität eines lang vergessenen Pioniers, Psyche, Mai 1999.
  33. Freud, Sigmund: Tagebuch 1929–1939. Kürzeste Chronik. Hg. v. Michael Molnar. Stroemfeld, Basel-Frankfurt/M. 1996; Eintrag vom 1.1.1932.
  34. Zu diesen verwickelten geheimdiplomatischen Vorgängen, die Jahrzehnte im Dunkeln blieben, vgl. Fallend, Karl/Nitzschke, Bernd (Hg.): Der „Fall“ Wilhelm Reich. Frankfurt/M. 1997. Dazu die anschließende Kontroverse in der Zeitschrift Psyche: Michael Schröter, Manichäische Konstruktion: Kritik an zwei Studien über Wilhelm Reich und seine Konflikte mit der DPG/IPV(19333-34). In: Psyche, 52. Jahrgang, Heft 2, Februar 1998, S. 176–196; Fallend, K./B. Nitzschke, ›Diplomatisches‹ Konstrukt. Eine Erwiderung auf Michael Schröters Erzählung der Geschichte des Ausschlusses Wilhelm Reichs aus der DPG/IPV in den Jahren 1933/34, in: Psyche, 1998, S. 77–83, sowie die Erwiderung von Schröter und Helmut Dahmer, Psychoanalytische Vereinsgeschichte, ›anders‹ erzählt. Zu einer ›Kritik‹ von Michael Schröter. In: Werkblatt. Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik Nr. 40, 1998, S. 106–123.
  35. Die Gründe sollten in einer späteren Ausgabe der Int. Z. f. Psychoanaylse nachgereicht werden, was aber nicht geschah. Deshalb publizierte Reich 1935 in einer von ihm herausgegebenen Exilzeitschrift die Darstellung des Vorgangs aus seiner Sicht.
  36. Paul Parin, Die Beschädigung der Psychoanalyse in der angelsächsischen Emigration und ihre Rückkehr nach Europa. In: Psyche, 44, 3, 191–201.
  37. Russell Jacoby, Die Verdrängung der Psychoanalyse oder Der Triumph des Konformismus, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.
  38. http://www.fpi.de/geschichte.html
  39. Eine ausführliche Schilderung der Auseinandersetzungen findet sich bei Phyllis Grosskurth, Melanie Klein. Ihre Welt und ihr Werk, Stuttgart: Klett-Cotta, 1993
  40. vgl. zur Psychoanalyse in Lateinamerika z.B. Marie Langer, Von Wien bis Managua. Wege einer Psychoanalytikerin, Freiburg: Kore, 3. Auflage 1991
  41. Vgl. August Ruhs, EINIGE BEMERKUNGEN ZUR KRISE DER PSYCHOANALYSE, http://www.bbpp.de/paris/ruhs.htm
  42. vgl. seinen berühmten Brief von 1935 an die Mutter eines Homosexuellen, abgedruckt bei Jones 1982, Band 2, S. 233-234
  43. vgl. Journal of gay & lesbian psychotherapy, 2002, vol. 6, Number 1
  44. vgl. Eli Zaretsky, „Freuds Rufmörder im Zeitalter der Entidealisierung“ in: Psyche, April 1999, S. 373-391
  45. Vgl. z.B. Elisabeth Roudinesco, Wozu Psychoanalyse?, Stuttgart: Klett-Cotta 2002
  46. Dr. V. Halstenberg, Neuropsychoanalyse und Marketing. Was Marketing- und andere Manager von der Neuro-Psychoanalyse lernen können, Blog vom 10.04.2006, http://neuropsychoanalyse.blogg.de/eintrag.php?id=1, gesehen 06.08.2007
  47. immer noch lesenwert z.B.: Thea Bauriedl, Geht das revolutionäre Potential der Psychoanalyse verloren? Zur politischen Bedeutung der Psychoanalyse und zum politischen Engagement der Psychoanalytiker. In: Psyche (1984), S. 489 – 515; Paul Parin, Gesellschaftskritik im Deutungsprozeß. In: Psyche, (1975), 2, S. 97-117, auch online auf der Paul-Parin-Website: http://www.paul-parin.info/index.htm

Literatur

Gedruckte Quellen

Nachschlagewerke

Darstellungen

Zeitschriften zur Geschichte der Psychoanalyse

Siehe auch: Psychoanalytische Zeitschriften

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