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Plansprache

Als Plansprache bezeichnet man eine menschliche Sprache, deren Entwicklung von einem bewusst und planmäßig ausgearbeiteten Sprachprojekt ihren Ausgang genommen hat. Plansprachen sind meist für die Erleichterung der internationalen Kommunikation bestimmt und werden in diesem Fall auch als internationale Plansprachen bezeichnet. Es gibt wenige voll ausgebildete Plansprachen. Daneben gibt es eine Reihe von Semiplansprachen und sehr viele Plansprachenprojekte.[1]

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Eine Plansprache soll die internationale Kommunikation verbessern und vereinfachen. Alle Projekte verwenden deshalb eine Grammatik, die sich auf das Wesentliche beschränkt. Durch Vergleich diverser natürlicher Sprachen lässt sich relativ leicht herausfinden, auf welche komplizierten Details natürlicher Sprachen verzichtet werden kann. Eine Plansprache kann in wesentlich kürzerer Zeit gelernt werden als eine natürliche. Oder in gleicher Zeit wird ein wesentlich besseres Sprachniveau erreicht.

Bezeichnung

Es gibt eine Vielzahl an Bezeichnungen für Plansprachen, wobei die Bezeichnungen teilweise auch eine andere Definition erfordern.

Weltsprache bezieht sich auf die Verbreitung, dabei kann es sich aber auch um eine Nichtplansprache wie Englisch oder Spanisch handeln; ähnlich steht es mit dem Begriff Universalsprache. Ferner kann irgendeine Sprache die Funktion einer Hilfssprache haben. Trotzdem ist der ältere Ausdruck Welthilfssprachen für Plansprachen immer noch recht verbreitet, wird aber oft mit pejorativer Absicht (Unterstreichung des Behelfsmäßigen) benutzt.

Kunstsprache kann sich auch auf nichtmenschliche Sprachen beziehen, also Sprachen, die nicht der Kommunikation unter Menschen dienen. Beispiele sind die so genannten "Computersprachen" (Programmiersprachen) wie Pascal oder Java.

Der Begriff "Plansprache" geht auf den österreichischen Terminologiewissenschaftler Eugen Wüster zurück. Detlev Blanke hat in seinem Standardwerk "Internationale Plansprachen" die oft zitierte Definition gegeben: "Plansprachen sind, im heutigen Verständnis, vom Menschen nach gewissen Kriterien bewusst geschaffene Sprachen, die der internationalen Kommunikation dienen sollen."[2]

Einordnung und Unterscheidungen

Plansprachen bilden in ihren Aspekten die Forschungsgegenstände der Interlinguistik. Sie werden in der linguistischen Diskussion den natürlichen Sprachen gegenübergestellt, die sich über einen langen Zeitraum im Sprachgebrauch einer Sprachgemeinschaft herausgebildet haben.

Plansprachen sind eine Untergruppe der konstruierten Sprachen, wobei eine konstruierte Sprache nur dann als Plansprache bezeichnet wird, wenn sie für die menschliche Kommunikation entwickelt wurde. Meistens sollen Plansprachen entweder als „Welthilfssprachen“ eine Verständigung zwischen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen ermöglichen oder als logische Basis zur Erforschung und Entwicklung neuer Sprachen dienen.

Eine traditionelle Einteilung der Plansprachen verwendet die Begriffe langues a priori und langues a posteriori. Detlev Blanke unterteilt weiter:

Anwendung und Argumente von Befürwortern

Nur wenige der über tausend Projekte haben eine gewisse Bekanntheit erreicht, teilweise auch nur wegen eines originellen Ansatzes. Die meisten sind Vereinfachungen bereits bestehender Sprachen oder auch vor allem Ableger der erfolgreichsten Plansprache, des Esperanto (Ido ist der bekannteste). Eine besondere Entwicklung aus dem Bereich des Esperanto ist Gestuno, eine Gebärdensprache.

Zu einer Sprache mit vielfältigen Funktionen und langfristig stabiler Sprechergemeinschaft hat sich bisher lediglich Esperanto entwickelt. Ido und Interlingua haben diese Entwicklung zum Teil, jedoch nicht in gleichem Maße, vollzogen.

Als prinzipielles Argument für eine Plansprache als lingua franca wies 1910 der Naturwissenschaftler Wilhelm Ostwald auf die Folgen der globalen Dominanz einer Nationalsprache hin: "Das Volk, dessen Sprache zur Weltsprache erhoben würde, hätte durch diesen Umstand allein einen großen technischen Vorteil vor allen anderen Völkern, indem seine Bücher und Zeitungen überall gelesen, seine Mitteilungen, Kataloge (...) überall verstanden werden würden, so dass kein anderes Volk (...) bewusst einen solchen Schritt tun könnte. Mit der Sprache geht auch die Weltanschauung (...) auf die anderen über, welche sich dieser Sprache bedienen."[7]

Geschichte

Berichte über Plansprachen in Antike und Mittelalter sind mit Vorsicht zu nehmen. So wird beispielsweise manchmal der biblische Prophet Zefanja angeführt, demzufolge Gott eine "gereinigte Sprache" in Aussicht stellte. Dabei handelt es sich um eine problematische Übersetzung, richtig muss es heißen: "reine Lippen", mit denen Gott angerufen werden könne (Zef 3,9). Auch weitere angeführte Bibelstellen wie die babylonische Sprachenverwirrung (Gen 11, 1-9), die Ausschüttung des Heiligen Geistes zu Pfingsten (Apg 2, 1-11) und Adams Verteilung der Namen (Gen 2,19) sind schwerlich in einen sinnvollen Zusammenhang mit Plansprachen zu bringen.

Die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen soll eine Lingua ignota erschaffen haben. Wim Manders beschreibt ihre Schöpfung hingegen als einen bloßen Wortschatz von Substantiven und wenigen Adjektiven zum privaten Gebrauch der Hildegard. Das latino maccaronico des ausgehenden Mittelalters ist ebenfalls keine Plansprache, sondern eine literarische Burleske.[8]

Ein Verbreiter solcher falschen Interpretationen war der sowjetische Esperantologe Ernest Drezen, der auf diese Weise der Geschichte der Plansprachen ein möglichst hohes Alter verleihen wollte (Historio de mondolingvo, 1931). Oft sind diese Fehldeutungen allerdings älter, einige gehen auf einen Vortrag von Leopold Einstein von 1884 zurück.

Erst ab dem 17. Jahrhundert verfassten Gelehrte wie Johann Amos Comenius und Gottfried Wilhelm Leibniz Ausführungen zu einer "neuen" Sprache. Im Mittelpunkt des Interesses standen die sogenannten a priori erfundenen Sprachen, die vorrangig aus Ziffern und Sonderzeichen bestanden und nicht auf vorhandenen Sprachen gründeten. Aufgrund ihrer komplexen, kaum zu erlernenden Struktur waren solche Ansätze allerdings nicht praktikabel. Die zweite Gruppe von Plansprachen lehnen sich deshalb an natürliche – vornehmlich westeuropäische – Sprachen an, sie werden dementsprechend a posteriori gebildete Sprachen genannt.

19. Jahrhundert

Die erste etwas bekannter gewordene Plansprache dürfte das eigentümliche Solresol 1817 bzw. 1856 sein. Nennenswerten Anhang erhielt aber erst Volapük. Es wurde 1879/80 vom badischen Prälaten Johann Martin Schleyer geschaffen. Anfangs sehr erfolgreich, brach die Bewegung jedoch schnell wieder zusammen, da die Sprache relativ schwer zu erlernen war. Der Sprachennamen selbst beispielsweise ist aus den englischen Wörtern world und to speak zusammengesetzt; die Wortwurzeln sind also kaum aus den Originalsprachen erkennbar. Darüber hinaus betrachtete Schleyer Volapük als sein geistiges Eigentum, über das nur er zu verfügen habe.

Als Esperanto 1887 erschien, war Volapük auf seinem Höhepunkt bzw. hatte diesen bereits überschritten. Die enttäuschten Volapük-Anhänger wandten sich von den Plansprachen allgemein ab oder wechselten meist zum Esperanto.[9] Beim Esperanto sind die europäischen Wortstämme wesentlich leichter erkennbar als beim Volapük. Spätestens seit 1900 ist die Esperanto-Bewegung konstant die größte Gemeinschaft einer Plansprache. Bis zum Ersten Weltkrieg gründeten sich Esperanto-Organisationen auf allen Kontinenten, und sie ist wahrscheinlich die einzige, in der Kinder (zweisprachig neben einer anderen Sprache) aufwachsen.

20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg

Abgesehen vom Esperanto war die sogenannte naturalistische Richtung am erfolgreichsten. Ihre Anhänger strebten nach einer Plansprache, die vor allem nach dem Beispiel der romanischen Sprachen gestaltet war. So schlug 1903 der italienische Mathematiker Giuseppe Peano ein vereinfachtes Latein vor, das Latino sine flexione. Latino sine flexione wurde auch Interlingua genannt. Betont westeuropäisch ausgerichtet war Occidental von 1922, das später in Interlingue umbenannt wurde. Drittens ist hier Interlingua der IALA (1951) zu nennen. Die Bewegungen für die naturalistischen Projekte wie Latino sine flexione und Interlingua gehen oft ineinander über.

1907 erschien Ido als eine teilweise apriorische, teilweise naturalistische Abspaltung des Esperanto. Da aber in immer kürzeren Zeitabständen neue Verbesserungsvorschläge herauskamen, wurde die Situation für viele Interessierte so unübersichtlich, dass auch Ido immer mehr Anhänger verlor, die sich dann teilweise wieder der Esperanto-Bewegung, teilweise anderen Projekten anschlossen.

Nationalsozialismus und Kommunismus schränkten die Plansprachenbewegungen auf verschiedene Weise und aus unterschiedlichen Gründen ein. Der Nationalsozialismus vermutete im Esperanto eine jüdische Verschwörung und ließ die Esperanto-Verbände sowie den Ido-Bund in Deutschland 1936 auflösen. In der Sowjetunion wurden mehrere Esperanto-Funktionäre - nach jahrelanger Förderung - ab 1937 verhaftet und manche von ihnen hingerichtet, wegen angeblicher Auslandsspionage. Die Sprache selbst wurde von den Regimen meist nicht verboten, aber der Gebrauch war zumindest verdächtig und Auslandskontakte umso mehr.[10]

Seit dem Zweiten Weltkrieg

Obwohl das 1951 veröffentlichte Interlingua schnell die Vorrangstellung unter den naturalistischen Projekten eingenommen hat, blieb Esperanto die bei weitem am meisten genutzte und propagierte Plansprache. Die Versuche, Esperanto auf internationalem Niveau politisch voranzubringen führten trotz kleiner Zwischenerfolge, wie der zwei positiven UNESCO-Resolutionen von 1954 und 1986, nicht für den Durchbruch von Esperanto als Weltsprache.

Stattdessen nahm Englisch immer mehr die Position einer internationalen lingua franca ein: Französisch verlor nach dem Verlust der Kolonien Frankreichs in den 1960er Jahren und trotz seiner Rolle im europäischen Einigungsprozess immer schneller an Bedeutung, Russisch war nach dem Zusammenbruch des Ostblocks immer weniger ein globaler Konkurrent des Englischen. Die vereinfachte Version des Englischen, Basic English, erhielt ebenfalls neben dem Englischen keinen Raum.

Trotz der Vorrangstellung des Englischen pocht die Esperanto-Bewegung weiterhin auf den Gebrauch von Esperanto als allgemeine lingua franca. Es gibt zwar innerhalb der Esperanto-Gemeinschaft auch Gruppierungen, die sich eher als "selbst-erwählte sprachliche Minderheit" ansehen und sich nicht mehr für die Durchsetzung von Esperanto einsetzen; diese sind aber unter den aktiven Esperantisten eine Minderheit.

Autoren

Der berühmteste und wissenschaftlich bedeutendste Autor einer Plansprache dürfte der dänische Linguist Rasmus Christian Rask sein, ein Mitbegründer der modernen Sprachwissenschaft. Seine Linguaz Universale (1817) wurde allerdings erst 1996 aus dem Nachlass heraus veröffentlicht und hat die Diskussion nicht beeinflusst. Ein weiterer bekannter Sprachwissenschaftler ist sein Landsmann Otto Jespersen, dessen Novial jedoch kaum Anhänger gefunden hat.

Die meisten Autoren der etwas bekannteren Projekte gehören zur Gruppe der Akademiker: Zamenhof (Esperanto) war Arzt, Peano (Latino sine flexione) Mathematiker, mehrere Autoren waren Theologen bzw. Geistliche. Ihre sprachlichen Kenntnisse − teilweise handelte es sich um extreme Polyglotte wie Schleyer - sind meist eher als vorwissenschaftlich einzustufen.

Kritik an der Idee einer Plansprache

Die Kritik an Plansprachen im Allgemeinen sind häufig vor allem sprachlicher Art. Eine sehr weitreichende Kritik meint - entgegen der Praxis -, eine Plansprache könne an sich nicht funktionieren, eine gemäßigtere sprachliche Kritik glaubt, eine Plansprache habe keine wesentlichen Vorteile gegenüber Nationalsprachen. Bei den einzelnen Projekten kann die Sprachkritik dann sehr unterschiedlich sein.

Darüber hinaus gab es schon frühzeitig Zweifel daran, ob eine Plansprache sich gegen die Sprachen mächtiger Staaten durchsetzen könne. Diese Kritik richtet sich gegen den idealistischen Optimismus, ein moralisch begründeter Anspruch sei stärker als z. B. wirtschaftliche Interessen. Zu diesen Kritikern gehören auch die meisten Marxisten. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen auch "schwierige" oder "nicht neutrale" Sprachen erlernen, wenn sie sich Vorteile davon versprechen.

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 107/108.
  2. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 11.
  3. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 135/137.
  4. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 157.
  5. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 201.
  6. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 204.
  7. Wilhelm Ostwald: Die Forderung des Tages, Leipzig 1910.
  8. Ziko Marcus Sikosek: Esperanto sen mitoj, 2. Auflage, Antwerpen 2003, S. 158-163.
  9. Detlev Blanke: Internationale Plansprachen. Eine Einführung, Berlin 1985, S. 214/215.
  10. Siehe allgemein: Ulrich Lins: Die Gefährliche Sprache. Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin, Gerlingen/Stuttgart: Bleicher Verlag, 1988.