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Friedrich-Ebert-Stiftung

Die der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nahestehende Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist die größte und älteste parteinahe Stiftung in Deutschland. Ihr Sitz ist Bonn, in Berlin unterhält sie eine Außenstelle.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der FES

Die nach dem sozialdemokratischen deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871–1925) benannte und von ihm selbst in seinem Testament angeregte Stiftung wurde wenige Tage nach seinem Tod 1925 gegründet. Der SPD-Vorstand beauftragte den Parteikassierer Konrad Ludwig mit dem Aufbau der Stiftung, deren Startkapital Spenden der Trauergäste bildeten.

Hauptaufgabe der Stiftung sollte es sein, der Diskriminierung der Arbeiter auf dem Gebiet der Bildung entgegenzuwirken: „Die Friedrich-Ebert-Stiftung verfolgt den Zweck, jungen, befähigten Proletariern Beihilfen für einen Studiengang an staatlich anerkannten Instituten zu geben. Es werden grundsätzlich nur solche Personen unterstützt, die eine Empfehlung der Parteiorganisation beibringen“ (SPD-Jahrbuch 1926) Bis Ende 1931 wurden insgesamt 295 Studierende mit rund 52.000 Reichsmark gefördert. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die Mittel der Stiftung durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise völlig erschöpft. 1933 wurde die FES von den Nationalsozialisten ebenso verboten wie sämtliche übrigen Einrichtungen der Partei.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die FES auf Initiative des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes wiedergegründet. Bereits der SDS-Gründungskongress im September 1946 hatte einen entsprechenden Appell an die Parteiführung beschlossen. Ab 1948 zahlte man aufgrund einer Absprache zwischen SDS- und SPD-Vorstand die ersten Stipendien an ausgewählte SDS-Funktionäre, darunter auch Helmut Schmidt.

1954 erfolgte die Umwandlung in einen gemeinnützigen Verein „zur Förderung demokratischer Volkserziehung“. Seit dieser Zeit finanzierte sich die Stiftung zunehmend aus öffentlichen Geldern, die insbesondere in die Studienförderung flossen.

Seit den sechziger Jahren engagiert sich die FES zudem verstärkt auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe. Dabei unterstütze sie Demokratisierungs- und Befreiungsbewegungen wie den African National Congress (ANC) und spielte eine wichtige Rolle bei der Überwindung der diktatorischen Regime in Griechenland, Spanien und Portugal. So war es kein Zufall, dass die Sozialistische Partei Portugals 1973 in einer Heimvolksschule der FES in Bad Münstereifel gegründet wurde.

FES heute

Heute sieht die Friedrich-Ebert-Stiftung ihre Hauptaufgabe in erster Linie in der Förderung der politischen und gesellschaftlichen Bildung von Menschen aus allen Lebensbereichen im Geiste von Demokratie und Pluralismus, Begabten jungen Menschen durch Stipendien Zugang zu Studium und Forschung zu ermöglichen und zur internationalen Verständigung und Zusammenarbeit beizutragen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Die Stiftung beschäftigt 2006 rund 500 hauptamtliche Mitarbeiter in ihren Niederlassungen in Bonn und Berlin sowie in 14 Regionalbüros und einer Akademie im Inland und 92 entsandte Mitarbeiter in über 100 Auslandsvertretungen. Sie finanziert sich überwiegend durch Zuwendungen aus dem Bundes- sowie den Länderhaushalten. (2006 ca. 112 Mio. €)

Abteilung Studienförderung

Die Abteilung Studienförderung betreute bisher rund 15.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten. Wichtigstes Kriterium für die Aufnahme ist neben der Qualifikation bzw. überdurchschnittlichen Studienleistungen ein überdurchschnittliches gesellschaftspolitisches Engagement. Über 90 % der Geförderten beenden ihr Studium mit einem Prädikatsexamen . 2006 waren 1.653 Studierende in der Förderung, darunter 47,6 % Frauen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten neben der materiellen auch eine sogenannte ideelle Förderung (d. h. Teilnahme an gesellschaftspolitischen Seminaren, Konferenzen und anderen Veranstaltungen, die unter anderem der Berufsqualifizierung dienen). Die FES unterhält ein eigenes Tagungshaus auf dem Bonner Venusberg für diese stipendiatischen Veranstaltungen. Einmal jährlich wählen die Stipendiaten auf der bundesweiten Bundesvertretungskonferenz (BVK) im Bonner Stresemann-Institut ihre Bundesvertretung (BVS), die sich im darauffolgenden Jahr für die Belange der Geförderten und den Dialog mit der Stiftung einsetzt. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten betreiben eine eigene Internet-Plattform (www.fes-stip.de) zur Vernetzung, die ein umfangreiches Angebot von Mailinglisten, Services und Kommunikationstools enthält. Die FES erweitert das Angebot mit der Plattform www.fes-studienfoerderung.de. Unter www.fes-ehemalige.de kommunizieren die ehemaligen FES-Stipendiatinnen und -Stipendiaten. Alle drei Plattformen werden vom gemeinnützigen Verein FES-Ehemalige e. V. ehrenamtlich betrieben. Für die Dauer ihrer Förderung betreut ein Referent/Referentin die Stipendiaten, darüber hinaus gehören sie am jeweiligen Hochschulort einer Hochschulgruppe (HSG) an.

Seit 1971 unterstützt ein Solidaritätsfonds der FES zusätzlich bedürftige ausländische Studierende, wobei aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verfolgte Menschen Vorrang haben. Der Fonds finanziert sich ausschließlich aus Spenden von ehemaligen und aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Die Spenden kamen bisher über 1.000 ausländischen Studierenden zu Gute – aktuell erhalten 31 Studierende ein Stipendium des Solidaritätsfonds. Jedes Jahr wählen die Stipendiaten auf der BVK zwei stipendiatische Vertreter des Fonds in dessen Lenkungsausschuss.

Entwicklungszusammenarbeit

In ihrer internationalen Entwicklungszusammenarbeit setzt sich die FES in über 100 Ländern für die Förderung von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, für starke und freie Gewerkschaften sowie für Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit ein. Zu den Partnern der FES zählen traditionell Parteien und Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftliche und politische Beratungseinrichtungen aber auch Regierungsinstitutionen (wie Parlamente und Ministerien) oder Organisationen der UNO. Dieses weltweite Netzwerk dient auch als Forum für Erfahrungstransfer und Politikberatung und macht die FES (ähnlich wie andere deutsche politische Stiftungen – etwa die Konrad-Adenauer-Stiftung, die der CDU nahe steht) zu einer „internationalen Organisation“ mit exzellenten Kontakten in der ganzen Welt und zu den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Sektoren

Die internationale Arbeit der FES wird von Deutschland aus durch zwei Abteilungen organisiert:

Die Abteilung Internationale Entwicklungszusammenarbeit ist in 72 Ländern mit 64 Büros in Afrika, Lateinamerika, Asien, dem Nahen Osten und an den UN-Standorten in New York und Genf vertreten. Neben regional- und landesspezifischen Projekten bearbeitet sie auf Konferenzen und in Studien kontinentübergreifende internationale Fragen wie der internationalen Parteiförderung, der globalen Gewerkschaftskooperation, der veränderten geopolitischen Rolle großer Länder in der Globalisierung und der Zukunft der deutschen Außenbeziehungen.

Die Abteilung Internationaler Dialog ist in 36 Ländern mit 41 Büros vertreten, die von den beiden Referaten „Westliche Industrieländer“ und „Mittel- und Osteuropa“ betreut werden. Das Referat Internationale Politikanalyse erforscht zudem grundsätzliche Fragen u. a. der Globalisierung, der europäischen Integration und der Transformationsprozesse in den Gesellschaften Mittel- und Osteuropas. Die Büros arbeiten länderübergreifend außerdem an den Schwerpunktthemen „Europäisches Wirtschafts- und Sozialmodell“ und „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“.

Bildungsarbeit

Unter dem Dach ihres Historischen Forschungszentrums verfügt die FES mit dem Archiv der sozialen Demokratie und ihren Bibliotheken in Bonn (Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn) und im Karl-Marx-Haus in Trier über eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen von Dokumenten zur Sozialgeschichte und zur Geschichte der Arbeiterbewegung.

1973 erwarb die FES den traditionsreichen ehemaligen Parteiverlag der SPD "J. H. W. Dietz Nachf.", in dessen Programm zahlreiche Buchreihen und Zeitschriften der Stiftung erscheinen.

Die politische Bildungsarbeit in Deutschland ist in einem bundesweiten Netz von Landesbüros, Akademien, zentralen Projekten sowie den Tagungszentren Berlin und Bonn organisiert. Mit dem Leitziel, die soziale Demokratie zu fördern und zu stärken sowie die politische Kultur der Demokratie weiter zu entwickeln, sollen die politischen Bildungsveranstaltungen die Urteils- und Handlungskompetenz der Bürgerinnen und Bürger erweitern. Darüber hinaus motivieren und befähigen sie zum Engagement im politischen Ehrenamt und leisten Politikberatung für Personen in politischen Führungspositionen und Mandaten. Zudem will die FES in öffentlichen Foren den Dialog zwischen Politik und Gesellschaft fördern. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 2.500 Veranstaltungen angeboten, bei denen nach FES-Angaben fast 150.000 Teilnehmer erreicht werden. Ferner veröffentlichen die Abteilungen der Politischen Bildung, des Historischen Forschungszentrums und andere Fachabteilungen (Wirtschafts- und Sozialpolitik usw.) etwa 500 Publikationen pro Jahr, von knappen Länderstudien bis zu umfangreichen Gutachten zu wirtschafts- oder gesellschaftspolitischen Fragen. Historische und didaktische Ausstellungen (z. B. Wanderausstellungen für Schulen über Rechtsradikalismus) ergänzen das Angebot.

Die Vorsitzenden der FES seit 1953

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