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The New York Times

The New York Times
Beschreibung Überregionale Tageszeitung
Verlag The New York Times Company
Erstausgabe 18. September 1851
Erscheinungsweise Montag bis Sonntag
(Verkaufte) Auflage 1,086,798 Exemplare
Chefredakteur Bill Keller
Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger, Jr.
Weblink nytimes.com

Die New York Times (NYT) ist eine einflussreiche überregionale Tageszeitung aus New York, die von der New York Times Company geführt wird. Sie wird auch „The Gray Lady“ genannt. Das Unternehmen New York Times Company wird im Aktienindex S&P 500 gelistet.

Die „New York Times“ wurde als „The New-York Daily Times“ 1851 von Henry J. Raymond und George Jones gegründet; die erste Ausgabe erschien am 18. September 1851. Die Absicht der Gründer war, eine seriöse Alternative zu den damals in New York vorherrschenden reißerischen Zeitungen anzubieten. Bekannt wurde die „New York Times“ 1880 durch ihren damaligen Redaktionschef, John Swinton. Adolph Ochs übernahm die Zeitung 1896. Unter ihm erreichte die Zeitung internationale Reichweite und Beachtung. Die heutige Besitzerin der „New York Times“, die New York Times Company, wird immer noch von den Nachfahren Ochs' dominiert.

Inhaltsverzeichnis

Selbstverständnis

Ochs änderte den Titel der Zeitung in „New York Times“ und schuf ihren immer noch gebrauchten Slogan: „All the news that's fit to print“ (etwa: Alle Nachrichten, die es wert sind, gedruckt zu werden). Damit einher geht das Selbstverständnis der NYT als newspaper of the records - als Zeitung mit gründlicher und umfassender Berichterstattung. Allgemein gilt die NYT als zuverlässige Quelle für Nachrichten. Ihre redaktionelle Ausrichtung bei der Interpretation von Ereignissen gilt als liberal, die „New York Times“ beschäftigt jedoch Kommentatoren aller in den USA wichtigen politischen Richtungen.

Leitung, Verbreitung, Verlag

Langjähriger Herausgeber ist Arthur O. Sulzberger Jr.; Chefredakteur ist seit Juli 2003 Bill Keller.

Ende 2004 betrug die verteilte Druckauflage wochentags 1.124.700 und sonntags 1.669.700 Exemplare.

Während der Herausgeberschaft unter A.M. Rosenthal von 1969 bis 1988 modernisierte sich die NY Times grundlegend in redaktioneller Hinsicht. Rosenthal erweiterte die NY Times durch neue Tagesrubriken, den „sections“, nämlich die „SportsMonday“, „Science Times“ am Dienstag, die „Living section“ am Mittwoch, die „Home section“ am Donnerstag und „Weekend“ am Freitag. Weiterhin erfreute sich das Lesepublikum am Wochenende an einer gleichsam explosionsartigen Zunahme an Sonntagsbeilagen über Wirtschaft, Reisen, Unterhaltungsspiele, Freizeitaktivitäten, Erziehung, Mode, Gesundheit und andere Themen. Seine energisch vorangetriebene Modernisierung kam auch dem Anzeigengeschäft zugute, so dass sich der Gesamtumsatz der NY Times von 238 Mio. $ im Jahre 1969 versiebenfachte auf 1,6 Mrd. $ im Jahre 1986.[1] Trotz seiner konservativen Grundhaltung achtete er in der Regel auf eine Trennung von Kommentar und Berichterstattung, wodurch NY Times „straight“ werden sollte. Die themenbezogene Diversifizierung wurde zum Vorbild US-amerikanischer und ausländischer Tageszeitungen.

Mit der „Washington Post“ zusammen gab die „Times“ die weltweit erscheinende „International Herald Tribune“ heraus. Am 30. Dezember 2002 übernahm die „Times“ jedoch den Aktienanteil der „Post“ und gibt die „Tribune“ seitdem allein heraus. Die New York Times Company publiziert insgesamt an die 40 Printmedien, so u.a. auch den „Boston Globe“.

Jayson Blair-Affäre

Das Image der „New York Times“ als vertrauenswürdige Nachrichtenquelle wurde im März 2003 erschüttert, als bekannt wurde, dass ihr Reporter Jayson Blair zahlreiche Artikel nicht vor Ort recherchiert und zum Teil auch einfach erfunden hatte.

Infolge dessen wurde Kritik aus der Redaktion der „Times“ laut, dass der Chefredakteur Howell Raines und der leitende Redakteur Gerald Boyd bereits früher über Zweifel an Blairs Berichterstattung informiert waren, jedoch nichts zur Aufklärung der Vorwürfe unternommen hatten. Nach dem Auffliegen der Falschberichterstattung traten Raines und Boyd zurück; die Zeitung kündigte an, ihre Veröffentlichungspraxis zu überprüfen.

Online-Ausgabe

Seit dem 2. April 2006 präsentiert sich die seit 1996 kaum überarbeitete Website der «New York Times» in einem neuen, behutsam angepassten Design,[2] [3] in dem dennoch die für das Blatt obligatorische Verpflichtung gegenüber der eigenen Tradition zum Ausdruck kommt. Dessen ungeachtet betont man, dass nunmehr Video und Multimedia „fundamentale Bestandteile“ des Webauftritts seien. Im September 2005 wurden Teile der Site, die mit Ausnahme der Frontpage eine einmalige Anmeldung erfordert, unter dem Label Times Select vorübergehend kostenpflichtig, darunter auch die Beiträge der führenden Op-Ed-Autoren wie Thomas L. Friedman, Paul Krugman oder Maureen Dowd. Seit Januar 2006 waren die bezahlpflichtigen Inhalte kaum mehr - wie ehedem beinahe umgehend - z.B. in Weblogs zu finden, was dem verschärften juristischen Vorgehen des Blattes gegen Urheberrechtsverletzungen zugeschrieben wurde.

Im März 2005 zählte die Website der „Times“ 555 Millionen Seitenaufrufe. Anfang 2007 verzeichnete der Online-Auftritt der NYT 1,5 Mio. Besucher täglich (was somit im Durchschnitt auf zehn bis 14 Seitenaufrufe pro Besucher hinausläuft), das Blatt selbst hat jedoch nur 1,1 Mio. Abonnenten. Es gibt daher Überlegungen der Verantwortlichen, den Fortbestand der Druckausgabe in Frage zu stellen: „I really don't know whether we'll be printing the Times in five years, and you know what? I don't care, either“, äußerte dazu Arthur O. Sulzberger Jr. 2007 in einem Interview. (Übersetzung: „Ich weiß es wirklich nicht, ob wir die Times in fünf Jahren noch drucken werden. Und wissen Sie was? Es kümmert mich auch nicht.“)[4] [5] Wie schon bei anderen „klassischen“ Druckpublikationen verlegt man auch hier den Vorrang des Mediums zunehmend in den Online-Bereich, der nach der Einführung des Internets zunächst vorwiegend als Ableger und Ergänzung der Druckausgabe behandelt wurde.

Am 17. September 2007 wurde angekündigt, alle Inhalte mit Ausnahme des Archivs aus der Zeit zwischen 1923 und 1986 wieder kostenfrei online zur Verfügung zu stellen. Man hoffe, dass dadurch die Werbeeinnahmen mehr als bei zahlenden Kunden ansteigen werden. Die Aussicht auf noch mehr Suchmaschinen-Treffer gab den Ausschlag für eine weitgehende Reduzierung der bezahlpflichtigen Inhalte. Eine Anmeldung zur Einsicht der meisten Inhalte ist nach wie vor zwingend.[6] Es wird ein „zweistelliges Wachstum der Werbeumsätze“ erwartet.[7] Times Select, der bezahlpflichtige Teil der Webpräsenz, wurde eingestellt, obgleich betont wurde, das Experiment sei ein Erfolg gewesen. Seitdem sind alle aktuellen Inhalte der NYT online wieder kostenfrei zugänglich.

Machtkampf mit Morgan Stanley

Im April 2006 kündigte Hassan Elmasry, der Portfolio-Manager der Investmentbank Morgan Stanley an, den Einfluss der Unternehmerfamilie Sulzberger zu brechen. Dazu verbündete er sich mit dem Medieninvestor Bruce Sherman, dessen »Fonds Private Capital Management« mit 15 Prozent den damals größten Aktien-Anteil an der Times Company hielt. 7,15 Prozent Anteile von Morgan Stanley kamen hinzu. Dieser Kampfansage vorausgegangen war eine wütende Kritik des Weißen Hauses und der US-Republikaner [8] am vorsichtigen Abrücken der NYT-Unterstützung für den immer umstritteneren Irak-Krieg.[9] [10] Elmasry kritisierte, dass es bei der Times zwei Klassen von Aktien gebe, nämlich Class-B-Aktien mit vollem Stimmrecht für die acht Treuhänder der Familie und weniger stimmberechtigte Class-A-Aktien für institutionelle Anleger. Nach Ansicht von Fondsmanager Elmasry wäre bei der NYT ein Wechsel im Aufsichtsrat notwendig, da es die NY Times an ökonomischer Vernunft fehlen lasse. Dieser Behauptung stehen drastische Einsparungsnahmen im Druckbereich und eine inhaltlich größere Ausgabe gegenüber. Darüber hinaus wandten bzw. wenden die Verlegerfamilien des Wall Street Journal und der Washington Post dasselbe Verfahren an, um die Kontrolle über ihre Gründungen aufrechtzuerhalten und es ist die gesamte Zeitungsbranche, die seit Jahren mit sinkender Auflage und fallenden Werbeeinnahmen kämpft.[11]

Im Februar 2007 zog die Familie Sulzberger ihr Geld bei Morgan Stanley ab.

Doch der Druck der Hauptaktionäre verfehlte seine Wirkung nicht: die New York Times Company erhöhte die Dividende, verkaufte unprofitable TV-Lokalsender und kürzte die Managementgehälter. So verkaufte die NYT Co. im Mai 2007 ihre Fernsehstationen für 575 Mio. $, um ihre Verbindlichkeiten abzahlen zu können. Weiterhin sollten 250 Stellen bis April 2008 wegfallen und das Papierformat der NYT verkleinert werden; dies wiederum hatte eine Kürzung von fünf Prozent aller Nachrichten zur Folge.[12]

Am 17. Oktober 2007 wurde bekannt, dass Morgan Stanley sein gesamtes Aktienpaket an der New York Times Company an bislang unbekannte Investoren veräußert hatte.[13] Damit wurde der Machtkampf um die Gesellschaft zugunsten der Familie Sulzberger beendet. Ein Investmentberater von »Mediatech Capital Partners LLC« bestätigte, dass Elmasry auch im Namen weiterer einflussreicher Interessenten handelte.[14] Nach langer Zeit konnte zugleich das Unternehmen wieder einen Anstieg seiner Gewinne um rund sieben Prozent oder 13,4 Mio. Dollar melden. Das Anzeigengeschäft wuchs um elf Prozent und die Auflage der New York Times stiegen um vier Prozent an, das Online-Ressort erzielte 26 Prozent mehr an Umsatz - was im Gegensatz zum allgemeinen Abwärtstrend des US-Verlagswesens liegt.[15] [16]

Nach dem Verkauf der Morgan Stanley-Anteile wiederholte sich das Bedrohungsszenario für die Verlegerfamilie Ochs Sulzberger. Der Hedge Fonds-Manager Scott Galloway,[17] Mehrheitseigner des Fonds »Firebrand Partners«, kaufte gemeinsam mit Philip Falcones Fonds »Harbinger Capital«, NYT-Aktien auf. Mitte Februar 2008 erhöhten sie ihren Anteil auf 14,3 Millionen Aktien oder 9,96 Prozent [18] und verdoppelten ihren Anteil Ende März 2008 auf 19,8 %.[19] Zunächst bestanden die beiden Anteilseigner nicht mehr auf eine formale Entmachtung der Verlegerfamilie Ochs Sulzberger, allerdings sollten diese in inhaltlichen Fragen durch vier eigene Direktoren überstimmt werden können. Am 18. März 2008 einigten sich beide Parteien auf eine Zuwahl von Scott Galloway (* 1965) und James Kohlberg, dem Sohn des Mitbegründers der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, Jerome Kohlberg, Jr., als zusätzliche Board-Mitglieder.[20] »Harbinger Capital« machte bislang keine Angaben, warum der Hedge Fonds NYT-Aktien aufkauft. Grundsätzlich ist eine Aktienmehrheit familienfremder Anteilseigner unmöglich und Herausgeber Arthur O. Sulzberger Jr. ließ keinen Zweifel daran, nicht den Qualitätsjournalismus kurzfristigen Rendite-Interessen opfern zu wollen.[21]

Umzug

Am 17. April 2007 begann der Umzug der Redaktion vom 1913 eröffneten Verlagsgebäude in 229 West 43rd Street zum New York Times Tower, ebenfalls am Times Square in Manhattan. Das neue Gebäude ist 228 m hoch (mit Glaswall 256 m und Antenne 348 m) und damit das zweithöchste Gebäude von New York City. Es wurde vom Architekturbüro Renzo Piano konzipiert, von Fox & Fowle Architects erbaut und mit einem sechsstöckigen Atrium mit Birken und Moosgarten ausgestattet, um in der Mitte eine kontemplative Atmosphäre zu schaffen. Die äußere Glasfront ist mit tausenden von kleinen transparenten Keramikröhren durchzogen, die für einen effizienten Temperaturausgleich sorgen sollen. Das Licht wird über mechanisierte Fensterblenden und interne dimmbare Fluoreszenzleuchten gesteuert, um mit einem möglichst geringen Energieaufwand optimale Lichtverhältnisse herzustellen. Die Redaktion belegt nur die untersten 27 Etagen der insgesamt 52 Stockwerke, der Rest wird vermietet. Die Kosten des Gebäudes und des Umzugs beziffert man mit 850 Mio. Dollar.

Jeder Arbeitsplatz der Redakteure verfügt über einen Gigabit-Ethernet-Link, ein IP-Telefon und ein integriertes Voice-E-Mail-Chat-System. Die Redaktionszentrale erstreckt sich über drei Stockwerke und ist als High-Tech-Newsroom „für alle Plattformen“ konzipiert. Darum herum gruppieren sich weitere online-Projekte wie der „City Room“, eine technisch anspruchsvolle Website für die New Yorker Kommunalpolitik, Nahverkehr, Justiz und Schulen, die Blogs, Fotos und Videos als Medien anbietet. Für den US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 nimmt man die Vorteile eines internen Politik-Wikis in Anspruch, was den Redakteuren als zentrales Informationsarchiv dienen soll. Für diese Wahlen gaben die Herausgeber im Januar 2008 die Wahlempfehlung („endorsement“), Hillary Clinton [22] bei den Demokraten und John McCain bei den Republikanern zu wählen.[23] Vernichtend kritisiert wurde dagegen der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani u.a. wegen seinen Versuchen, aus der Tragödie des 11. September 2001 Kapital zu schlagen.[24]

Einzelnachweise

  1. A. M. Rosenthal, Editor of The Times, Dies at 84. In: New York Times. 11. Mai 2006
  2. A Letter to Our Readers. 2. April 2006, Statement der NYT zum modernisierten Webauftritt
  3. Guided Tour des neuen Webauftritts
  4. Arthur Sulzberger, on life in the Internet age. In: Haaretz. 6. Februar 2007
  5. Sind die Printmedien schon abgehakt?. In: denQuer.de. 11. Februar 2007
  6. Times to Stop Charging for Parts of Its Web Site. In: New York Times. 18. September 2007
  7. Konrad Lischka: Strategiewechsel. „New York Times“ macht Web-Archiv kostenlos. In: Spiegel Online. 18. September 2007
  8. Die Regierung will Reporter einschüchtern. In: stern. 13. Januar 2007
  9. From The Editors. The Times and Iraq. In: New York Times. 26. Mai 2004
  10. The Public Editor; Weapons of Mass Destruction? Or Mass Distraction?. In: New York Times. 30. Mai 2004 (Cookies aktivieren)
  11. „New York Times“-Eigner bestrafen Morgan Stanley. In: Financial Times Deutschland. 6. Februar 2007
  12. Marc Pitzke: New York Times: Umzug in eine ungewisse Zukunft. In: Spiegel Online. 15. April 2007
  13. Morgan Stanley Sells New York Times Stake. In: New York Times. 17. Oktober 2007
  14. Morgan Stanley Sells Entire New York Times Stake (Update3). In: Bloomberg. 17. Oktober 2007
  15. „New York Times“ steigert Gewinn. Höhere Werbeeinnahmen - Reinerlös im abgelaufenen Quartal bei 13,4 Mio. Dollar. In: Der Standard. 23. Oktober 2007
  16. New York Times kann im vierten Quartal Gewinn ausweisen. In: FinanzNachrichten.de, 31. Januar 2008
  17. Frank Hornig: Barbaren vorm Bollwerk. In: Der Spiegel, Nr. 10, 2008, 3. März 2008, Seite 128, (PDF-Datei, 3 S.)
  18. Marc Pitzke: „Finanzinvestoren stürzen sich auf US-Blätter“. In: Spiegel Online, 13. Februar 2008
  19. Harbinger boosts stake in New York Times - filing. In: Reuters, 28. März 2008
  20. Personalien des Tages. In: Financial Times Deutschland, 18. März 2008
  21. Hedge funds seek to shake up board of the New York Times. In: The Independent, 29. Januar 2008
  22. „Editorial. Primary Choices: Hillary Clinton“, New York Times, 25. Januar 2008, (Cookie-Annahme erforderlich)
  23. „Editorial. Primary Choices: John McCain“, New York Times, 25. Januar 2008, (Cookie-Annahme erforderlich)
  24. „"New York Times": Großes Lob für die Kandidatin Hillary Clinton“, Die Welt, 25. Januar 2008

Literatur

Presse-Artikel