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Talbahnlinie

Talbahnlinie (heute)
Euregiobahn bei Eschweiler-Nothberg
Kursbuchstrecke: 448
Streckenlänge: 57,7 km
Legende
von Aachen
57,7 Stolberg (Rheinl) Hbf
von Stolberg-Altstadt
Stolberg (Rheinl) Gbf
59,8 zur Schnellfahrstrecke nach Köln
Eschweiler-Aue
Dreibogenbrücke (KBS 480)
54,3 Eschweiler-Röhe
Inde
53,3 Eschweiler-West
52,4 Eschweiler-Talbahnhof
50,2 Eschweiler-Nothberg
47,9 Eschweiler-Weisweiler
A 4
45,6 Frenz Kraftwerk Weisweiler
Lamersdorf
42,5 Inden abgebaggert
von Düren
36 Jülich
nach Dalheim
29,9 Welldorf
25,7 Ameln
22,8 Titz
19,3 Immerath
16,6 Otzenrath umgesiedelt/abgerissen
A 46
von Köln
Hochneukirch
nach Mönchengladbach
Talbahnlinie (ab ~2008)
Kursbuchstrecke: 482.2
Streckenlänge: 13 km
Legende
von Aachen
57,7 Stolberg (Rheinl) Hbf
von Stolberg-Altstadt
Stolberg (Rheinl) Gbf
59,8 zur Schnellfahrstrecke nach Köln
Eschweiler-Aue
Dreibogenbrücke (KBS 480)
Inde
53,3 Eschweiler-West
52,4 Eschweiler-Talbahnhof
50,2 Eschweiler-Nothberg
47,9 Eschweiler Weisweiler
zum Kraftwerk Weisweiler
Schnellfahrstrecke von Aachen
Langerwehe
Schnellfahrstrecke nach Köln

Die Talbahnlinie oder Indetalbahn ist der südwestliche Abschnitt der Bergisch-Märkischen Eisenbahn auf der ehemaligen Bahnstrecke Stolberg–Eschweiler–Jülich–Mönchengladbach. Regelmäßiger Verkehr findet 2007 nur auf dem südlichen als Eschweiler Talbahn bekannten Abschnitt statt, welcher heute einen wichtigen Bestandteil des euregiobahn-Konzeptes darstellt.

Inhaltsverzeichnis

Betrieb und Geschichte

Namensgebung

Der Name (Inde-)Talbahn kommt daher, dass sich im etwa 800 m breiten Tal der Indemulde zwischen Eschweiler-Röthgen und der Dürener Straße die Inde noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Weg suchte. In der Ebene mit seinerzeit vielen Mooren und Sümpfen hatte der Fluss mehrere Arme. Der südliche Arm verlief etwa dort, wo heute die Talstraße (von 1883 bis 1898 Bahnstraße) verläuft, welche parallel zur Eisenbahnlinie von 1872 bis 1873 in Ost-West-Richtung angelegt wurde und heute die Grenze zwischen Eschweiler-Stadtmitte und Röthgen markiert.

Entstehung

Die Konzession zum Bau und Betrieb der Bergisch-Märkischen Eisenbahn auf der Strecke OdenkirchenHochneukirchJülichIndenWeisweilerEschweiler-Aue mit einer Gesamtlänge von 48,77 km wurde am 23. September 1870 erteilt.

Der Streckenabschnitt vom sich damals noch auf Eschweiler Gebiet befindlichen Bahnhof Stolberg (Rh.) nach Eschweiler-Aue wurde erst am 15. Oktober 1885 unter der Leitung der Aachener Industriebahn AG eröffnet und stand zuerst nur dem Güterverkehr zur Verfügung.

Im Zuge der Verstaatlichung wurden die Strecke Eschweiler-Aue–Weisweiler–Mönchengladbach 1882 und die Strecke Stolberg–Eschweiler-Aue 1884 Eigentum der Preußischen Staatseisenbahnen, die letztere Strecke wurde mit der Verstaatlichung auch für den Personenverkehr geöffnet. Andere Quellen sprechen hier vom 15. Oktober 1885. Die Preußischen Staatseisenbahnen waren es auch, die erstmals durchgehende Personenzüge von Stolberg (Rh.) nach Gladbach Hbf einführten.

Im Jahr 1920 ging der Betrieb auf die Deutsche Reichsbahn über, welche 1924 in die Deutsche-Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) umbenannt wurde.

1935 wurde das Gebiet des Bahnhofs Stolberg (Rh.) von der Stadt Eschweiler nach Stolberg ausgemeindet.

Nachkriegszeit

Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs konnte der Betrieb erst im Sommer 1945 wieder aufgenommen werden, wenig später (1949) ging der Betrieb an die Deutsche Bundesbahn über. In den 1950er Jahren wurde der Bahnhof Frenz für den Güterverkehr des Kraftwerkes Weisweiler in Betrieb genommen. In der Folgezeit sollte sich letzteres als der wichtigste Güterverkehrskunde der Strecke etablieren.

Bis zur Einstellung des Geschäftsbetriebes Anfang der 1970er Jahre wurden Braunkohlebriketts der Rheinbraun-Brikettfabrik Weisweiler Richtung Stolberg befördert. Im Güterverkehr wurden Dampflokomotiven der Baureihe 50 des Bahnbetriebswerkes Stolberg bis 1975 eingesetzt.

Ab den 1950er Jahren wurden die Personenzugleistungen von Dampfzügen auf Schienenbusse der Baureihen VT 95 und VT 98 umgestellt. In den letzten Betriebsjahren wurden die Personenzugleistungen mit Akkutriebwagen der Baureihe 515 erbracht.

Niedergang

Im Zuge der individuellen Motorisierung ging das Fahrgastaufkommen in den 1970er Jahren stark zurück. Mit dem Einsatz von Bahnbussen verlagerte die damalige Bundesbahn den öffentlichen Personenverkehr weg von der Schiene und reduzierte gleichzeitig auch den Betrieb auf der Talbahn. Ohnehin wurde der Gesamtstrecke mittelfristig wegen der drohenden Unterbrechung durch die beiden Tagebaue Inden und Garzweiler keine große Perspektive beigemessen.

So wurde am 1.Juni 1980 der Personenverkehr zwischen Jülich und Hochneukirch eingestellt, gleiches geschah mit dem Güterverkehr zwischen Ameln und Jülich am 15. Juli 1980; der Güterverkehr von Ameln nach Hochneukirch wurde erst am 1. Juni 1984 eingestellt.

Am 31. Mai 1981 wurden die Bahnhöfe Eschweiler-Röhe und Eschweiler-Aue aufgelassen, am 22. Mai 1983 wird auf dem Reststück der Talbahnlinie dann der gesamte Personenverkehr eingestellt.

Gegenwart und Zukunft

Gegenwärtig wird die Strecke im Güterverkehr mit Zügen für das Weisweiler Kraftwerk befahren. Motiviert durch den Aachener Verkehrsverbund wurde am 11. September 2004 der Abschnitt Stolberg Hauptbahnhof–Weisweiler auch für den Schienenpersonennahverkehr reaktiviert, um der Eschweiler Innenstadt bessere Verbindungen nach Aachen und Stolberg zu offerieren.

Derzeit wird eine Verbindungskurve von Weisweiler nach Langerwehe gebaut, die eine Durchbindung der Züge der Relation Heerlen–Aachen–Eschweiler Tal–Düren ermöglichen soll. Die Fertigstellung wird für das das erste Halbjahr 2009 erwartet.[1]

Streckenbeschreibung

Stolberg Hbf

Die Strecke hat ursprünglich ihren Ausgangspunkt im Eschweiler Stadtteil Aue und erst seit 1885 nach der Verlängerung im Stolberger Hauptbahnhof.

Eschweiler-Aue
Dreibogenbrücke
Eschweiler-Aue

Nach Stolberg Hbf befindet sich der nächste Bahnhof im Eschweiler Stadtteil Aue an der Phönixstraße gegenüber der Einmündung Auestraße. Er wurde am 1. Oktober 1873 eröffnet und am 30. Mai 1981 zusammen mit dem Haltepunkt Eschweiler-Röhe geschlossen. Während nach zwei Jahren Verspätung die ersten vier Eschweiler euregiobahn-Haltepunkte am 11. September 2004 in Betrieb genommen wurden, wird der geplante Haltepunkt Eschweiler-Aue trotz Bürgerproteste erst nach 2008 umgesetzt werden können. Sein Fahrkartenautomatenkode ist 3052.

Eschweiler-Röhe

Nach Unterquerung der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen unter der Dreibogenbrücke und Überquerung der Inde wird der ehemalige Haltepunkt Eschweiler-Röhe passiert. Dieser lag an der Ecke Röher Straße/Odilienstraße und bestand vom 18. Mai 1952 bis zum 30. Mai 1981.

Bei der Reaktivierung der Eschweiler Talbahnlinie durch die euregiobahn im September 2004 wurde kein Haltepunkt Eschweiler-Röhe mehr eingerichtet, anstelle dessen jedoch der neue Haltepunkt Eschweiler-West 800 m weiter östlich.

Eschweiler-West

Am 11. September 2004 wurde dieser völlig neu eingerichtete Haltepunkt eröffnet. Er befindet sich an der Steinstraße in der Nähe der Odilienstraße in Eschweiler-West in 700 m Entfernung vom Eschweiler Hauptbahnhof. Sein Fahrkartenautomatenkode ist 3054.

Eschweiler-Talbahnhof

Nun erreicht die Strecke den neben dem Bahnhof Jülich wichtigsten Zwischenhalt: den Bahnhof Eschweiler-Tal oder Talbahnhof, welcher in der südlichen Stadtmitte Eschweilers an der Kreuzung von Bismarckstraße und Rosenallee liegt.

Eschweiler Talbahnhof

Am 22. Mai 1983 verlor auch dieser Bahnhof durch die Einstellung des Personenverkehrs seine einstige Bedeutung. 1994 wurde in dem Bahnhofsgebäude das Kulturzentrum Talbahnhof Eschweiler mit Bistro, Kleinkunstbühne und Räumen für den Kunstverein und den Geschichtsverein eingerichtet.

Nachfolgebahnhof ohne das Bahnhofsgebäude, sondern mit westlich davon gelegenem neuen Kombibahnsteig, ist der euregiobahn-Haltepunkt Eschweiler-Talbahnhof/Raiffeisenplatz, welcher im Zuge der Reaktivierung des SPNV am 11. September 2004 eröffnet wurde. Gleichzeitig wurde der Platz vor dem Talbhanhof in Raiffeisenplatz umbenannt, weil die Raiffeisenbank Eschweiler an der Finanzierung maßgeblich beteiligt war.

Eschweiler-Nothberg

Nach Verlassen der Eschweiler Innenstadt erreicht man den 2004 neu gebauten Haltepunkt Eschweiler-Nothberg (in erster Planung Nothberg (Nord) genannt). Dieser Haltepunkt ist nicht mit dem Haltepunkt Nothberg (Fahrkartenautomatenkode 3056) auf der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen zu verwechseln, welcher am 15. März 1909 eröffnet wurde. Da Nothberg erst 1932 zur Stadt Eschweiler eingemeindet wurde, heißt der DB-Haltepunkt Nothberg und nicht Eschweiler-Nothberg.

Eschweiler-Weisweiler
Eschweiler-Weisweiler

Nachfolgend kommt der am 11. September 2004 zwei Jahre verspätet als euregiobahn-Haltepunkt Eschweiler-Weisweiler reaktivierte Stationsstandort Weisweiler. Derzeit wird vom Haltepunkt Eschweiler-Weisweiler aus eine Verbindungskurve zum Bahnhof Langerwehe errichtet, um Züge der Regionalbahn RB20 aus Richtung Aachen Hbf nach Düren durchbinden zu können.

Der Bahnhof Weisweiler wurde am 1. Oktober 1873 eröffnet und wie alle anderen Stationen an der Strecke am 22. Mai 1983 stillgelegt. Bahnhof und Bahnhofsgebäude lagen an der Hüchelner Straße südlich der Inde und somit unweit vom heutigen euregiobahn-Haltepunkt. 1972 wurde die Gemeinde Weisweiler nach Eschweiler eingemeindet. Am 22. Mai 1983 wurde die Talbahnlinie und somit der Haltepunkt Weisweiler für den Personenverkehr eingestellt. Mitte 2005 wurde das typische Bahnhofsgebäude wegen der als Umgehungsstraße neu gebauten B 264 abgerissen.

Frenz

Die heutigen Gleisanlagen (Stand: 2007) reichen noch bis zum Bahnhof von Frenz zur Bedienung des Kraftwerks Weisweiler im Güterverkehr. Dieser wurde 1998 umgebaut und erweitert. Der Haltepunkt Frenz lag am linken Ende der heutigen Prellböcke.

Frenz ist seit 1972 ein Ortsteil von Inden.

Inden

Das seit 2005 wegen des Tagebaus Inden abgerissene Dorf hatte am östlichen Ortsausgang einen Bahnhof. Der Bahnhof lag an der Straße Am Bahnhof, Nebenstraße der Bahnhofstraße. Nach einer langen Strecke ohne Halt östlich parallel zur Inde überquerte die Strecke zwischen Kirchberg und Altenburg die Rur und gelangte auf Jülicher Stadtgebiet.

alter Bf Jülich
Jülich

Der Streckenabschnitt Frenz–IndenJülich wurde nach der Stilllegung 1983 demontiert, ebenso der Abschnitt Jülich–Ameln, auf dem sich heute teilweise ein Radweg und eine Landesstraße befindet. Ebenso betroffen war der Abschnitt Ameln–Hochneukirch.

Welldorf

Die ehemalige Trasse ist in Jülich noch an einem vom Finkenweg abgabelnden Weg und am Weg zwischen Brunnenstraße und Stetternicher Straße zu erkennen. Die Trasse verlief dann zwischen Welldorf und Güsten hindurch. 1890 wurde Welldorf mit einem Haltepunkt an die Bahnlinie angeschlossen, und 1892 wurde ein Bahnhof anstelle des Haltepunktes errichtet und die Gleisanlagen erweitert. 1980 wurde der Bahnverkehr eingestellt. In Welldorf erinnert bis heute die Bahngasse daran. Das Bahnhofsgebäude musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. An dieser Stelle steht heute ein Einfamilienhaus.

Ameln

Der nächste Bahnhof war in Ameln, seit 1972 Ortsteil von Titz. Der Bahnhof lag im nördlichen Teil des Ortes an der Bahnstraße und bestand von 1881 bis zum 14. Juli 1980.

Titz

Da die Bahntrasse östlich der Ortschaft Titz in deutlichem Abstand vorbeifuhr, befand sich der Titzer Haltepunkt am äußersten Nordostende an der Landstraße Richtung Jackerath.

Immerath

Dieser Bahnhof befand sich außerhalb der eigentlichen Ortschaft Immerath (seit 1972 zu Erkelenz). Immerath erhielt erst 1897 einen Bahnhof an der Mühle und Ortsgrenze zu Jackerath. Am 1. Juni 1980 wurde die Strecke entgegen allen Protesten von der Bundesbahn stillgelegt und abgebaut. Der Bahnhof verlor daraufhin seine Funktion, wurde jedoch nicht abgerissen und befindet sich heute in Privatbesitz.

Otzenrath

Wegen des Tagebaus Garzweiler werden einige Ortschaften zwischen Ameln und Hochneukirch in den 2000er und 2010er Jahren abgebaggert:

Der nächste Bahnhof war Otzenrath (heute zu Jüchen). Er lag am südöstlichen Ortsausgang an der Bahnstraße in unmittelbarer Nähe zur A 44. Rangieranlagen lagen bei Pesch. Im Unterschied zu den benachbarten Dörfern war das alte Otzenrath industriell geprägt. Am 1. Oktober 1873 erhielt Otzenrath einen Bahnhof. Die 1882 verstaatlichte Strecke war bis zur Stilllegung am 1. Juni 1980 in Betrieb. Otzenrath (samt Bahnhof) wurde 2006 abgerissen.

Hochneukirch

Der Bahnhof Hochneukirch am östlichen Ortsrand wird durch die Bahnhofstraße mit der Ortsmitte verbunden. 1873 erhielt der Ort eine Schienenanbindung, 1889 wurde die Eisenbahnlinie dem Verkehr übergeben. 1911 wurde eine Eisenbahnbrücke zwischen Hochneukirch und Hackhausen gebaut. Sie wurde 1988 abgerissen und durch eine neue Stahlbetonbrücke ersetzt. 1987 wurde der Güterverkehr eingestellt und die Gleise der Talbahnlinie nach Jülich zurückgebaut. Heute gibt es noch zwei Gleise nach Mönchengladbach und Köln.

Quellen

Einzelnachweise

  1. http://www.dieeuregiobahn.de/wDeutschcss/pages/05_news_und_infos/pressemitteilungen/spatenstich.php