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Tijuana Moods

Charles Mingus – Tijuana Moods
Veröffentlichung

1962

Label

RCA

Format(e)

LP, CD

Genre(s)

Jazz

Anzahl der Titel

5

Laufzeit

35:15 (LP)

Besetzung
Produktion

Bob Rolontz

Studio(s)

RCA Victor´s Studio A, New York City

Chronik
Oh Yeah
(1961)
Tijuana Moods The Black Saint and the Sinner Lady
(1963)

Tijuana Moods ist ein Jazzalbum von Charles Mingus, das 1957 aufgenommen, aber erst 1962 veröffentlicht wurde. Weber und Filtgen gehen davon aus, dass RCA das Album damals als zu avanciert erschien (1962 hatte sich die Jazzwelt dann schon völlig gewandelt und auch Mingus Schaffen war allgemein anerkannt). Möglicherweise lagen auch Vertragsstreitigkeiten vor[1].

Inhaltsverzeichnis

Hauptteil

Die Stücke geben die Eindrücke eines Trips von Mingus mit seinem Schlagzeuger (und Schüler) Danny Richmond in die mexikanische Grenzstadt zu Kalifornien Tijuana wieder. Mingus wollte die Trennung von seiner Frau und Managerin Celia vergessen („a very blue period in my life“) und stürzte sich in das Vergnügungsviertel - nach eigenen Worten im Wettstreit mit Richmond, für den das alles ziemlich neu war (Mingus: „Danny lost- he was very hungry, I was starved“). Richmond: Mingus wollte Gangster, Musiker, Zuhälter, Liebhaber in einer Person sein. Mingus fasst in seinen Liner Notes zusammen: Tequila-Wine-Woman-Song-and-Dance.

Dizzy Moods beruht auf Dizzy Gillespies Wood´ n You von 1943 und wurde von Mingus (Liner Notes) auf dem Hinweg nach Tijuana in froher Erwartung des Kommenden im Auto skizziert. Auf dem Alternate Take ist das im Original beschnittene Drum Solo von Richmond.

Ysabel´s Table Dance schildert eine Nachtclubszene einschließlich (Striptease-) Tänzerinnen, dargestellt im treibenden Flamenco-Rhythmus mit Kastagnetten-Einlagen. Eingestreut sind Free Jazz-artige Gruppenimprovisationen. Mingus lässt seinen Bass zeitweise wie Gitarren und Violinen (am Anfang mit Streichbogen) klingen.

Das kurze Zwischenspiel Tijuana Gift Shop erinnert nach Mingus an einen Wandteppich, den er in einem dortigen Mitbringsel-Laden erwarb.

Los Mariachis schildert die Straßenmusiker, die den Touristen folgen und in Erwartung von Trinkgeld die Stücke spielen, die ihrer Meinung nach Gefallen finden - in diesem Fall z.B. eine Calypso Nummer und (nach Mingus ein ziemlich steifer) Blues.

Flamingo ist ein Swing-Standard, auf dem Mingus in verhaltenem Tempo seinem großen Vorbild Duke Ellington seine Referenz erweist und der nach seinen Liner Notes die Erinnerung New Yorks (der „wild city“) in der Ferne heraufbeschwören soll. Mingus lässt am Schluss noch am Bass den Flamenco aus Ysabels Table Dance anklingen. Knepper und Shaw sind mit Solos zu hören (Shaws Solo wird extra von Mingus in den Liner Notes hervorgehoben).

Auf seinen Liner Notes 1962 erweist Mingus zunächst seinen Mitmusikern seine Referenz, die er als eine der größten Musiker bezeichnet, mit denen er je gespielt habe. An erster Stelle den Trompeter Clarence Shaw, den er als idealen musikalischen „Gesprächspartner“ (conversationalist) bezeichnet („er wußte wann er schweigen sollte“), aber schon damals (1962) nicht mehr auffinden konnte und nur auf Gerüchte verweist, er wäre als Hypnotiseur tätig. Shaw machte 1957 noch zwei Aufnahmen mit Mingus, verschwand dann aber von der Szene. Mit Richmond, den er erst kurz zuvor kennengelernt hatte (allerdings nicht ein paar Wochen, wie er schreibt, sondern schon ein gutes halbes Jahr), als er ihn in einem Club mitten in der Aufführung für Willie Jones am Schlagzeug (eigentlich war er bis dahin Tenorsaxophonist) einspringen ließ, der dem Tempo nicht mehr folgen konnte, fand Mingus den idealen Rhythmusgruppen-Partner. Sie verstanden sich später so gut, dass ein kurzer Blickkontakt auf der Bühne zur Verständigung über die Steuerung des Improvisationsgerüsts reichte. Außerdem wurde er ein enger Freund von Mingus, der - wie er zufrieden in einem Interview bekannte- „alles zusammenhielt“.

Mingus war 1962 sichtlich stolz auf das Album („This is the best record I ever made“ als Überschrift in den Liner Notes, auch bestätigt durch Erinnerungen seines Freundes Nat Hentoff[2]). Heute ist es eines seiner beliebtesten Alben und ähnlich wie Sketches of Spain bei Miles Davis ein guter Einstiegspunkt für Hörer, die Mingus noch nicht kennen.

Albumstücke und Editionen

  1. Dizzy Moods (5:47, alternate take 8:17)
  2. Ysabel´s Table Dance (10:24)
  3. Tijuana Gift Shop(3:44, alternate take 4:39)
  4. Los Mariachis (10:18, alternate take 12:23)
  5. Flamingo (5:31, alternate take 6:37)

(Angaben nach RCA/BMG France 1994 (BM 720 - 74321257702) mit alternate takes, außer für Ysabels Tabel Dance).

Alle Kompositionen von Charles Mingus, außer Dizzy Moods, das auch Dizzy Gillespie zugeschrieben ist, und Flamingo (E.Anderson, T.Grouya).

Die Stücke wurden am 18. Juli und am 6. August 1957 in den RCA Victor Studios in New York aufgenommen; Studioingenieur war Bob Simpson.

Das Original erschien 1962 bei RCA-Victor (LSP 2533). Neu aufgelegt wurde das Album als Mexican Moods 1979 bei Camden/Pickwick. Mit den Alternate Takes ist das Album auch als New Tijuana Moods (Bluebird 5635-1-RB) auf zwei LP 1986 veröffentlicht worden (mit einem Alternate Take von 13 Minuten für Ysabels Table Dance), wobei die ursprünglichen Stücke auch neu editiert wurden. In einer 2 CD Ausgabe bei RCA (2001, Bluebird 09206-63840-2) ist neben diesen Stücken weiteres Material enthalten, u.a. auch abgebrochene „takes“ [3]; zusätzlich gibt es den von dem Schriftsteller Lonnie Elder gesprochenen Mingus-Text „A colloquial dream“, den Mingus im selben Jahr 1957 (als Scenes in the City) von dem afroamerikanischen Schauspieler Mel Stewart nochmals aufnehmen ließ (A Modern Jazz Symposium of Music and Poetry, Bethlehem 1957, Branford Marsalis benannte danach sein Debut-Album Scenes in the City 1983). Der Text reflektiert über die Härten des Lebens in der Großstadt New York und der Rolle des Jazz als Ausflucht. Die Credits für Lonnie Elder im Original werden durch diese Neuveröffentlichung verständlicher.

Erwähnenswertes

Die Kastagnetten in Ysabel's Table Dance werden Dunlop zugeschrieben; Ysabel Morel wird in den Credits erwähnt, weil sie während der Aufnahme den Flamenco mit den Händen klatschte.[4]

Hadi spielt entgegen den Credits neben Alt- (in Dizzy Moods) auch Tenorsaxophon.

Das Original-Cover zeigt ein den Rock schürzendes mexikanisches Mädchen vor einer Jukebox. Im Original erschien das Album auch unter dem Namen „Charlie Mingus“ (statt „Charles“), eine Vertraulichkeit, die Mingus gar nicht schätzte (er selbst bevorzugte die Anrede Mingus).

Neben den Liner Notes von Mingus (1962) sowie Martin Williams, der Mingus auf dem Weg „vom Jazz zur Konzertmusik“ sah, gibt es bei der Neuauflage von RCA solche von Nat Hentoff.

Von der Entstehungszeit her (nicht nach Erscheinen) ist das Album zwischen The Clown (aufgenommen Februar/März 1957) und einer Trio-Aufnahme mit Hampton Hawes und Richmond 1957 einerseits und The Jazz Experiments of Charles Mingus und East Coasting (1957, ebenfalls mit Shaw) andererseits einzuordnen.

Weblinks und Literatur

Quellen

  1. Legacy Recordings
  2. Liner Notes zur Neuauflage bei RCA/BMG
  3. Angaben Tijuana Moods 2001 BMG
  4. vgl. Angaben Tijuana Moods 2001