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Kaltwassergeysir

Ein Kaltwassergeysir ist eine besondere Form von künstlichen Kohlensäurequellen (gas-artesischer Brunnen), die wie echte Geysire ihr Wasser in mehr oder minder regelmäßigen Abständen als Fontäne ausstoßen. Die treibende Kraft für den Wasserausstoß ist aufperlendes Kohlendioxid. Der Mechanismus ist vergleichbar mit dem Aufschäumen von Mineralwasser aus einer Mineralwasserflasche beim Öffnen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Voraussetzung für einen Kaltwassergeysir ist Kohlendioxid, das durch vulkanische Vorgänge ins Grundwasser abgegeben wird und dort in gelöster Form vorliegt. Das Grundwasser reichert sich zunehmend mit Kohlendioxid an, bis es keines mehr aufnehmen kann. Im Normalfall wird das Kohlendioxid daraufhin von der Grundwasseroberfläche langsam und regelmäßig freigegeben und sucht sich seinen Weg durch das überlagernde Erdreich, um entweder großflächig verteilt an der Erdoberfläche auszutreten oder an einigen eng begrenzten Stellen als Mofette.

Für die Entstehung eines Kaltwassergeysirs ist wie bei echten Geysiren ein eng begrenzter Aufstiegskanal für den Wasserausstoß nötig. Dieser ist in der Regel künstlich und entsteht, wenn das kohlendioxidhaltige Grundwasser angebohrt wird und die Bohrung verrohrt wird. In diesem Eruptionskanal hat das Grundwasser eine direkte Verbindung zur Oberfläche.

Der Eruptionsmechanismus eines Kaltwassergeysirs geht bei Vorliegen dieser Voraussetzungen darauf zurück, dass die Löslichkeit des Kohlendioxids bei Abnahme des Wasserdrucks ebenfalls abnimmt. Die freie Wasseroberfläche in der Bohrung bietet dem Kohlendioxid bei Erreichen der Lösungsgrenze die Möglichkeit, ungehindert auszuperlen. Dies setzt den Druck herab, so dass weiteres Kohlendioxid freigesetzt wird und das Wasser zu sprudeln beginnt. Der Prozess verstärkt sich so weit, dass das Wasser schließlich aufsteigt und in Abhängigkeit vom Durchmesser der Bohrung und dem Angebot an Kohlendioxid als Schwall oder Fontäne aus der oberen Öffnung austritt. Der Kohlendioxidgehalt im Grundwasser nimmt durch den Gas- und Wasseraustritt ab, bis die Reaktion zum Erliegen kommt. Im Anschluss an die Eruption beginnt der Prozess von Neuem. Dieser Ablauf kann durch das Verschließen des Bohrlochs gesteuert werden.

Vorkommen

Kaltwassergeysire gibt es besonders in passiven Vulkangebieten, wie der Vulkaneifel, wo austretendes vulkanisches Kohlendioxid Mofetten und damit Kaltwassergeysire ermöglicht. Die meisten Kaltwassergeysire werden bei der Erschließung von Mineralwässern angetroffen, in Deutschland etwa in Andernach sowie am Nordende des Oberrheingrabens zwischen Bad Nauheim[2] und Wiesbaden.

In Deutschland sind vor allem die Kaltwassergeysire der Eifel touristisch erschlossen. In Wallenborn ist der Wallende Born (volkstümlich: der Brubbel genannt) ein aktiver Kaltwassergeysir (Ausbruch etwa alle 35 Minuten (IBE), Dauer der Eruption etwa 5 Minuten, Ausbruchshöhe bis zu 4 m, springbrunnenartig). Der wesentlich größere Kaltwassergeysir Andernach liegt auf dem Namedyer Werth bei Andernach (Ausbruch bei natürlichem Betrieb etwa alle 90 Minuten, Höhe der Fontäne 50 bis 60 m, düsenartig). Dieser Kaltwassergeysir wurde aus Gründen des Naturschutzes mit einem Ventil versehen und wurde bis Juli 2004 nur zur Druckentlastung zu nicht veröffentlichten Zeiten geöffnet. Seit Anfang Mai 2005 haben sich die Stadt sowie der Widerspruchsführende BUND darauf geeinigt, mit zusätzlichen Ausgleichsmaßnahmen eine touristische Erschließung möglich zu machen.[1] Baubeginn für die Infrastrukturmaßnahmen war August 2005, eine Eröffnung für Touristen besteht seit 2006. An Samstagen und Sonntagen wird die Namedyer Werth von Andernach aus mit einem Schiff angefahren, dort besteht die Möglichkeit, während einer Führung die Fontäne des Kaltwassergeysirs zu besichtigen. Auch das Rheinschiff „La Paloma“ fährt mehrfach im Jahr während einer halbtägigen Tour von Spay aus über Braubach, Rhens, Lahnstein und Koblenz zum Geysir.

In der Slowakei existiert neben dem Geysir in Herľany bei Košice (Kaschau)[3] – Intervall 32 bis 34 Stunden, Dauer der Eruption etwa 25 Minuten, Ausbruchshöhe 20 bis 30 m, düsenartig – mit dem Sivá Brada ein nur schwach tätiger weiterer Kaltwassergeysir in der Nähe von Spišské Podhradie.[4]

Die Kaltwassergeysire der USA befinden sich vorwiegend im Südosten Utahs, bekannt sind der Crystal Geyser bei Green River (Utah) und der Woodside Geyser (Intervall etwa 20 Minuten).[5] Ein weiterer bekannter Kaltwassergeysir in den USA befindet sich in Soda Springs, Idaho (künstliches Intervall durch Zeitschaltuhr und Ventil: 1 Stunde, natürliches Intervall: unbekannt, Ausbruchshöhe 30 m). Der Kaltwassergeysir wird nur geöffnet, wenn der Wind so steht, dass die nahebei befindlichen Gebäude und Geschäfte nicht durchnässt werden.[6]

Siehe auch

Weitere postvulkanische oder mit Thermalquellen in Zusammenhang stehende Erscheinungen:

Einzelnachweise

  1. a b Fontäne unter Verschluss, von Stefan Schmitt, DIE ZEIT, 19.05.2004, Nr.22. Abgerufen am 10. März 2008
  2. Kümmerle, E.: Erläuterungen zur geologischen Karte von Hessen 1:25.000. Blatt Nr. 5618 Friedberg 247 S., Hessisches Landesamt für Bodenforschung, Wiesbaden 1976. S. 102ff
  3. Geysir in Herľany, ausführliche Information der slowakischen Zentrale für Tourismus. Abgerufen am 8. März 2008
  4. Der Geysir auf Sivá Brada, ausführliche Information zu Entstehung und Beschaffenheit des Geysirs bei der slowakischen Zentrale für Tourismus. Abgerufen am 8. März 2008
  5. Glennon, J.A. (2005): Carbon Dioxide-Driven, Cold Water Geysers, University of California, Santa Barbara. Einstellungsdatum 12. Februar 2004, letztes Update 6. Mai 2005. Abgerufen am 8. März 2008
  6. Largest Man-made Geyser, Soda Springs, Idaho, Webseite des alternativen Online-Reiseführers RoadsideAmerica.com. Abgerufen am 8. März 2008