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Waltershausen

Dieser Artikel behandelt die Stadt Waltershausen in Thüringen; zum Ort Waltershausen im Landkreis Rhön-Grabfeld siehe Saal an der Saale.
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 54′ N, 10° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Höhe: 320 m ü. NN
Fläche: 31,33 km²
Einwohner: 11.107 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 355 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99880
Vorwahl: 03622
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 072
Stadtgliederung: Stadt und 3 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Markt 1
99880 Waltershausen
Webpräsenz:
www.waltershausen.de
Bürgermeister: Michael Brychcy (CDU)

Waltershausen ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Gotha im Freistaat Thüringen (Deutschland). Sie liegt zwischen dem Thüringer Becken im Nordosten und dem Thüringer Wald im Südwesten.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Waltershausen liegt am Übergang vom Thüringer Becken zum Thüringer Wald, deshalb wird Waltershausen gelegentlich als "Tor zum Thüringer Wald" bezeichnet. Der Große Inselsberg liegt nur wenige Kilometer entfernt.

Stadtgliederung

Es existieren drei Ortsteile (Wahlwinkel, Schnepfenthal und Langenhain) sowie ein Stadtteil (Ibenhain).

Geschichte

Der Ort entwickelte sich an der Kreuzung der alten Salzstraße von Salzungen nach Erfurt und von Eisenach nach Saalfeld. Zusätzlich bot die 1176 erstmals erwähnte Burg Tenneberg (siehe Bauwerke) Schutz für die Stadtbewohner. Eine weitere Begünstigung für den Standort war die Engstelle zwischen dem Burgberg und dem Ziegenberg, die der gesamte Verkehr passieren musste, da der Wald sehr unwegsam war.

Die Stadt selbst wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt unter dem Namen „Ulricus,villicius de Waltherißhusin“. Die Stadt gehört zur Grafschaft Mühlburg (in einer Urkunde von 1293 erwähnt) und stand unter der Lehnshoheit des Erzbistums Mainz. Damals war sie bereits im Besitz der Stadtrechte.

Waltershausen hat eine im Jahr 1815 begründete Tradition als Puppenstadt. Es entstanden im 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Spielzeug- und Puppenfabriken. Die Thüringerwaldbahn wurde 1929 nach Waltershausen verlängert und verbindet die Stadt seitdem mit Tabarz im Südwesten und Gotha im Nordosten.

Anfang der 1930er Jahre lebten in Walterhausen neun jüdische Familien, die alle durch Emigration und Deportation ihrer Heimat beraubt wurden. Eine einzige Frau überlebte das KZ Theresienstadt und lebte ab 1945 in Eisenach. Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 600 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten bei technischen Firmen, im Ade-Werk, in der Thüringer Schlauchweberei und anderen Firmen. Auf dem Friedhof von Waltershausen erinnern zahlreiche Gräber an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Auf dem Platz der Pariser Kommune erinnert ein Mahnmal an 16 Opfer aus Frankreich.[2]

Die industrielle Fertigung von Puppen endete 1990. Die Waltershäuser Puppenmanufaktur stellte bis vor kurzem noch gelegentlich Puppen her. Es handelte sich dabei um Sammlerpuppen, die sehr hohen ästhetischen Ansprüchen Rechnung tragen. Die Puppenstadt existiert lediglich noch als Erinnerung im Museum der Stadt weiter.

Religionen

Es gibt in Waltershausen und allen Ortsteilen insgesamt sieben christliche Kirchen und Kapellen. Die mit Abstand die größte ist die evangelische Stadtkirche. Außerdem existieren in den Ortsteilen Schnepfenthal, Langenhain und Wahlwinkel evangelische Kirchen und im Stadtteil Ibenhain eine Kapelle. Weiterhin gibt es noch eine Schlosskapelle auf Schloss Tenneberg, die früher katholisch war, heute aber eine evangelische Kirche ist. Eine katholische Kirche wurde im 20. Jahrhundert neu eingerichtet.

Eingemeindungen

1950 wurden Schnepfenthal, Langenhain und Wahlwinkel eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1834 bis 1960

  • 1834 - 2.755
  • 1933 - 8.951
  • 1939 - 9.498
  • 1946 - 11.558 1
  • 1950 - 14.963 2
  • 1960 - 13.365

1981 bis 1997

  • 1981 - 13.766
  • 1984 - 14.288
  • 1994 - 12.272
  • 1995 - 12.164
  • 1996 - 12.058
  • 1997 - 11.998

1998 bis 2003

  • 1998 - 11.956
  • 1999 - 11.845
  • 2000 - 11.725
  • 2001 - 11.532
  • 2002 - 11.501
  • 2003 - 11.475
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August

Politik

Bürgermeister ist Michael Brychcy (CDU).

Stadtrat

Städtepartnerschaften

Bruay-sur-l’Escaut Frankreich (Département Nord) seit 1965
Korbach, Deutschland (Hessen) seit 1990
Wolbrom , Polen (Woiwodschaft Kleinpolen) seit 2000
Budapest, 16.Bezirk, Ungarn, seit 2003

Eine Städtefreundschaft besteht zu:

Hanau, Deutschland (Hessen) seit 1990

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

1176 wurde Schloss Tenneberg das erste Mal als Burg der Thüringer Landgrafen erwähnt, mehrfach umgebaut, erhielt es im frühen 18. Jahrhundert seine im Wesentlichen endgültige Gestalt. Durch verschiedene Nutzungen in der Zeit danach sind die meisten Barockräume verloren gegangen, jedoch nicht der Festsaal (1719), das barocke Treppenhaus (1718) und die Schlosskapelle (1721).

Sport

In Waltershausen gibt es viele Sportvereine. Im Karate konnten von Sportler von Bushido Waltershausen zahlreiche Titel auf nationaler und internationaler Ebene gewinnen. Im Tischtennis ist Waltershausen als Ausrichter von Turnieren auf Landes- und Bundesebene bekannt. Ein weiterer Verein ist die ZSG Waltershausen mit insgesamt 12 Abteilungen.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr findet an den Tagen rund um den Himmelfahrtstag das Stadtfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Waltershausen liegt an der Autobahn A 4 Frankfurt am MainDresden und besitzt eine eigene Anschlussstelle (41a Waltershausen). Der Süden des Stadtgebiets wird von der Bundesstraße 88 tangiert. In Waltershausen selbst beginnen Landstraßen nach Friedrichroda, Georgenthal, Gotha, Hörselgau, Teutleben (zur B 7) und Langenhain.

Ferner hat die Stadt einen Bahnhof an der Regionalbahnlinie FröttstädtFriedrichroda (Friedrichrodaer Bahn, seit 1848). In der Stadt verkehrt außerdem eine Straßenbahnlinie vom Bahnhof zum Gleisdreieck mit 5 Haltestellen. Dort schließt sie an die Linie der Thüringerwaldbahn (deren Anteilseigner die Stadt Waltershausen ist) von Gotha nach Tabarz an.

Ansässige Unternehmen

Ein bis heute wichtiger Betrieb in der Stadt ist die Multicar Spezialfahrzeuge GmbH, ein Unternehmen mit 80jähriger Tradition, das sich auf die Herstellung kompakten Spezialtransportern und Geräteträgern spezialisiert hat. Fahrzeuge von Multicar werden heute in zahlreichen Kommunen als Allzweck-Kleintransportfahrzeuge eingesetzt.

Die Herstellung von Gummiartikeln war und ist ebenfalls ein Hauptindustriezweig. Aus mehreren Firmen ging nach 1945 der VEB Gummiwerke („Kowalit“) hervor. Im Stadtgebiet gab es zwei Betriebsteile, in denen verschiedene technische Gummiwaren und Kleinbereifung hergestellt wurden. Nach 1990 wurde die Firma von der Phoenix AG übernommen. Einige kleinere Betriebe dieser Branche wurden neu gegründet und etablierten sich z.B. Gummidichtungstechnik Automative GTA.


Bildung

Es gibt eine Regelschule, zwei Grundschulen und eine Förderschule. Im Ortsteil Schnepfenthal befindet sich die Salzmannschule, ein Spezialgymnasium für Sprachen mit Internat.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten

Literatur

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 104f., ISBN 3-88864-343-0
 Commons: Waltershausen – Bilder, Videos und Audiodateien