Heim

Robert Schumann

Dieser Artikel behandelt den deutschen Komponisten Robert Schumann; zum ähnlich geschriebenen französischen Politiker siehe Robert Schuman.

Robert Schumann (* 8. Juni 1810 in Zwickau; † 29. Juli 1856 in Endenich bei Bonn, heute ein Ortsteil des gleichnamigen Stadtbezirks der Bundesstadt Bonn) war ein deutscher Komponist und Pianist der Romantik (der öfter angegebene zweite Vorname Alexander ist nicht belegt). Er war der Ehemann von Clara Schumann, geborene Wieck.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Robert Schumann war der Sohn des Buchhändlers und Verlegers August Schumann (1773–1826). Er erhielt bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht, studierte 1828–30 ohne große Neigung Jura in Leipzig und Heidelberg, in Wahrheit aber widmete er sich bereits ganz der Musik und begann auch zu komponieren.

Neben Unterricht in Klavier (bei Friedrich Wieck, dem Vater seiner späteren Frau) und Musiktheorie trieb er eigene Studien anhand von Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier. Eine Fingerzerrung vereitelte zwar die Virtuosenlaufbahn; es entstanden aber weitere frühe Kompositionen. Auf Jahre hinaus veröffentlichte er nur Werke für Klavier.

1840 heiratete Schumann gegen den Widerstand Friedrich Wiecks dessen Tochter Clara; im selben Jahr komponierte er eine große Anzahl meisterhafter Lieder.

1834 gründete Schumann die „Neue Zeitschrift für Musik“, in der die teilweise realen, teilweise erfundenen „Davidsbündler“ (Eusebius, Florestan u.a.) für eine hohe, „poetische“ Musik stritten. In seinem romantisch-idealistischen Künstlertum aufrichtig und entschieden, war Schumann durch sein immer stärker nach innen gewandtes Wesen als Lehrer und Dirigent wenig erfolgreich, als Komponist zunächst kaum bekannt.

1843 kam er durch Felix Mendelssohn Bartholdy ans Leipziger Konservatorium, 1844 als Chorleiter nach Dresden.

1850 wurde er Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf (hier besuchte ihn 1853 der junge Johannes Brahms), war dort jedoch nach einiger Zeit Demütigungen und Intrigen ausgesetzt.

Eine schon in jungen Jahren gelegentlich sich ankündigende seelische Krise wurde bisweilen als Psychose im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung gedeutet, die 1854 nach einem Selbstmordversuch vollends zum Ausbruch gekommen sei. Krankenakten aus der Heilanstalt Endenich lassen dagegen einen Zusammenhang zwischen Schumanns Nervenleiden und einer frühen Syphilis vermuten.[1] Schumann starb 1856 in Endenich.

Die frühen Jahre

Jugendzeit

„Mir träumte, ich wäre im Rhein ertrunken.“ Diesen Satz notierte Schumann im Alter von 19 Jahren in sein Tagebuch, in einer Zeit, in der er nicht ahnen konnte, dass es ihn später einmal beruflich ins Rheinland verschlagen würde – und dass er dort mit einem Sprung in den Rhein einen Selbstmordversuch unternehmen würde.

Schon früh schrieb Schumann viel – nicht nur Tagebuch. Neben seiner künstlerischen Neigung zum Klavierspiel (seine Mutter Christiane galt als sehr musikalisch, ohne jedoch ein Instrument zu beherrschen) galt seine große Liebe der Literatur, die durch seinen Vater geprägt war: August Schumann, der sich als „homme de lettres“ verstand, verfasste Romane, erwarb sich überregional einen großen Ruf als Übersetzer englischsprachiger Autoren und führte ab 1807 gemeinsam mit seinem Bruder die Verlagsbuchhandlung „Gebrüder Schumann“ in Zwickau, die für die Förderung allgemeiner Bildung durch Herausgabe von Klassikern aller Nationen im Taschenbuchformat bekannt war. Er soll über eine große Privatbibliothek verfügt haben, die die klassische Literatur aus aller Welt vereinigte. Seine ältesten Söhne gingen später alle ins Verlagsgeschäft, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der jüngste – Schumann hatte vier Geschwister: Emilie (1796), Eduard (1799), Carl (1801) und Julius (1805) – ebenfalls in seine Fußstapfen zu treten versuchte und als Jugendlicher nicht nur Kompositionen, sondern auch Aufsätze, Gedichte und Romanfragmente sowie selbstkritische Texte verfasste. Besonders prägten ihn die romantischen Schriftsteller, ganz besonders Jean Paul.

August Schumann unterstützte auch die musikalischen Ambitionen seines Sprösslings. Eigens für ihn schaffte er einen Flügel an, hörte gern seinem Spiel zu, bemühte sich sogar darum, wenn auch vergebens, ihm Klavierunterricht bei Carl Maria von Weber geben zu lassen. „Ich genoss die sorgfältigste und liebevollste Erziehung“ notierte Robert Schumann später.

1826 starb August Schumann im Alter von 53 Jahren. Er hinterließ seiner Familie ein kleines Vermögen, Roberts Anteil hieran wurde von einem Vormund, dem Zwickauer Tuch- und Eisenwarenhändler Gottlob Rudel verwaltet. Schumanns Schulausbildung war umfassend. Er lernte Latein, Griechisch und Französisch und galt als außergewöhnliches Sprachtalent. Seine musikalische Ausbildung blieb indessen (bis 1828) nahezu dilettantisch. Da er besser Klavier spielte als sein Lehrer, empfahl dieser ihm das Selbststudium, was Schumann durch den Besuch von musikalischen Aufführungen und dem Lesen von Partituren und Klavierauszügen von Orchesterwerken umzusetzen suchte. Als Jugendlicher gründete er ein Schulorchester, daneben auch einen literarischen Verein, in welchem er mit Mitschülern verschiedene Werke, unter anderem auch acht Dramen von Friedrich Schiller in verteilten Rollen las. Wie ernst es ihm damit war, spiegelt die von ihm entworfene Vereinssatzung wider: Sie sah für „unschickliches Lachen“ während der Lesungen Geldstrafen vor.

Das Abitur machte Schumann mit dem zweitbesten Prädikat „omnino dignus“. Derweil hatte seine Mutter gemeinsam mit dem Vormund entschieden, dass Schumann Rechtswissenschaften studieren solle, da beide in seinem Hang zur Kunst und vornehmlich zur Musik keine Zukunft sahen. Schumann fügte sich dem Wunsch und schrieb sich am 29. März 1828 an der Leipziger Universität als Jurastudent ein.

Ungeliebtes Studium

Leipzig, mit damals rund 41.000 Einwohnern nach Dresden die zweitgrößte Stadt Sachsens, ließ Schumann nicht unbeeindruckt: Stadt der Messen, des Buchhandels und des Buchdrucks; renommierte Verlage wie Brockhaus, Reclam und Breitkopf & Härtel hatten hier ihren Sitz. Das Leipziger Gewandhausorchester brillierte mit Aufführungen, wie Schumann sie nie erlebt hatte. Er schrieb seiner Mutter, er „gehe regelmäßig in die Kollegien“ und verbrachte seine Zeit mit Musik, Schreiben und Lesen, besuchte zwischenzeitlich philosophische Vorlesungen, verbrachte aber auch manchen Vormittag im Schlafrock bei „lyrischer Faulenzerey“. Einen Hörsaal mit juristischen Veranstaltungen hat Schumann in Leipzig wohl nie betreten. Manchmal plagte ihn das schlechte Gewissen, worüber seine Tage- und Jahrbücher Rechenschaft geben:

„Es überläuft mich eiskalt, wenn ich denke, was aus mir werden soll.“ Und später:
„Schwach will ich und darf ich nicht sein. Wenn der Mensch nur will – er kann ja ALLES.“

Im selben Jahr begegnete Schumann im Haus eines kunstliebhabenden Professors dem Mann, der sein Leben verändern sollte: Friedrich Wieck. Wieck, der ursprünglich Theologie studiert hatte, hatte sich als außergewöhnlicher Klavierpädagoge einen Ruf erworben. Sein Konzept, das sich zwischen praktischer Unterweisung am Instrument und musiktheoretischer Ausbildung bewegte, hatte er an seiner Tochter Clara nicht nur erfolgreich erprobt, sondern sogar bewiesen. Schumann beschloss, sich in Sachen musikalischer Fortbildung in seine Hände zu begeben. Doch es fehlte an entscheidenden Grundlagen sowohl beim Pianistenhandwerk wie auch in der Kompositionstechnik. Die Enttäuschung war groß, Schumann ließ sich immer häufiger bei Wieck entschuldigen und kam schließlich gar nicht mehr zum Unterricht.

Weil er dem „fatalen Schlendrian“ in Sachen Berufsausbildung ein Ende bereiten wollte, ging Schumann für zwei Semester nach Heidelberg, um sich endlich ernsthaft dem Jura-Studium zu widmen. Er schloss sich dem Corps Saxo-Borussia an, fachlich erwies sich der Ortswechsel jedoch als vertane Zeit. Unter den dort amtierenden Professoren konnte ihn nur der Jurist Thibaut faszinieren, weil dieser – selbst hochmusikalisch – in seinem Haus regelmäßig Musikabende insbesondere mit Werken von Palestrina und Georg Friedrich Händel veranstaltete. Und weil in dieser Zeit eine Reise nach Italien aus seiner Sicht einfach lebensnotwendig war, rang Schumann seiner Mutter die Mittel dafür ab. „Italien, Italien, summte mir’s von Kindesbeinen um mein Herz“ schrieb er ihr. Was ihn dort hinzog, war „das ganz tolle, bewegsame, lebendige Leben“. Er wollte die „weißen glänzenden Städte“, „die Orangendüfte, südliche Blumen“ und natürlich die „Italiänerinnen mit den feurig-schmachtenden Augen“ kennenlernen. Er besuchte die Mailänder Scala und war beeindruckt, aber insgesamt vermochte er der italienischen Musik und insbesondere der von Gioachino Rossini nichts abzugewinnen.

Umkehr

Wieder nach Heidelberg zurückgekehrt, schrieb Schumann nach langem inneren Ringen am 30. Juli 1830 seiner Mutter, dass er beabsichtige, den Beruf eines Musikers zu ergreifen. „Folg ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube zum rechten Weg.“ Innerhalb von sechs Jahren wollte er „mit jedem anderen Klavierspieler wetteifern.“ Auf sein Bitten hin wandte sich die Mutter „mit Zittern und innerer Angst“ an Friedrich Wieck, denn aus ihrer Sicht hätte Robert die Pianistenlaufbahn schon zehn Jahre früher anfangen müssen, um damit das „Brot fürs Leben“ zu verdienen. Schon nach zwei Tagen erhielt sie Antwort. Wieck versprach, Schumann innerhalb von drei Jahren zu einem der größten Klavierspieler zu bilden, der geistreicher sei als Ignaz Moscheles und großartiger als Johann Nepomuk Hummel. Allerdings verband er dies mit der Bedingung, dass Schumann seine „zügellose Phantasie und seinen schwankenden Sinn“ bezwinge und regelmäßig zum Unterricht erscheine. Schumann, voller guter Vorsätze für seine Zukunft, ging somit zurück nach Leipzig und bezog dort zunächst ein Zimmer im Hause Wiecks.

Ende der Pianistenlaufbahn

Dem Anfang einer vielversprechenden Pianistenlaufbahn Schumanns kam das jähe Ende zuvor: Schumann, den es in seiner enormen Verbissenheit am Klavier schon immer gestört hatte, dass die Finger einer Hand in jeweiliger Abhängigkeit voneinander stehen, wobei einige – wie der Vierte – sich als besonders schwach erweisen, hatte ein mechanisches Werkzeug ersonnen, das jedem einzelnen Finger eine kraftvolle Souveränität verleihen sollte. Nächtelang an der rechten Hand erprobt, führte dies zu einer Sehnenscheidenentzündung mit einer nachfolgenden Bewegungsunfähigkeit der ganzen Hand.[2] Als diese schließlich abklang, war Schumanns Ringfinger so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er für das professionelle Klavierspiel unbrauchbar war. Dieser unheilvolle Selbstversuch machte die Pianistenlaufbahn zunichte.

Neue Wege

Schumann konzentrierte sich nunmehr auf das Erlernen von Kompositionstechniken; wertvolles Anschauungsmaterial lieferte ihm hierbei das „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach. Anfänglich komponierte Schumann fast ausschließlich für Klavier, sein Opus 1 sind die ABEGG-Variationen, Stücke, die einer Phantasieperson, der „Comtesse d'Abegg“, gewidmet sind und auf der Notenfolge A-B-E-G-G aufbauen. Zu seinen ersten Kompositionen, die Zeugnis von Schumanns persönlichem Stil geben, gehören auch die Papillons (op. 2), drei Frauen aus Schumanns näherer Verwandtschaft gewidmet. Er selbst machte in Bezug auf dieses Werk Andeutungen, dass die Miniaturen durch den Roman Flegeljahre von Jean Paul inspiriert worden seien. Von seinen frühen Kompositionen erwähnenswert ist die Toccata (op. 7), bemerkenswert an ihr ist, dass bei der Figuration der rechten Hand der Einsatz des Ringfingers durchaus vermieden werden kann. So konnte Schumann das Stück selbst vortragen. 1833 begann er mit den Etüden im Orchestercharakter, sie wurden 1837 unter dem bis heute geläufigen Titel Sinfonische Etüden veröffentlicht. Sie sind weniger Etüden im Wortsinn als vielmehr Variationen über ein eingangs vorgestelltes Thema.

Zusammen mit Friedrich Wieck, Ludwig Schunke und einigen weiteren Freunden gründete Schumann 1834 die Neue Zeitschrift für Musik, das Konkurrenzblatt zur Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung. Da die anderen aber für das Projekt kaum Zeit aufbringen konnten, schulterte er die Verlegerschaft schließlich maßgeblich allein. In der Funktion als Kritiker und Musikwissenschaftler setzte er neue Maßstäbe, insbesondere wandte er sich gegen Mittelmäßigkeit und seichtes Virtuosentum. Schumann drückte dabei vielen seiner Besprechungen von Werken und Aufführungen seinen Stempel auf: den der poetisierenden Kritik. Das war zwar nicht ganz neu, schon E. T. A. Hoffmann, der Jahrzehnte zuvor unter dem Pseudonym Johannes Kreisler für die Allgemeine musikalische Zeitung geschrieben hatte, bemühte einen ähnlichen Stil. Durch Schumann entwickelte sich diese Art des Schreibens geradezu zu einer Gattung. Ausgerechnet er, dessen beharrliche Wortkargheit Legende ist (Clara notierte später in das gemeinsame Ehetagebuch, gleich drei Mal müsse sie „was?“ fragen, um ihn zu verstehen), läuft hier zu Höchstform auf und zeigt Beredsamkeit, der keine Nuance fremd ist. In seinen Texten ist alles vertreten, ernsthafte Auseinandersetzung, sanfter Spott, aber auch höhnischer Verriss.

Sowohl in dieser Zeitschrift als auch in seinen Kompositionen spielen dabei die fiktiven Figuren Florestan (der leidenschaftliche Schumann), Eusebius (der in sich gekehrte Schumann) und Meister Raro (Ratgeber – anfangs stand Friedrich Wieck für diese Figur Pate) eine wichtige Rolle. Diese unterschiedlichen Charaktere nutzte Schumann, um verschiedene Sichtweisen von Werken darzustellen.

Die Davidsbündler

Schon 1833 hatte sich um Schumann ein Kreis junger Künstler gebildet, die sich regelmäßig im Leipziger Lokal Zum Arabischen Coffe Baum einfanden. Sie verstanden sich als Gegenpol zu den Philistern, den Spießbürgern, nannten sich Davidsbündler und trugen – in der Tradition der damals beliebten Geheimbünde – Phantasienamen. Der Bund hat in Schumanns Werken immer wieder eine Bedeutung gespielt (beispielsweise in den Davidsbündlertänzen, aber auch im Carnaval).

Private Entwicklungen

Liebeleien

Als Schumann Clara 1830 durch seinen Aufenthalt in Wiecks Haus näher kennenlernte, konnte er mit dem neun Jahre jüngeren Mädchen nur wenig anfangen. Er ging mit ihr manchmal spazieren und beobachtete ihr Reifen in der Folgezeit mit einer Mischung aus Erstaunen und Amüsement. Er hatte ein paar Liebschaften, aus der Zeit nahm er wohl auch ein Andenken mit, über das er bis 1855 nicht sprach, das aber mitursächlich für seinen frühen Tod gewesen sein könnte: die Syphilis.

1834 verlobte Schumann sich mit Ernestine von Fricken, wie er damals meinte, Tochter eines reichen böhmischen Barons. Dass es sich um böhmischen Adel handelte, traf zwar zu, allerdings lagen Ernestines Vermögensverhältnisse völlig im argen, denn sie war lediglich ein Adoptivkind und nicht erbberechtigt. Schumann löste die Verlobung vor Ablauf eines Jahres. Gleichwohl setzte er ihr ein musikalisches Denkmal: den Carnaval. Die von Frickens entstammten dem böhmischen Städtchen Asch; dieser Ortsname ist Grundlage des Carnaval in der Weise, dass Schumann in den ersten Miniaturen (meistens gleich am Anfang) die Tonfolge A-Es-C-H, in der zweiten Hälfte des Werks bei den Stücken die Notation As-C-H integriert. Ein Stück trägt den Titel Estrella, eines ist Chiarina gewidmet, auch der Marsch der Davidsbündler gegen die Philister als krönender Abschluss fehlt nicht. Der Eingang des Stückes, die Preambule sowie die Miniaturen mit den Titeln Chopin und Paganini bilden die Ausnahme in dem Duktus der beschriebenen Notation.

Ernste Liebe

Ende 1835 kamen sich Schumann und Clara näher, ein Umstand, der dem überfürsorglichen Vater Wieck nicht verborgen blieb. Er unternahm in der Folgezeit alles, um jedweden Kontakt zwischen den frisch Verliebten zu unterbinden. Nichts war mehr möglich, kein Treffen, selten Briefe, die unter geradezu konspirativen Umständen übermittelt wurden, Blicke nur aus der Entfernung. Die Härte des alten Wieck vergrößerte die Leidenschaft nur. 1840 beendeten Robert und Clara die hoffnungslos erscheinende Situation mit einer Klage vor Gericht, die darauf gerichtet war, dass entweder der Vater der Ehe zustimmen oder von Amts wegen eine Einwilligung herbeigeführt werden sollte. Am 12. September 1840 heiratete das Paar aufgrund der Zustimmung des angerufenen Gerichts in der Dorfkirche von Schönefeld bei Leipzig und verbrachte den Nachmittag auf dem Rittergut Mölkau.

Zurückweisung

Die Kreisleriana hatte Schumann schon 1838 vollendet. Gedanklich ist das Stück dem Schriftsteller E.T.A. Hoffmann zugeeignet, der seinen Kapellmeister Kreisler nicht nur als Pseudonym für die Leipziger musikalische Zeitung verwendet, sondern ihn auch literarisch zum Charakter erhoben hatte. Als Zeugnis musikalischer Verehrung widmete Schumann das Werk Frédéric Chopin, für den er große Bewunderung hegte. Der so Bedachte vermochte aber keine besondere Affinität für Schumanns Kompositionen zu entwickeln.

Auch andere Pianisten verhielten sich seinen Stücken gegenüber zurückhaltend: Franz Liszt, der einige seiner Werke in sein Repertoire genommen hatte, erlitt nach eigenem Bekunden damit ein „großes Fiasko“. Das Publikum wollte ihn wohl nicht als Interpreten schwer verständlicher Musik, sondern vielmehr als Hasardeur auf den Tasten erleben. Selbst Clara, die maßgeblich zur größeren Bekanntheit von Schumanns Klavierwerken beitrug, spielte auf Konzerten nur vereinzelt das eine oder andere Stück ihres Mannes. Die Zuhörer bevorzugten Musik, die ihrem zeitgenössischen Geschmack entsprach. Aus der Retrospektive nicht nachvollziehbar: Schumann gehörte nicht dazu. Ludwig van Beethoven wurde verehrt, Mendelssohn Bartholdy, Chopin und Scarlatti galten als beliebt, Sigismund Thalberg, Friedrich Kalkbrenner, aber auch Henri Herz, den Schumann wegen seiner seichten Klaviermusik verachtete, waren zu der Zeit häufig zu Gehör gebrachte Komponisten.

Ein 1838/1839 unternommener Versuch Schumanns, seine Neue Zeitschrift für Musik in Wien zu etablieren, scheiterte an den damals herrschenden strengen Maßstäben der österreichischen Zensurbehörde. Doch wurde Schumann im darauffolgenden Jahr 1840 Ehre zuteil: Die philosophische Fakultät der Universität Jena verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

An Claras Seite

In seiner Ehe mit Clara Schumann versuchte Schumann, stets Einfluss auf ihr Leben und Schaffen zu nehmen. Er wünschte nicht, dass sie, die in ganz Europa Ruhm als große Pianistin erlangt hatte, weiter ihren Konzerttätigkeiten nachging. Auch wollte er, dass ihre – bis dahin dem romantischen Publikumsgeschmack nachgebenden – Kompositionen ernsthafter würden, sich mehr an seinem Schaffen orientierten. Sein Ziel war musikalische Zweisamkeit in Einheit. Und so brachte ein 1841 veröffentlichter Liederzyklus des Ehepaars Schumann die Rezensenten in die Verlegenheit, nicht sagen zu können, welche der Vertonungen nun Robert und welche Clara zuzuschreiben waren.

Zeit des Schaffens

Zweifellos aber fühlte sich Schumann durch diesen neuen Lebensabschnitt mit Clara Schumann an seiner Seite beflügelt. Innerhalb kürzester Zeit entstand seine Sinfonie Nr. 1 in B-Dur, deren von den Blechbläsern intoniertes Motiv auf dem Gedichtstext: „Oh wende, wende deinen Lauf. Im Tale blüht der Frühling auf!“ beruht. Die so genannte Frühlingssinfonie wurde am 31. März 1841 unter dem Dirigat von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt. Noch im selben Jahr vollendete Schumann eine Sinfonie in d-Moll, in der ursprünglich eine Gitarre integriert war. Am 6. Dezember 1841 uraufgeführt, mochte sie beim Publikum aber nicht recht ankommen. 12 Jahre später hat Schumann sie überarbeitet, bekannt ist sie heute als seine 4. und letzte Sinfonie.

1841 wurde auch das erste Kind der Schumanns, Marie, geboren. Acht Kinder hatte das Paar, der letzte Sohn Felix kam auf die Welt, als Schumann bereits in der Nervenheilanstalt weilte. Auf seinen Wunsch hin wurde er nach Felix Mendelssohn Bartholdy getauft.

Zeit der Verzweiflung

1843 war Schumann für kurze Zeit Lehrer am Leipziger Konservatorium. Aber die Geldsorgen wuchsen. Clara begab sich wieder auf Konzerttournee, unter anderem nach Russland, was ihr 6000 Taler einbrachte. Schumann begleitete sie, in den Augen der Bewunderer Claras als Gatte einer europaweit bekannten Pianistin, für ihn eine furchtbare Demütigung. Manche steckten ihm diskret Geld zu, zutiefst gekränkt notierte Schumann dies in sein Tagebuch mit dem Zusatz „Und Klaras Benehmen dabei.“

1844 zerschlug sich Schumanns Hoffnung, Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden. Schumann zog daraufhin mit seiner Familie nach Dresden. Die Folgezeit bis 1846 war geprägt von Krankheiten, er klagte über Abspannung, Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle – und er wurde schwerfällig. Robert Schumann litt an einer bipolaren Störung, auch als manisch-depressive Krankheit bezeichnet, der er schließlich zum Opfer fiel. Nicht auszuschließen ist, dass die Syphilis zum Krankheitsbild beitrug. Die 2006 veröffentlichten Krankenakten Schumanns belegen, dass er tatsächlich unter dieser Krankheit litt, von deren Ansteckung er seit 1831 wohl gewusst hat.[3] Unter großen Anstrengungen vollendete Schumann eine Sinfonie in C-Dur (sie ist heute als Nr. 2 bekannt), sie wurde am 5. November im Leipziger Gewandhaus aufgeführt. Erfolg war ihr zu der Zeit nicht beschieden. Einige Bemühungen, eine Festanstellung bei einem Konzert- oder Opernhaus in Sachsen zu erhalten, scheiterten. Erst ab Dezember 1849 erhielt Schumann ein reelles Angebot: Die Nachfolge von Ferdinand Hiller als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf. Die Schumanns zögerten. Sachsen war ihnen vertraut, das Rheinland so fern. Aber am 1. September 1850 verließen sie Dresden Richtung Westen.

Im Rheinland

Robert Schumann – Daguerreotypie um 1850

Lichtseiten

Der Empfang Robert Schumanns in Düsseldorf war herzlich: Das Orchester sowie der Chor hatten einige Stücke von ihm einstudiert und es gab eigens für ihn einen Ball sowie ein Souper. Schumann wurde von Hiller höchstpersönlich in künstlerische Kreise eingeführt. Die Begeisterungsfähigkeit der Rheinländer steckte die Schumanns förmlich an: Robert komponierte wie besessen und entwarf innerhalb eines Monats seine 3. Sinfonie in Es-Dur, die sogenannte „Rheinische“. Der Beethovenschen Stimmungsempfindung folgend (Es-Dur steht für heroisch) beschreibt Schumann mit ihr seine ersten Eindrücke, die er von der Fremde hat, die Sätze 1, 2 und 5 sind beschwingt und voller Enthusiasmus. Der 3. Satz mit der Tempobezeichnung Nicht schnell hat Intermezzo-Charakter und ist eine Genre-Komposition in der Art von Schumanns Klavierminiaturen. Der feierliche 4. Satz erinnert an einen Festgottesdienst in einem prunkvollen Kirchenbau und wird daher manchmal mit der Weihung des damaligen Erzbischofs Johannes von Geissel zum Kardinal in Verbindung gebracht, die am 12. November 1850 im Kölner Dom erfolgte. Schumann selbst war dabei jedoch nicht anwesend.[4]

Schattenseiten

So schnell sich die Schumanns von der rheinischen Mentalität fesseln ließen, so schnell kam die Ernüchterung: Die im Wortsinn praktizierte „Kommste heut nicht, kommste morgen“-Einstellung des Orchesters machte ihm zu schaffen. War es dann vollständig, kämpfte er gegen verpatzte Einsätze. Als die Blechbläser einmal aus Achtlosigkeit das in eine falsche Tonart transponierende Instrument gegriffen hatten, gab es statt eines Einsehens gleich eine Diskussion. Und der Chor schwatzte und lachte während der Proben. Schumann fühlte sich nicht ernst genommen. Schon Ende 1851 überlegte er, das Amt niederzulegen, aber ein sechstes Kind (Eugenie) hatte sich angekündigt.

Nachdem Schumann nach einer Pause im Dezember 1852 wieder als Dirigent auftrat, gab es erste Rücktrittsforderungen. Schumann war zutiefst verletzt. An Pfingsten 1853 überarbeitete er seine Sinfonie in d-Moll, sie wurde dieses Mal wohlwollend vom Publikum aufgenommen.

Ein Bewunderer aus Hamburg

Im selben Jahr erhielten die Schumanns Besuch von einem jungen Künstler aus Hamburg, der bis dahin noch nicht von sich hatte reden machen: Johannes Brahms. Begeistert von dessen Können als Pianist wie Komponist, brachte Schumann den Musikverlag Breitkopf & Härtel dazu, einige Werke von Brahms zu veröffentlichen. Außerdem publizierte er, der die Verlegerschaft der Neuen Zeitschrift für Musik längst in andere Hände gegeben hatte, einen Aufsatz über Brahms unter dem Titel Neue Bahnen. Darin wird Brahms nahezu hymnisch als Auserwählter bezeichnet, „der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen“ sei. Schumanns prophetische Worte empfand Brahms als große Verpflichtung, die seinen skrupulösen Umgang mit den eigenen Kompositionen verstärkte. Brahms führte in den Folgejahren manche Tendenz der späten Werke Schumanns weiter, beispielsweise Schumanns Hang zur „alten“ Musik, zumal zu den polyphonen Satztechniken Johann Sebastian Bachs. Schumanns Kompositionen hatten prägende Wirkung auf Brahms. Das zeigt z. B. ein Vergleich der Themen des 1. Satzes aus Brahms' 1. Klavierkonzert mit denen des 1. Satzes von Schumanns Violinkonzert.

Dieses 1853 von Schumann geschriebene tiefgründige Violinkonzert in d-Moll wurde allerdings der Öffentlichkeit von Clara Schumann und Johannes Brahms vorenthalten. Grund dafür war, dass der Violinist Joseph Joachim, der das Werk nur in Proben gespielt hatte, es in Teilen und namentlich den dritten Satz daraus für zu schwer erachtete. Man hielt es nicht für eine Veröffentlichung geeignet. Erst 1937 wurde es gedruckt und in Berlin uraufgeführt.

Das Ende

Am 10. Februar 1854 begann zwar nicht Schumanns Leidenszeit, sein – wie man heute weiß – durch die Syphilis verursachtes Leiden verstärkte sich jedoch sprunghaft: Er klagte über „Gehöraffektionen“. Töne, Akkorde, ganze musikalische Stücke tobten in seinem Kopf, benebelten ihm die Sinne, raubten ihm den Schlaf.

Tag und Nacht wurde Schumann nun von seiner Frau und seinen Kindern beobachtet und stand auch bereits unter ärztlicher Aufsicht, konnte allerdings trotzdem am 27. Februar 1854 in einem unbeobachteten Augenblick das Haus an der Bilker Straße verlassen. Der Rosenmontag des 27. Februars 1854 war verregnet. Doch unbeeindruckt vom schlechten Wetter feierten die Einheimischen in Düsseldorf Karneval. Viele waren verkleidet, manche betrunken. Kein Mensch nahm Notiz von der kräftigen Gestalt, die in einem geblümten Morgenrock der Alten Rheinbrücke zustrebte. Robert Schumann stieg über das Geländer und stürzte sich, nachdem er seinen Ehering ins Wasser geworfen hatte, in den Fluss. Rheinschiffer bemerkten das Aufklatschen im eiskalten Wasser und zogen den Lebensmüden beherzt an Bord. Schumann zitterte am ganzen Leib, schlug die Hände vors Gesicht, sprach kein Wort. Schaulustige, die sich einfanden, erkannten ihn. Im Tross von Mummenschanzgestalten nach Hause geleitet, wurde er von einem herbeigerufenen Arzt betreut. Seine Frau Clara suchte angesichts dieser Situation mit ihren Kindern Zuflucht bei einer Freundin.

Als Schumann in die von dem Sanitätsarzt Dr. Franz Richarz 1854 eröffnete Heil- und Pflegeanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert wurde, blieb seine Stelle als Musikdirektor zunächst unbesetzt, das Gehalt wurde an die Familie weiter ausgezahlt. Verschiedene Biographien zu Robert oder Clara Schumann gehen davon aus, Robert habe sich in der Leidenszeit als „Verbrecher“ gesehen, der seiner geliebten Frau „ein Leid antun“ könnte, was ihn zu der Entscheidung bewogen habe, aus eigenem Entschluss in eine private Nervenheilanstalt zu gehen. Dies ist durch Fakten nicht belegt und mittlerweile höchst umstritten. In Roberts Tagebuchaufzeichnungen, die bis zum 17. Februar reichen, steht hierüber nichts. Indes ist die Quelle der Behauptungen bekannt: Der erste Biograph Clara Schumanns, Berthold Litzmann, hatte dies in seinem 1908 erschienenen dreibändigen Werk Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen verbreitet. Die in seinem Besitz befindlichen Tagebücher und Briefe von Clara Schumann hat Litzmann jedoch der Nachwelt nicht zur Einsicht hinterlassen (er soll sie verbrannt haben).

Ehrengrab von Robert und Clara Schumann

Verschiedentlich (so auch Dieter Kühn in Clara Schumann. Klavier) wird angenommen, Litzmann habe Claras Verhalten nach der Einlieferung ihres Mannes (sie hat ihn – allerdings auf Anraten der Ärzte – erst nach über zwei Jahren, nämlich zwei Tage vor seinem Tod aufgesucht) dadurch zu erklären versucht, dass er Robert als ein Risiko für sie und ihre Familie darstellte. Nach der Veröffentlichung der Krankenakten des Syphilitikers Schumann scheint dies nunmehr nachvollziehbar.

Im ersten Jahr seines Anstaltsaufenthalts spielte Schumann manchmal noch Klavier. Er studierte Kompositionen von Brahms und las viel. Doch holten ihn zunehmend Wahnvorstellungen ein. Er reagierte darauf mit Zornausbrüchen und Gewalt gegen die Wärter. Bettina von Arnim, Joseph Joachim und Johannes Brahms besuchten ihn, berichteten unterschiedlich über sein Befinden.

Clara stattete Schumann erst kurz vor seinem Tod einen Besuch ab, am 27. Juli 1856, wo er bereits die Essensaufnahme verweigerte. Am 29. Juli starb er; niemand war zugegen. Am Abend des 31. Juli 1856 wurde Schumann auf dem Alten Friedhof in Bonn zu Grabe getragen.

Clara überlebte ihren Mann um 40 Jahre. Sie wurde neben ihm im gemeinsamen Ehrengrab beigesetzt.

Werke

Klaviermusik

Sinfonien

Konzertante Werke

Orchesterwerke und Chorwerke mit Orchester (Auswahl)

Kammermusik

Lieder (Auswahl)

Oper

Stand- und Denkmale

Verfilmungen

Im Film Frühlingssinfonie (BRD 1982) wurde Robert Schumann ein filmisches Denkmal gesetzt. In den Hauptrollen: Nastassja Kinski als Clara Schumann, Herbert Grönemeyer als Robert Schumann, außerdem André Heller, Rolf Hoppe, Gidon Kremer, Bernhard Wicki; Regie: Peter Schamoni; Buch: Peter Schamoni und Hans A. Neunzig.

Sonstiges

Robert Schumann war Zeit seines Lebens bis zu seinem Endenicher Aufenthalt ein begeisterter Anhänger des Schachspiels. Das belegen Aufzeichnungen in seinen Tagebüchern[5] zu Spielern aus der Leipziger Studienzeit, Partiefragmenten und Abschriften von Schachendspielen aus einem Buch.

Siehe auch

Musik der Romantik, Clara Schumann, Liste deutscher Komponisten, Davidsbündler, Robert-Schumann-Preis

Literatur

 Commons: Robert Schumann – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Robert Schumann – Zitate

Literatur von und über Schumann

Akustisches

Noten

Sonstiges

Einzelnachweise

  1. Caspar Franzen: „Qualen fürchterlichster Melancholie“, Dtsch Arztebl 2006; 103(30):A 2027-9
  2. Gerhard Böhme: Medizinische Porträts berühmter Komponisten, Elsevier, 1981, ISBN 3437106899
  3. Akio Mayeda: Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte, Schott, Mainz, 2006, ISBN 3795705274
  4. Günther Spies: Reclams Musikführer Robert Schumann. Reclam, 1997, Seite 273, ISBN 3-15-010435-1
  5. Robert Schumann: Leipziger Lebensbuch (Tagebuch) 1831–1838, S. 163ff., Robert-Schumann-Haus Zwickau, Archiv-Nr. 4871,VII,A,a,4-A3
Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
Personendaten
Schumann, Robert
deutscher Komponist der Romantik
8. Juni 1810
Zwickau
29. Juli 1856
Endenich bei Bonn